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Jüdisches Volksblatt · 1861-01-01 · 21 (1861) · p. Seite 80

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
8 (1861)
Issue
21 (1861)
Date
1861-01-01
Page
Seite 80 (sequence 4)
Language
German
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84 Pferde Nichts auszurichtea und sie nicht von der Stelle zu bringen vermochte. — „Wenneinmal nicht geht, so gehr'S nichr" — sagt er endlich halb verdrießlich, halb sich beruhigend — „tobt machen kann ich meine Pferd' nicht und'ist« nicht ander-, werd' ich auch diesen Schabbes wieder in der Fremd' fürlied nehmen müssen!" — Er wartete di« Ankunft eine- Gespann«, dasich .nach einiger Zeit auder Feme zeigte, ab, und ging den Besitzer desselbm an, ibm zur Aushülfe seine Pferde zu' leihm, und ihn der mißlichm Verlegenheit zu entheben, waS ihn auch gem bewilligt wurde. Bald war man die Anhohe hinan. Einige Stunden aber waren über dem verhäsgnißvollen Anhalt verlorm gegangen. Der Tag neigte sich dem Untergange zu und Hirsch sah die Unmöglichkeit, noch vor Sabbarh-Beginn in seiner noch eine ziemliche Strecke «nrfemtea Heimath anzulangen, ein; ec beschloß daher, im nächsten Flecken, den er auch bald -erreichte, dm Sonnabend über zu verbleidm. Er fand in einem Gasthause ein Uncerkommm, und bas _ wie er aus der Umgebung entnehmen konnte — zu seiner Freude unter Glaubensgenossen. — Der Hausherr war gerade abwesend." Nach einiger Zeit trat ec ein. — Hirsch zuckte mir seinem Anblick unwillkürlich zusammen, faßte sich aber wieder und bemühte sich seine Schwäche zu verläugnen, als der Wirrh ihm mit der größten Freuadlich- ' feit eutgegenkam und mit einem kräftigen Händedruck einen warmen Scholaumaleichem (Friede sei mir Euch!—- (Willkommen!) andot. — Wa mag« wohl die Ursache seines Zusammenfahren-gewesen seinliegt vermurhlich dem freundlichm Leser auf der Zunge. — Nun, eS wäre die« für jedm Andern eia Umstand ganz nichtiger Bedeutung gewesen; für Hirsch aber mar es ein erschrecklicher — da«' Schrecklichste der Schrecken — denn — der freundliche Mann hatte — waS allerdings viel sagen will — feuerrothe« Kopfhaar und einen riesig langen Bgrt von gleicher Farbe; kurz, das war ein „Ramme" in der höchsten Potenz, des, gleichen weit und breit zu suchen ist. — Seine überaus fteundliche Zuvorkommenheit, sein Bemühen, dem Gaste jede Bequemlichkeit zu dieren, dir fast kindische Freude darüber, daß ihm Hirsch" heut zur AuShülfe im Mesummen-Benschen (Tischgebet Gemeinschaft von 3 wenigstens 13 Jahre alten Personen männlichen Geschlechts verrichtet,) welches Glück er so lange schon entbehren müssen, wie «in Bote Gottes erschienen fei, stimmten Hirsch allmählig zu Gunsten seiner Person. — ES giebt doch allenthalbm Ausnahmen, so dachte er bei sich. Der Verdacht, der anfänglich sei« Herz beschlichen, hatte sich allgemach wieder zurückgezogen. Hätte er auch trotz Allem dem, um nur dem väterlichen Wille« nicht zuwider zu handeln, di« einmal gefundene Zufluchtsstätte verlassen wollen, es wäre nichtmöglich gewesen; er hätte sonst «in hei weiten wichtigeres Gebot vernachlässigen, den heiligen Sabbath entweihen müssen. Er mußte daher bleiben. Der Abend floß unserem Hirsch unter Lust und Freude dahin; eS fehlte nicht an.vottrefflichev Speisen, die a»s der Küche der vierschrötigen Wirchia, Meisterin vornehmlich der Schabber-Kochkunst, hervorgegangen warm, wofür dma diese auch schmunzelnd Lob über Lob mrgegmnahm. Und wo gut gegessen wird — daist «ine alte Sache — da wird auch gut getrunken. Dan» wurde in rosenrother Laune aus voller Brust ein mehrstimmig - .anroth (Tifchgesänge) angestimmt, daß es ein« Freude war zu Horm; wir haben hierfür den sprechmbsten Beweis, daß die nicht jüdischen Gassenbuben, die sonst an die Fenster kämm, den Gesang spöttisch nachahmten, und auS Furcht vor dem Envifchtwerdm jählings die Flucht ergriffen, heut mäuSchmstill dastanden und zulaufchte«. — (ftortfetang folgt.) Polmsch-jüdische Witze. Ein Jude ging aus peeuniärem Interesse zum Christenthume über; später aber ließen ihn feine Protectvrm im Stiche und er sah sich genöthiget, dm Wohlthätigkeltssinn seiner frühem Glaubensgenossen in Anspruch zu nehmen. Als er einen wohlhabenden, geistesverwandten Judm um eine Unterstützung ansprach und dieser ihn ftagte: n-rs. ,3 ^2b? gab er ihm zur Antwort: vns vnxia Nb® i* *)vnxi3 Nb irws! — Tnxt:w i«2»i Ein Jude sitzt in einer Strafanstalt. Als er einige bekannte Glaubensgenossen vorüdergehen sieht, hält er ihnm die offene Hand entgegen, und redet sie mit den Worten an: Drt O'Wnp b«nw'; damit wollte er sagen: Habt Mitleid mit einem unglücklichen Sträfling! Einer der Vorüdergehendm gab ihm aber anstatt einer Spmde die Antwort:?axv!®np,rTn«o „Und du. Heiliger! sitzest?" — Zwei Juden unterhalten sich bei einem Glase Mech über das in manchen Gegenden von den Geistlichen noch immer faktisch gehandhabte Verbot, christlich« Dienstbotm zu halten. „Ich möchte gem wissen" sagte der Eine, „wie die Geistlichen, trotz der Gefahr, die — bet der trostlosm Lage des Papstes — der katholischen Kirche im Allgemeinen droht, noch immer den Muth haben, an solchen kleinlichen Dexatione» festzuhaltm?" — „Mir fällt da« gar nicht auf," erwidert« der Andere; „ein Geschwollener darf alles essm" wie das Sprichwort sagt. — *) HX13 kann zugleich von ix' und von ’ixis Abgeleitet werden, die« die Pointe de« Witze«, wenn auch letztere« gramatikalisch nicht richtig. Allgemeine Zeitung de« Judenthum«. Ro. 20. 1861. Leitende Artikel: Lu« Ungarn. — Pariser Briefe. V. — Die israelitische Bibel-Anstalt. Zeituvg«oachrichteu: Deutschland: Wiesbaden. München, Bnrgebrach, Dresden, Stnttgatt, Rendsburg, au« Bayer», Eschwege. Preußen: Berlin, von der Oder, SchSnlauke. Oesterreichischer Kaiserstaat: Krakau, Krakau, Tarnopol, au» dem Tokayergebirge. Rußland: Lu« Polen. Lorrespvndeoz: Wümembagische Briefe von Alexander Elsaß«. Jlft Zu beziehen durch jede« Postamt und jede Buchhandlung. Jährlich 3 Thaler, vierteljährlich M Thal«. Berautwottlicher Rchactmr: ft. Mütze. SBtag MS ia r«L»B4. — DwN am ». t» Soivst«.

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