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Jüdisches Volksblatt · 1861-01-01 · 15 (1861) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
8 (1861)
Issue
15 (1861)
Date
1861-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdisches Bolkslilatt. Zur Retehrung und Unterhaltung auf jüdischem ssebiete. Herauegegebev »ob Rabbiner Sr. Ludwig PhUipPsou in Magdeburg. sNo. 15. 1861.] «o» dieser SciiMrift ertertat »vchnUUch tia« fbman. W«j» de« 2»hr- S»ug« l Tdtr. Vieneijährig 7 % Rgr. Alle vschhandiaage»; Beftämrer uad Arit»»g«ex»»ttto»eii vch»e« vestell»»g«« «a. [8. Ichrz. 2. Quarta!.] Sceneu und GestaUea aus meinem Leben. 6. Der alt« Schrank. (Sehluj.) Und nun brach sie in Thränen au», und legt« sich auf'» Bitten und Beschwören, bi« der Großvater gelobte, die Hand davon zu lassen, und sie bat, nur wieder ruhig zu sein. Man fing an, feine Hoffnung auf den Brief de« Grafen zu setzen, suchte einig« auSstehend« Schulden einzukaffiren, um nur etwa« wieder, anzufangen; man mußte eine neue Wodnung auffinden, sie begehen und «inrichte«, und unter diese« Beschäftigungen gingen die nächsten Tage vorüber. Ader wer nicht kam. war der Bräutigam. Ein Brief mit tausendfachen Beschwörungen der Lied« und Treu«, mir Versicherungen de« tiefsten Herzeleidb,meldete, basein Vater ihm aufstrengste verboten, zu ihr zu kommen, bi« der Rachwei«, baß die Mitgift zahlbar sei, geführt worden, und baß er diesem Befehle nicht ungehorsam sein könne. Er löstet« das Mädchen, daß die« ja nicht lange dauern werde, und daß sie nur an feiner Liebe nicht zweifeln solle. Meine Mutter nah« diesen Brief mir Schmerz auf, aber ihr junges Herz war de- Vertrauenso voll, daß sie sich keine-weg« beunruhigen ließ. Sie war der Liebe ihres Hirschel zu sicher. Ander« die Eltern; sie waren voll Ingrimm'« auf Vater und Sohn, und hieU«n diesen für nicht besser, al« jenen, ja unter den gegebenen Verhältnissen für noch schlechter. Aber nur wenn sie allein waren, sprachen sie sich darüber au«, denn sie wollten ihr geliebte« Kind nicht noch tiefer verwunden und bekümmern. Man hoffte auf die Antwort de« Grafen. Wann aber kommt ein Unglück allein- Wann zieht «S nicht »m Gefolge einer ganzen Reihe trübsiliger Ereignisse dahert.... ES ließ den alten Mann nicht ruhen, er eilt« nach dem Schlosse mehrere Male hinaus, um Kund« von dom AufenthattSorre And Befinden de« Grafe» zu «rhaltm. AlS er -um dritte« Mal« dort erschien — «ar ein Tag, bevor der alte Hirschel wiederkommen wollte — fand er Alle« in der größten Bestürzung. Der Kastellan kam ihm mit einem schwarz gesiegelte» Briese entgegen, und mir den Worten: „Lieber fruiXl, wir haben unser« cheuera Herrn vevtownl" Er konnte vor Thränen nicht weirec spreche«, NNd ließ jenen de« Brief selbst lest«, der von eine« «ahe« Verwandten, welcher bi« Vormundschaft über bte mindern««-Kinder »M Grafen zu fühst« hat««, tzereührtt, und mit S»,en Wache,-berichtet«, best ber Gbaf bereits»« S Stnil» in eine» -ssftftchkrgege» dieHw»ß«stn *£■*9' - — -- Rückzüge au< der Champagne gefallen sti, und daß er, der Vormund, binnen Kurzem nach dem Schlosse kommen werde. Man erwartete ihn noch denselben Tag. Kaudel war wie vom Donner gerührt. Er sah den Abgrund vor sich offen, und sich und sein Weid und sein Kind hineiastürzen, ohne »aß «ine Rettung vorhanden sei. Aber in dem Augenblicke, wo er di« eisigen Krallen der Berzweifelmch sich in sein Herz einschiagen fühtte, da brach in ihm di« Gottesfurcht, die sei» Schatz gewest« von Kindheit auf, und in den Tage« de« Glücke« ihn vor allen Fehltritten beschützt, in ihrer ganzen Siege«kraft hervor; da« Andenken stine« Barer«, der ihm im Traume erschienen, trat vor ihm hi«, und da« Wort Hiob'« kam auf stine Lippen: > „Der Herr har e« gegeben, der Hetr hat e« genommen, der Name de« Herr» sei gepriesen für und für!" Daher faßte er sich bald, erzählte dem Kastellan stin Unglück, der j für seine Redlichkeit bet dem Vormunde zu zeugen versprach, aber doch dir Sach« selbst, weil sie zwischen dem Grafen und Kaudel allein verhandelt worden, nicht bezeugen konnte. Mein Großvater blieb auf dem Schlosse, di« der Vormund gekommen. E« war eia strenger» aber gerechter Herr, nicht ohne Herablassung. Mein Großvater trug ihm : seinen Fall vor, und bat ihn auf's wärmste, ihn vor de«; bodenlose» Unglück zu bewahren, daß jüder ihn so unverdient herrinbrechea wollte. Der Bormunh betrachtete ihn lange Zeit stillschweigend. Dana sprach er kurz und gemessen: „Ich glaube ZlMen, Kaudel; erinnert mich auch, daß me« stliger Detter öfter von Ihnen zu wir gebrochen. Ader setzen Sie sich, einfach in meine Stell«, »mb sagen Sie nur, was St« thun würden? Di« Forderung wird gestellt/ »r Schuldbrief ist nicht da, Zeugen nicht vorhanden: darf ich zahl»», selbst wenn ich wollte?" — Mein Großvater j luf 'den Kopf auf di« Brust sinken; der Mann hatte Recht, ^konnte nicht ander«. Stillschweigend «ntsernte sich jener. 12tb* er braucht« die Trauerkunde de» Seinen kaum milzuistzhetken, denn stin bleicht« Gesicht, seine verfallen« Gestalt sprachen lebhafter als all« Worte. j Ai« mein Großvater mit knrze» Morten den Tob de« Graft« und den Verlust seine« Sqpiwl«, «eil er die Schuldverschreibung nicht vorweista wn«, berichtet hatte, war es stine Krau, die all« Fassung verlor. Sie riß sich di« Ha,ihn>ßb« vom Köpft, daß da« haldbraune, haldgraue .Haar «jwtzentlich über Stftn und Racken fiel, schlug die Hönbß-WMMen, nn» schrie in so! jammervoll« Tön«, baß M'chMWPiiissinsl, iss jukammw lief, und natürlich von w^'ft«g«ftu»benen Ereigaissin in Kennmiß geststt »V** sikchk-.Mei» GM>at« stine innig ge-

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