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Jüdisches Volksblatt · 1861-01-01 · 15 (1861) · p. Seite 60

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
8 (1861)
Issue
15 (1861)
Date
1861-01-01
Page
Seite 60 (sequence 4)
Language
German
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später beglückte ich durch «meine Geburt sie und meine Großeltern, welche letzteren während der ersten zehn Jahre meine« Leben« noch meine Erziehung, oder besser gesagt, meine Verziehung, wozu Großeltern ein außerordentliche« Geschick haben, leiteten. Mein Vater hatte mit der au«- gezahlten Summe «ine schöne Druckerei angelegt, welche die ganze Familie höchst anständig nährte. Der große Schrank war wieder zu Ehren gekommen, und haue restaurier und frisch polt« wieder ein geräumige« und noble« Zimmer bezogen, in welchem er sich de« Sommer« in den Strahlen der Sonne, de« Winter« bei der Wärme denahen Ofen« sehr behaglich fühlte und gewiß von der traurig« Episode, in der Hammer, in der ec ohne rechtzeitige Hülfe beinah erlegen wäre, nur selten träumt«. Damals traf' auch die Kunde ein, daß der junge Hirschel nach mehreren Jahren einer schlechten Eh« und vielfacher Verschwendung feine Frau und vier Kinder mit Zurücklassung vieler Schulden heimlich verlassm habe. Sein Vater kümmerte fich um seine Schwiegertochter und Enkel gar nicht, so daß diese in Elend verkamen. Nach solchen Erlebnissen wird man e« mir auf das Wort glauben, daß ich noch immer respecrvoll auf den „Königsschrank" blicke und ihn für alle« Gelb nicht hin, geben möchte. Wa« freilich meine Enkel mit ihm beginnen werden, weiß ich nicht, denn, wenn er nicht bald wieder für irgend eine großartige Begebenheit sorgt, fürchte ich, daß da« nachfolgende Geschlecht ihn bei seiner Alter-schwäche doch endlich den Weg alle« Fleische«, hier alle« Holze«, gehen lassen «erde. Religions-Unterricht. willkürlich selbstgemachte Abschnitt de« Menschen, und e« ist dann dlo« unsere Schuld, wenn wir un« nicht in ihren Zusammenhang einzufügen verstehen, wenn wir widerstrebende und verdrossene, nicht willige Organe derselben sind. — Oie Anderen glauben noch immer den jüdisch-religiösen Unterricht erschöpft mit dem Erlernen de« Hedraischlesen«, und da dasselbe der Unterstützung, die e« ehedem in der häuslichen Uebung, in der ganzen Umgebung de« Leben« gefunden, entbehrt, klagen sie über den Mangel an Geläusigkeit in dieser Fertigkeit; mir dem vollendeten dreizehnte« Jahre glauben sie auch den Religionsunterricht abgeschlossen, und die Einübung einiger Eeremonieen und eine häusliche Feier soll diesem Abschlüsse die Weihe ged«- Ditfe ganz äußerliche Behandlung der Religion gehört der Gedankenlosigkeit an, die einzelne Schalen der Vergangenheit beide» hält, nachdem sie deren Inhalt längst beseitigt, und ohne baß sie sich zu der Arbeit erhebt, gerade dm vollen Inhalt zu bewahrm und fonzadilb«. Zu der diesjährigen Prüfung der israel. Religionsschule in BreSlau ladet der dortige Rabbiner Dr. Geiger mir folgenden, überall zutreffmben Worten ein. „Roch immer ist di« richtige Erkennrniß von dem jüdisch-religiösen Unterrichte nicht so durchgedrungm, wie zu wünschen ist, ja sie ist in manch« Kreifm in der letzten Zeit noch mehr getrübt worden. Bon diesm scheint eia jeder Unterricht in dm Wahrheitm der Religion al« ganz überflüssig betrachtet zu werdm, alS.wäre, selbst von ihrem Standpunkte au«, die Anleitung zum Klanverdm über die höchsten und schwierigsten Fragen, welche die größtm Dmker beschäftigt«, al« wäre die Anregung de« Gemüthe« zur innerstm Selbstdetrachrung werthlo« gegenüber der Anhäufung von allerhand Lehrstoff! Redm dieser oberflächlichen Betrachtungsweise, die sich aber gerade dm Schein höherer Bildung geben möchte, gehm die Anflchtm namentlich über dm Inhalt de« jüdisch-religiös« Unterricht« weit auSeiaauder. Die Ein« verlangen dlo« ein« allgemein« Religionsunterricht, möchtm die historisch« Grundlage igaorirm, veekmam, daß die Geflnnungm damit wurzellos werden, dem Heranwachsenden Geschlechte damit eia jeder Zusammenhang mit der Vergangenheit, eia jede« Berständnlß seiner 'Eigen, thümttchkeit, in die e< ja dmnoch versetzt wird, «ttzogea würbe. Die Geschichte ist und bleibt «lächtigte al« der i— ----- -- Anekdoten. fein begüterter junger Mann entlieh von einem jüdisch« Juwelenhändler gegen guten Zin« Behufs einer reichen Maske auf einem MaSkmballe einm echten Schmuck von dedmkendem Werth«. Kaum war der junge Mann fort, al« der Juwelier Furcht bekam, jener möchte mit der reichen Beute sich davon machen. Ec nahm daher einm Domino, ging auch auf den Ball, fand bald den er suchte herou« und folgte ihm nun Schritt vor Schritt. Plötzlich, aber zufällig trat ein „Hamlet" vor dm beebelsteinim jung« Mann und declamirte seinen berühmten Monolog: „Sein oder Nichtsein — da« ist die Frage..." Der Juwelier witterte einen Gläubiger de« jung« Manne« darunter, sprang vor, und rief: „Was? Sein oder nicht frln? Mein sind di« Edelsteine, und da« ist keine Frage!" . . . Allgemeine« Gelächter. In der westphälisch« Hauptstadt M. hatte vor länger« Jahr« der Synagogen-Vorsteher &. ein« Todtmhvf für di« Gemeinde gekauft. Man fand den Kauftrrei« sehr hoch, und stellte b« Vorsteher darüber 'zur Red». Wie e« nun wohl allenthalben, so auch hier ging, sagte ein Gemeinde-Mitglied: . . . . was hast Du da gemacht! Kaufst so eia theuer Gütort." „Run, sagte K. . - Hab' ich e« doch nicht für mich, soadem für Euch gekauft." — Her, «ever. Allgemeine Zeitung de« 3«de»th»mo. «ko. 14. 1861. Leitende Artikel! Die Emaaripation der Leibe»««« ln Rußland. — Aus Bayer». — Die Adresse der Laadrabbiner in Hannover. — Pariser Briese IV. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Au« dem LaadrÄbmalSöezirkH'aitllbVed. P.eeaßin: usir» Westptzäl«. Oesterreichifcher Laifrrftaat: Balositr, Sffen, »ien. Hkaßlanb: Warschau. __ __ Ar besteh« dnrch jedes PostaNtt Nub^ede BuchhnudlMig Jährlich 8 »holer, vietteljährlich % »Haler. EeiMwttkftzer «eft&n: 'L. r*i*e. lrr'» iWll.Mel, * 0«u« «M gtfiliHtt1» lW|| iiaihi l| »Wtzßh. W VAßßl».

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