Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 8 (1861)
- Issue
- 21 (1861)
- Date
- 1861-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Jüdisches Volksblatt. Zur Belehrung und Unterhaltung auf jüdischem HeKiete. Herauogegeben von Rabbiner vr. Ludwig Phili-Pso» in Magdeburg. lNo. 21. 1861.1 «o» dieser Aeitschrist erschaut »ScheiUtch ei« -l»««er. Preis de« Jahrgang« l Tbk. »ieNrljshrig 7 % 9Jgr. iBc v«chba»dt»»ge», Post« ml er »st 3titxs8«enKktnonni sehme» tkftcuaig«a «s. [8; Jahrg. 2j^aartal] Nekrolog. ] AuS Schönlanke. Es ist wohl die heiligste Aufgabe der dem Judenthum und seiner Geschichte gewidmeten! Blätter, das Verscheiden von Personen zu registriren, welche mächtig auf ihr Zeitalter, belebend und veredelnd^ ein» gewirkt haben, und das bedeutungsvolle Leben solcher Personen in seinen hervorstechenden Zügen zu skizziren. — Ein Leben von. solcher Bedeutung, die reinste Orthodoxie mir dem gesunden und berechtigten Streben der Zeit, aber' auch nur mir einem solchen, weise vermittelnd und sich zum Achtung erzwingenden Repräsentanten der Erstem in unserer Zeit erhebend, war das des greisen, tiefgelehrten und zugleich durch Leutseligkeit, Adel" von Allen hochgeschätzten Rabbi Lobet Blaschke, Rabbiner der hiesigen Gemeinde, der den 19. Jjar (29. April) dieses Jahres verstarb. Dieser Nestor talmudischer Gelehrsamkeit, mit welchem ein sehr wesentliches Stück Geschichte zu Grabe getragen worden, wurde vor 80 Jahren in Rawirsch im Großhereogthum Posen geborm, wo sein Vater, Rabbi Schamfchon Blaschke rra c«n gewesen. Nach den Grundsätzen jener Zeit besuchte der junge, fähige Kopf, welcher sich außerdem durch eine schöne Gestalt und einen edlen Charakter fühjtirig auSzeichnete, di« maro* in Märkisch-Friedland und Glogau (bei den von ihm fast bei jedem Vorträge mit Devotion erwähnten -iaw wp* > man nno und rrtin) und erwarb, nachdem ihm die Uederzeugung geworden, baß mir seiner Frömmigkeit, seiner Lem-und Lehrrhätigkeit die Führung «ineS weltlichen Geschäfts ohne segensreichen Erfolg bleibt, und nachdem, wie er oft mir Humor erzählte, das HeirathSgut seiner Frau zusammengeschmolzm war, einen Rabbinersitz, und zwar zuerst in Koschmin. Er entwickelte bald in seinem Amte eine reich« LebevSklugheit, so daß man nicht selten auS der großm Nachbargemeinde Krotoschin sich bei ihm RathS erholte. Sei« Andenken ist in jmerBlegenv fest gegründet, noch aus der Zeit, da der bekannte n-aiv > aus Tempelburg und der alte Rabblne in Krotofchio lebten, mit denen unser Rabbi köbel Blaschke in unzertrennlichem FreundschaftSbunde gestanden. Dies ist um so höher anzufchlagm, als zu jener Zeit Krotoschln reich au Koryphäen im Talmuad war gab zahlreich besuchte ma*«' und trsnia **ra aufzuweism hatte. Referent, au< Krotoschin stammmd, erinmrt sich auS seiner Kindheit, «le in der benachbart« Gemeind« Zdunp sehr vorworrene Fälle auf jnridijch - religiösem Gebiete austaucht« und vorzugsweise der weisen Mitwirkung de< Koschmtner Rabbinm ihn Lösung verhmsktm.! Im Alter von 47 Jahren, und wie Einige behaupt«, I genau an demselben Tage, an welchem er sein Leben auSgehaucht, übemahm Rabbi Blaschke das Rabblneramt der! hiesig« Gemeind«. Wer kennt nicht d« Glanz, d« dieses Rabdinat damals befaß, und den vorzüglich damals die vielen Gelehrten und Talmudjünger in der hiesig« Gemeinde auSmachteo. Der Verklärte hat tteu seinem Berufe lebend währ«b seiner 33 jährigen AmtSthätigkeit ununterbrochen, Tag und Nacht, in gesund« wie in, krank« Tag« ' Talmud gelehn und Schüler nach all« Weltgegmdea entlass«, von denen eine beträchtlich« Anzahl RadbinatSbefähigung besitz« und eine noch bettächtlichere zu Rabbinm creirt sind. Er besaß die Gabe, daS schwerste Problem auf diesem Gebiete faßlich darzustellen, und daS wohltönmdsteOrgan und eine meisterhafte Beredsamkeit uuttrstützten ihn hierin. Seine Deraschoth Han« schon daß Gepräge dieser insiauirmd« Klarheit-, noch-.mehr alS diese aber verdienten feine scharfsinnig« PilpulvorttLge diese Bezeichnung. Betrachten wir sein Leben alS Mmfch, Gatte und Vater, so müssen wir-gesteh«, daß wir verged«- nach AuSdrück« such«, um di« Tugend« des selta« ManneS zu charakterisir«. Arm« und Gelehtte auS jedem Staad« waren stets seine Tifchgenoffm, und rastlos suchte er sein« Gemiind« und auswärtige BegÜtene von einem aiv -oi zum andsan zu dräng«, von vom herein immer selbst reichlich spmdend, keine Mühe, keine Umstand« scheumd, sich selbst vergessend. Wie viel GuteS leistete da der Heimg«, gangene währmb seines langen thatmreichm LebmS, zumal kein Tag ohne mildthälige Werke bei ihm vorÜbergiag. Man sah ihn in der Regel schon früh Morgens aus dem Beth»hamidrasch komm«, begleitet von Fremden, di« seine Hülfe bald in diesem, bald in jenem Stücke suchttu. Sein persönliches Einttet« für ein« Sache galt gleich bei» Beginn« fi»r der« siche« Erfolg; d«n «er konnte seiner Erscheinung, sein« bestechlichem Wort« auch nur ein« Augenblick widersteh« N) Er fordertt jedtSmal Großes und eS mußt« geschehen. Und wie er geg« Fremd« seines GlaubmS sich benahm, so zeigtt er sich i» seiner Toleranz geg« Andersgläubige. Sein Leichmbegangaiß ist das sprechendst« Zeuguiß hierüber. Der Herr prüfte ihn auch oft mit Leid«, er verlor *) Hein Thoraqnell war unerschöpflich »ab er veoorbeitete diesen Stoff in, ihm all« Hemm gewinnende» Bonmot», die, er bei jeder Gelegenheit auf die paffendste Krl heranbrachte- Man könnte von ihn» ein dicke» Buch mit solch« Bonmot« hernnSgeh«. — D. Einsend.