Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 8 (1861)
- Issue
- 19 (1861)
- Date
- 1861-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Jüdisches Volksblatt. , Zar ” |' Retehrung unö Anterhatlung aus jüdischem HeKiete. Herausgegeben von Rabbiner vr. Ludwig Philippsou in Magdeburg. _ sNo. 19. 1861.] Bon tiefer Zntjchrisk erfrfxtnt »oAentlüb eine Nummer. Preis de« Jahrgang« l Tblr. Xierleijährig 7 '4 Ngr. Alle Buchhandlungen, PoftSmter und Aenüngaexvediliönen nehmen Lefleüungen an. [8. ZMg. 2. Quartal.] Hebräisch-archäologische Handzeichimngen. 1. Die Levi ren. Aus den längstvergangenen Zeiten hebräischer Herrlichkeit, aus jener versunkenen Epoche der Selbstständigkeit unseres Volkes Bilder und Schattenrisse vor unfern Augen aufsteigen zu lassen, ist, lehrreich und erweckt da- Gemuth. Denn wessen Seele ist so gefühllos und abgestumpft, welcher Enkel einer großen Vergangenheit so entartet, daß er gleichgültig bleibe, wenn der Glanz seiner Voreltern vor ihn tritt, und ihn mahnt an ein verloren gegangenes Glück? Und wessen Sinn ist so niedrig, daß ec sich nicht durch solche Erinnerungen erhoben fühle, und angespsrnt, durch Wirksamkeit jeder Art, wenn nicht an der Wiederherstellung, doch an irgend einem Ersätze deS ehemaligen Glanzes zu arbeiten? Die Verachtung, die den israelitischen Stamm während so vieler Jahrhunderte getroffen, und noch immer vielfach belastet, hat sich nicht selten auch auf unsere Vergangenheit in jenem „gelobten" Lande geworfen; sie hat sich ferner sogar uns selbst mitgetheilt, baß nicht Wenige von uns wähnen, unser Zustand wäre zu aller Zeit so gedrückt, so verworren und so ungeschlacht gewesen, wie er war, und wie er zum großen Theil noch ist. Dieser Wahn muß schwinden, und dieses bewirken aufgefrischte Gemälde auS unserer glanzvollen Vergangenheit am ehesten. Der dritte Sohn JakodS, Levi, starb in seinem hundert und siebenunddreißtgsten Lebensjahre, nachdem er alle seine Brüder überlebt halte, und hinttcließ drei Söhne: Gerson, Kahath und Merari7). Diese waren die Häuptlinge, nach denen die Geschlechter des Stammes Levi genannt wurden. Ka ha th's Enkel waren Moses und Aaron, und durch diese erlangte der Stamm Levi da» religiös« Urbergewicht, so wie der Stamm Juda da» politische später durch D a.v i d .und sein Geschlecht erlangte. Denn zwar sollten ursprünglich alle Erstgeborne Israels dem Herrn und seinem Dienste gewidmet sein'-, aber diese zeigten bald nichts von dem Eifer, welcher allein sie zu diesem hohen Berufe würdig machen konnte. Der Stamm Levi aber-ergab sich willig der Lehre Mosis, und! als dieser, erzümt über die Anbetung des goldenen Kalbes,! in da- Thor des Lagers trat, und ausrief: „Lu mir, wer! dem Herrn anglhöret!" da versammelten sich zu ihm alle j 1) 2. «. Mos. 6, 16. > 2) Ebend. St. 13, B. 11.! Sohne Levis, und gehorchten seinen Befehlen *). Darum, wie schon früher aus ibrer Mitte Aarost und seine Söhne zu Priestern geweihet worden* 3), sü wurden nun alle Söhne Levi» zu Dienern des' He^ligthums und der Priester an der Stelle der Erstgebornen erwählt3 5 6 7 8 9). Nun wurde der Samm Levi getrennt von den! übrigen Stammen, und nicht mit unter diese gezählt*). j©ft Stamm Levi war aber der kleinste, und faßte nur zweiundzwanzig tausend männlichen Geschlecht» *), zweihundert siedenmtddreißlg weniger als die Erstgebornen gewesen waren *). Während daher die übrigen Stämme nach ihren verschiedenen Standpunkten im Lager stationirten, lagertp sich der Stamm Levi rings um das Stiftszelt selbst, tie Gersonirer hinter demselben, die Kahathiter zur Seite gegen Mittag, die Merariter zur Seite gegen Mitternacht Mose« und Aaron und seine Söhne aber vor dem StiftSzckte gegen Morgen 7). AuS diesen Leviten wurden die Dienstflahigen zwischen dem 30sten und -Osten Lebensjahre herausgewählt, und insbesondere zum Adbrechen; Transport »nd Aufschlagen des Stiftszelt» bei den Zügen durch die, Wüste verwendet; ihrer waren 85b03). Sobald nämlich da» Lager abgebrochen werden sollte, so gingen di« Priester in bas StifrSzelt, und hüllten die Lade, bin Tisch, den Altar und alle Gefäße in Karmoisindecken, Seehundsfelle und Purpücdecken; in die Lade und den Altar befestigten sie die Stangen, hi» andere legten sie auf Tragen. Dann erst traten die Leviten ein,.und wurdin von-den Priestern zu ihrem Dienste angestellr*). Dies^ genannten Heiligr thümer und Gerärhschaften wurden vom Geschlecht« der Kahaehirer getragen. Die Gersoniterj trugen die Decken des Sriftszelres, die Umhänge des Lvrhof», dl« Vorhänge, der Thür und de» Thorrs. Die Me ariter endlich trugen die Brerer, die Säulen, die Riegel die Phähle, Seile u. s. w. Weckst nun der Zug sich v rwärts bewegte, so gingen Juda, Jsaschar und Sedulon svoraa, dann kamen die Gersoniter und Merariler mit deck, Srifrszelte; ihnen folgten die Stämme Rübe«, Simeon! und Gab, denen zunächst die Kahathiter mit der Bundesl^ad« und den übrigen 1) 2. B. Mos. St. 32, B. 26. 2) 66 - " ” Ebend. L. 28 re. 3. B. Mos. St. 8i jc. 3) 4. «. Mos. St. 3, 44 x. 4) Ebend. 1, 49. 5) Ebend. 3,' 39.. Bei der zweiten Zahlung Kap. 26, L 62 waren sie 23,000. 6) Ebend. ». 43. 46. 7) Ebend. L. 23 .29. 33. 38.! 8) Ebend. St 4, B 34—49. 9) Ebend B. «—20. f