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Jüdisches Volksblatt · 1861-01-01 · 13 (1861) · p. Seite 52

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
8 (1861)
Issue
13 (1861)
Date
1861-01-01
Page
Seite 52 (sequence 4)
Language
German
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52 Dunkelheit. Jetzt wollte -er arme Geplagte sich mit der Oertlichkeit bekannt machen und indem er nach oben blickte, gewahrte er, o Schrecken! — den Galgen, an dem ein frisches Opfer vom Winde hin und her getrieben wurde. Sein Standpunkt war ihm nun klar genug; es war hier kein Weilens mehr, und er schleppte sich so gut er konnte nach Hause. Zu feinem Glück oder auch Unglück ward er von den Stürmen dieser Nacht den ihm Begegnenden unkenntlich gemacht und' so nicht dem etwaigen Spotte preisgegeden. Er hätte dies Alles'wohl für einen Traum halten mögen, würden nicht die mehrtägigen Nachwehrn und handgreifliche Spuren 'den sichersten Beleg für die traurige Wirklichkeit geliefert haben. Das Ereigniß aber blieb ihm ein unauflösbares Räthsel; auch konnte ihm keiner seiner Freunde Aufklärung schaffen. Wenn er hierüber im Dunkel verharren sollte, dafühlteer, kostete es feine LebenSruhe, und was thut man nicht Alles um ihr« Erhaltung? Eines Tages beschloß er daher, dem hochgelehrten Rabbi, von dem allein er jetzt wahres Licht zu erlangen hoffte, seine Aufwartung zu machen und trug ihm die Begebenheit, wie wir sie bereits kennen, vor. — Ehe b,c Rabbi ihm hierüber Ausschluß ertheilen wollte, stellte er dem Geistlichen zur Bedingung, ihm vorerst über Folgendes aufzuhellen, und hiermit erzählte er ihm die uns ebenfalls -ekannte Klopfgeschichte. „Nichts leichter" sagte lächelnd der Geistliche — „es war dies nur ein Scher; von mir selbst veranlaßt, von meinem Kutscher aber ausgeführr." — „So", versetzte gelassen der Rabbi, — „so war dies auch nur ein Gegenfcherz, von mir veranlaßt, und zufälliger Weise ebenfalls von einem Kutscher ausgeführt." — Beide wurden, wie man erzählt, von jener Zeit ab die unzertrennlichsten Freunde. — Don MoseS GrünblaN in gering. , Schiller mußte bekanntlich vor Herzog Karl von Württemberg fliehen. Er ging-«ach B a u erb a ch, einem Dorfe unweit Meiningen, wo viele Juden wohnen. Unter unsem damaligen Glaubensgenossen kannte er nur einen gewissen Mattich, den er wegenseiner ziemlichen -Bildung und seines gesunden Mutterwitzes gern sah, und mit dem er bisweilen daS damals in Bauerdach beliebte Kartenspiel „Sechs-Männchen" spielte. Di« Frau des Mattich sah freilich den Umgang ihres Mannes mir dem Unbekannten nicht gem und machte ihm. häufig darüber Borwürfe. „Was lasst (läufst) Du zu dem Ehattes? Geh' lieber Deinem Massematten nach." Der brave Mattich aber antwortete seinem keifenden Weib«: „Schweig' mer still! Ich waß net, wie mer «erd, wenn, er mich ruft. Ich muß folgen. Er iS e braver, e gescheidttr Ma, und mer-waß doch aach net, waS derhincer steckt!!" Lon L—n Ga— in 2—n. Ein Harlequin, tqI^o Badchan genannt, warf einmal stinen versammelten Zuhörern die Frage auf: „wer sich am Sabbath im Ofen mit dem Garmachen des Scholent beschäftigen möge, da das Essenkochen am Werktage den Köchinnen so viel Mühe kostet und der Pflege, wie z. B. des Umrührens, Abschäumens und dergl., bedarf, das Essen am Sabbath von sich selbst gar werde und sogar weit köstlicher als am Wochentage schmecke? " — Selbstverständlich, daß Niemand die Frage zu beantworten wußte als der Fragesteller selbst. „Mit dem Kochen des heiligen Scholent sind beauftragt — fuhr er mit geheimnißvoller Miene nach einer Pause fort — diejenigen Engel, die am Rvsch-Haschanah mit dem Pcotokolliren der verschiedenen Schofactöne beauftragt sind und daS ganze Jahr hindurch kein offizielles Amt bekleiden." Als Beleg für seine Ansicht führte der Badchan den Umstand an, daß, wenn Rosch-haschanah auf einen Sabbath fällt, kein Schofar geblasen wird, weil die Engel alSdann mit dem Scholent beschäftigt sind und bekanntlich keine zwei Arbeiten auf einmal verrichten tonnen. Zur Zeit als Mendelsohn's Uebecfetzung der fünf Bücher Moses in den damaligen s. g. Chedarim benutzt wurde, kam ein Knabe, der gerade im ersten Buch Moses im 2. Eap. V. 24. die Worte :8x ryr va« rx statt „sein Ette und seine Memme" mit „sein Vater'und seine Mutter" übersetzen gelernt, nach Hallst, und übte diese Lection für sich weiter. Der Vater, welcher dem Knaben zuhörte, gerieth bei den Worten, „Later und Mutter"' in Zorn, und fragte nun „Jung, waS sagst Du da, wer har Dich so etwas gelehrt?" Der Knabe muß natürlich die Wahrheit gestehen. Ja, Vater, wir müssen nun anders, hochdeutsch übersetzen, der Rebbe will es haben. Ich, enrgegnete der Vater, sage Dir, es heißt „Ette und Memme, krieg die Schwecenaut mir Dein Vater und Mutter! Ich will'S nit haben. Du sollst bei Ette und Memme bleiben." H. M. Unterhaltungs-Pille. Pen Louis Lehmann in Bad-Homburg. Ein bettelnder Pole kam zu einem Kaufmann und forderte einen Sechser, der Letztere gab ihm das Verlangt«, fragte aber dabei.lächelnd: „warum vrrlangttn Sie nicht mehr, ich hätte Ihnen auch einen Gulden gegeben?" „Nun, wenn Sie's besser verstehen," erwiedrrte der Andere gereizt, „so gehen Sie schnorren." — Allgemeine Zeitung des JudenthumS. No. 12. 1861. Leitende. Artikel: Wochenschau: Württemberg — Oesterreich — Polen. — Die kleinen und kleineren Gemeinden. Zeitungsnachrichten: Deutschland- Aus Rhenchestea. Preußen: Schmiegel, Pr. Ltaraardt, Berlin. Oesterreichischer Kaiserstaat: Krakau, Wien, Brody. Rußland: Litthaueu. Zu beziehen durch jedes Postamt und jede Buchhandlung Jährlich 3 Thaler, vierteljährlich X Thaler. Verantwortlicher Redacteur: ft. Näbe. Verlavon Va»«gärt»e.r'< Vach Jandls»- t» Leipzig. — Dr»<k von E. Krepsini» Sei»»«-.

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