Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 8 (1861)
- Issue
- 17 (1861)
- Date
- 1861-01-01
- Page
- Seite 68 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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68 Gebräuche u. s. ». im Umlauft waren. Gerade darum, bekannte dieser edle Mann, habe er e« unternommen, die Geschichten seines Bolft« in griechischer Sprache darzustellen, um sie auf diese Weise allen gebildeten Völker» zugänglich zu machen. Diese- Urcheil', diese Klagen de« auch in der außerisraelirischen Bildung damaliger Zeit vielerfahrenen Josephu« finden wir denn auch allzusehr bestätigt, wenn wir die, im Tanzen wenigen, Geschichtschreiber griechischer und römischer Sprache, die der Juden erwähnen, ausschlagen, und es muß für un« höchst interessant fein, ihre sonderbaren Fehler und irrigen Vorstellungen kennen zu lernen, da wir dadurch wahrnehmen, wie welthistorisch ftitdem unsre Geschichte gewor-ep. Von der anderen Seite muß es auch ernsthaft für un« fein, da wir einen Theit« die Gesinnungen her fremden Völker zu damaliger Zeit gegen un« ersehen — und da« unglückliche Geschick Israel« hat 'dies von jeher gezwungen, sehr viel auf diese Gesinnungen zu geben — andem Theil« die wirkliche Beschaffenheit de« damaligen jüdischen Volke« au« ihren doch oft begründeten Urtheilen und Bemerkungen erkennen können. Bon den noch üdriggebliebenen griechischen und römischen Geschichrschreidem nennen wir zuforderst drei, die von den Juden Bericht erstatten: Justin. Diodor und Tacitu«. Ich nenne Justin früher al« Diodor, weil der erste« seine Geschichte au« den -14Büchern de- Trogu« Pompeju« ausgezvgen hat, der etwa« früher al« Diodor unter dem Kaiser Augustu« lebte, also zur Zeit de« Anfang« der gewöhnlichen Zeitrechnung, vor der Zerstörung Jerusalem«. Wie es so oft geschah, ward durch den seichten Au«zug da« vortreffliche Originalwerk verdrängt. Außerdem sprachen noch viele andere alt« Schriftsteller über die Juden, welche zu denen gehören, di« verloren gegangen sind, von denen un« nur hie und da einige Stellen über die Juden von Jesephu« und den Kirchenvätern aufbewahct worden. Ich schicke daher die größeren Berichte voran, und lasse jene. einzelnen Stellen und Bemerkungen zur Zelt folgen. Trogu« Pompeju« harre die verschiedenen Revolutionen lm griechisch-macedoniscden Königreiche Syrien beschrieben, di« er dahin kam, daß endlich Antiochu«, der Sohn de« König« Demetriu« Soter und Bruder de« König« Demetriu« Nikaror, König von Syrien geworben. Da fährt er fort (L, XXXVI. C. I.): „ Dieser unterjochte auch die Juden wieder, die sich unker seinem Vater Demetriu« mit den Waffen die Freiheit erkämpft hatten *). Ihre Kräfte und Taperkeit waren so groß, daß sie nach Diesem keinen macedonischen König wieder anerkannten. sondem eigener Herrschaft sich bedienten und Syrien stark und oft bekriegten." Ec nimmt daher hiervon Gelegenheit, über die Judezt^-fich weitläufiger au«zulassen (C. IL): „Die Juden stammen au« Damasku«, der vorzüglichsten Stadt Syrien«, her *)._Diese Stadt hat 1) Daß diese Besiegung der Israeliten nur eine vorübergehende gewesen, g,b< er selbst durch d« folgende» Worte ut erkennen. Da« Buch der Makkabäer weiß davon nicht«, den« I. B- Matt, c. XIV. wird erzählt, wie Johanne«, der Sohn de« Simon Makkabäu«, da« Heer de« Antiochu« schlug. 8) Eine sehr falscheUbleitung, denn e« ist bekaunt»baß der Stammvater Abraham au« Ur Eh asdim in Mesopotamien kam. ’ ihren Namen vom König Damaskus, nach welchem Lzelu«, Adore«, Abraham und Israel Könige waren 1). Israel aber wurde berühmter al« seine Vorfahren, durch feine zehn Sohnes. Daher hiaterließ er seinen Söhnen da« Volk in zehn Theile getheilt, und nannte Alle nach seinem Sohn« Juda Juden (Judaeoi). Der jüngste seiner Söhne war Josephs); dessen vorzüglichen Geist fürchtend, verkaufte« ihn, den heimlich geraubten, seine Brüder wandernden Kavfleuren. Bon diesen ward er nach Aegypten gebracht, wo er bald die magischen Künste erlemtt, und dadurch dem Könige selbst sehr theuer ward. Denn er war der Wunderwerke am kundigsten, ward der Urheber der Traumdeutere«, un» nicht« Menschliche« und Göttliche« schien ihm unbekannt zu sein, so daß er die Unfruchtbarkeit de« Lande« viele Jahre vorausfah, weshalb ganz Aegypten durch Hungersnoth umgekommen wäre, wenn nicht auf sein Anrathen der König viele Jahre hindurch Getreide hätte aufbewahren lassen. Sein Sohn war Mofe« 4), den die Ererbung der väterlichen Wissenschaft und eine seltene Schönheit empfahlen. Al« aber die Aegyptec von Au«fatz und Krätze überfallen wurden, so verjagten sie, auf Befehl de« Orakel«, ihn und die Kranken au« den Grenzen Aegypten«, damit die Pest sich nicht weiter verbreite. (!) Zum Anführer der Verbannten gemacht, stahl er die Heiliqthümer der Aegypter und nahm sie mit sich fort: die Aegypter, sie deshalb verfolgend, waren durch Stürme gezwungen, wieder zurückzukehren5). 1) Vielleicht ist unter diesem A; elu « der Selah zu verstehen, der Eltervater im 7ten Glied« von Abraham, unter Adore« Tharah. 2) Zehn anstatt zwölf! 3) Joseph war der vorletzte, Benjamin der jüngste. 4) Wo bleiben da die430 Jahre, die die Israeliten in Aegypten waren <1 B- Mos-, 12, 40.)! Moses. Sohn Amram's, au» dem Stamme Levi. 5- Der Durchgang durch« rothe Meer! (Sonfthuug folgt.) Polnisch-jüdischer Witz. Bekanntlich gibt e« unter den Chassidim noch Manche, die an Eabbathragen sich keiner profanen Sprache bedienen, und blo« Hebräisch sprechen. Ein Idiot, der diesen Brauch nachäffen zu müssen glaubte, dieser Sprache aber nicht mächtig war, richtet«, al« er einen Polizeimann einen Juden vor feinem Fenster vorbeischleppen sah, an die Umstehenden -die Frage: „rra?" worauf ihm ein Anderer zur Antwort gab: ,,^:revn '2vv!" Allgemeiue Zeitung de« Judenthnm«. No. 16. 1861. Leitende Artikel: Der preußische Judenneid. — Söckh» Festrede zum GeburtsUwe de« König« von Preußen in der UniverfilätSaula zv Berlin. Zeitungsnachrichten: Dentschland: Hannover,Hannover. Preußen: Köln, Köln, Breslau, Berlin, Berlin. QMerreichifcher Kaiserstaat: An« Galizien, Lemberg, Pesth. Rußland: Warschau, Warschau, Warschau, Mitau. &ST Zu beziehen durch jede« Postamt und jede Buchhandlung. Jährlich 3 Thaler. vierteljährlich % Thaler. Verantwortlicher Redaeteur: St. Nähe. SctUf in Qcaaf Jriccr’i MioMui t, Mi «. »re,st», n W«i*.