Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 8 (1861)
- Issue
- 17 (1861)
- Date
- 1861-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Jüdisches Volksblatt. Z" Retehrung und Unterhaltung aus jüdischem Gebiete. > Herausgegeben von l Rabbiner vr. Ludwig PhUi-Psou in Magdeburg.! jNo. 17. 1861.1 Bo» dieser Zeitjchritl erlchei»» »ScheietNch rioe R»«»er. drei» ve» 2ahr» g«»g« l Lhtr. tUmdjjbrifl 7 % Kgx. Ut Vu-tzhLvtUur-e», PoftL»rer und Aeiam»«rrvedilio»t« nehme» Beficvu»geu a». [8. Jahrg. 2. Quartal.] Die jüdische Nationalität. (Schlut.) Wem» die Abstammung alt die eigentliche Wurzel aller Nationalität von unt erkannt morden ist, so ist fle ein Moment, welche» gerade vorzugsweise den Juden angehört. Wenn schon Abraham seinem Sohne kein« Frau aus den umwohnenden Kanaanitern verbinden wollte, Jakob feine Frauen sich aus feinen Verwandten in Aram nahm, wenn das mosaische Gesetz den Israeliten die Vecheirathung mit sieden der umwoWmden heidnisch« Volker verbot, Esca und Nechemjah dieses Verbot mit Energie burchführten, l so entsprang die völlige Adschließung in ehelicher Beziehung in der Zerstreuung für die Juden sowohl auS ihrer eignen Mitte, als auch auS den Beschlüssen der Conciiien, welche di« Derheirachung der Christen mit Juden streng untersagten, sowie au» ihrer ganzen geschichtlichen Stellung. Daher die merkwürdige Erscheinung, daß Jahrtausende unter die Völker gemischt, diesen und ihren Staaten angehörig, dennoch der jüdische Stamm ganz unvermischt blieb, und seine Abstammung in keinerlei Weise alterirt wurde. Wir werden daher schon anerkennen müssen, baß die Juden recht eigentlich eine Nationalität besitzen, weil sie sich in ihrer Abstammung unvermischt erhalten haben. ' AuS der Abstammung sahen wir zunächst unter den Einflüssen localer, klimatischer und historischer Verhältnisse leibliche und geistige Gemeinsamkeiten hervorgehen, welche einen nationalen Charakter bilden. Schon an dieser Begriffsbestimmung erkenn« wir, daß in dieser Richtung die Nationalität der Juden bereits eine Modifikation erleidet. Niemand wird verkennen, daß den Söhnen de» jüdischen Stammes ein« charakteristische Physiognomie und gewisse Züge d,S psychologischen Lebens einwohnen, so daß sie also allerdings leidlich und geistig einen nationalen Charakter besitzen. Ohne diese, weil allbekannt, hier naher erörtern zu wollen, heb« wir hervor, daß zur Bildung dieser leiblichen und geistigen Eigenrhümlichkeittn nicht bloS die Abstammung, sondern auch di« Gemeinsamkeit der geschichtlichen Schicksale und Geschicke wirksam sein mußte. Denn nammtltch auf die geistige Beschaffenheit mußte der Druck, die Ausschließung, die Verhöhnung und Verfolgung ihren tief ätzenden Einfluß üben. Hingegen sind e» die localen und klimatischen Verhältnisse, weiche bei der Verschiedenheit der Wohnplätze so überaus verschieden sein mußt«, die daher den nationalen leidlichen und geistigen Charakter der Jude« wefenttich modificiren mußt«. ES war norhweudig, dadie umgebenden Völker auf die z«rstr«ten Juden, auch ohne > eheliche Vermischung,-eiawirkt«. Uüd die» ist auch leicht i erkennbar. Schon in physiognemisc^er Beziehung. Stellet ' einen orientalischen Juden neben einen polnischen, einen solchen neben einen süddeutschen, diesen aedm einen sogenannten oortugiesischen — und Niemand wird, dei einigen gemeinsame» Zügen, nicht dennoch die große Verschiedenheit in GesichtSzügen, Gestalt und Haltung anerkennen, und gewisse Aehnlichkeiren > mir den Rationen, «nrer denen sie wohn«, auffinden. ,ES ist die» physiologisch auch erklärlich, da der beständige Anblick gewisser MenscheabUdung nach und »ach auf die in gesegneten , Umstanden sich befindend« Frauen großen Einfluß übt.. > Noch mehr aber finden sichdiest Verschiedenheit« in geistiger j Beziehung. Der Jude jebtS Landes hat von den ctzarakle-! ristifchen Zügen der dortigen Nation« auß,rord«rlich viel! angenommen, und wo diese Verschiedenheit der'Nationen! eine sehr große ist, da fragt eS sich, ob da« charakteristisch-! Jüdische größer sei, oder dacharakteristisch - Rational« der betreffenden Lander? Der englische Jude und sein polnischer GtaudenSdeuber j. B., der holländische Jude und sem orientalischer GlaudenSdruder sind in der Thar in Beziehung ihre» Charakter» viel mehr Engländer und Pole, Holländer und Orientale, al» sie geistige jüdische Gemeinsamkeit besitzen. Auf diesem Gebiete erscheint also die jüdische Äarionalitat schon sehe mobificirt, und wird, je mehr sich der Jude, den Rationen annähert, unter deinen er wohnt, immer schwächer werd«. > Roch mehr verschwindet siesobald wir auf die Sprache blicken. Sprache ist fürwahr nicht blo- Ton und Laut, sondern die Ausprägung des! Geiste». Schon die Laute selbst, dann der mit den Worten verbundene Begriff, ferner die Formbildung und die Satzconstruction gehen au» { dm innersten Werkstätten de» Geistehervor und wirken mit großer Energie auf diesen zurück. Eine gemeinsame Sprache, wie sie unmittelbar au» der nationalen Grusidlage entspringt, ist auch ein wirksamer Hebel für die Bildung, Befestigung und Erhaltung einer Nationalität. E» existirt nun j allerdings eine Sprache, welche für die Juden eine narihnale wäre, da sie die Sprache des jüdischen Stammelst, die hebräisch«. Ader wenn schon in Palästina selbst zu Zelt« die aramäische und griechisch« Sprache die hebräische rl< Volkssprache verdrängt hatten, daß sied« palästinensisch« Jude« selbst schon Sprach« der Gelehrt« war, so wurde mit der Ansiedelung in fremden Lände« di« hebräische Sprach« den Juden mit Einem Male ali Muttersprache genommen, und nur al» zu erlemende gelehrte Sprache gelassen. Da trat« denn immer Zeit« ein, wo dt» große Masse des Juden der heßssttfche» Sprache ga>g SSU