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Jüdisches Volksblatt · 1861-01-01 · 13 (1861) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
8 (1861)
Issue
13 (1861)
Date
1861-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdisches Bolksvsatt. Zur -\ Oäefefjrung'unö Hnterfjaftung auf jüdischem Gebiete. Herausgegeben von lRo. 13. 1861.] Rabbiner Dr. Ludwig Philippsou in Magdeburgs Von dikicr SHrfcbrift »Meint wöchentlich eine Nummer. Prei« de« 2adr» gang# l Idlk. Vierteljährig 7 Nzr. Alle Luchhandlnngen, Potzämict und ZeilnugDexpeditionen nehmen VestellunZen an. I [8. Jahrg. 1. Quartal.] Der Prozeß Mallet. Also eS war eine arme Judmfamilie! . . . Seitdem die Priester für Andersgläubige, namentlich für Juden, keine Scheiterhaufen mehr zünden, keine Foltern mehr aufstellen, und keine PodelKetzen mehr anstiften können, haben sie sich mit aller Macht diesseit und jenseit der Berg« auf die, sei elistig und durch Verlockung, sei es gewaltsam bewerkstelligte Bekehrung geworfen. Daß daganze Pfaffenrhum erschüttert, seine Herrschaft, ja sein Bestand in größter Gefahr ist, dahindert sie nicht, das läßt sie nicht die eklatantesten Skandal« fürchten. Warum? Ist ihr religiöser Kanati-muso groß? O, bewahre! Auch an ihnen ist die Zeit Nicht spurlos vorübergegangen, und ihr Fanatismus für ihre Religion ist so gewaltig nicht. Vielmehr sind es prrfinliche Motive, Leidenschaften der gemeinsten Art, Ehrgeiz, Habsucht und Wollust, ober wie bei den Sendlingen und Söldlingen der englischen Mifsionsgesellschafr, da- Brot, dasie zwar reichlich, aber nicht umsonst verzehren wollen, emuß doch Etwadafür geschehen, es müssen doch einige Judenseelen in den Jahrbüchern der Gesellschaft figurlcen. Doch dieses Kapitel ist so groß, daß wir wohl wünschten, ein mit diesem Gegenstände ganz betrauter Mann möchte eeinmal umfassend und systematisch behandeln, und die Wege und Mittel, die Schleichwege und Mittelchen classificiren und beschreiben, welche die Judenbekehrer anzuwenden pflegen. Da- Material liegt sehr reichlich vor. Rur die eine Bemerkung wollen wir machen. Die spanischen Inquisitoren hatten da- Gute an sich, daß sie sich nicht an einzelne Individuen hielten, sondern gleich die ganzen Familien aufhoben, und Gatte und Gattin, Eltern und Kinder, Brüder und Schwestern in dieselben Leiden, in dasselbe Verderben stürzten — unsre modernen Bekehrer dagegen kennen da- Heiligthum der Familie nicht, oder scheuen sich nicht, es auf'S Ti efste zu verletzen! Kinder auden Armm der Eltern zu entehren, die Herzen der Kinder den Herzen der Eltem abzustehlen, Zwietracht und Haß in da- Innere der Familien zu bringen, macht ihnen keine Gewissensbisse. Sie, die bei anderer Gelegenheit mit zum Himmel gedrehten Augen au-rufen: „Was Gott verbunden, soll der Mensch nicht scheiden!" und deshalb selbst den Staat in die größten Wirren stürzen, sie legen die frivole Hand an da- Heiligthum der Familie, an da- Band, welche- Gott unmittelbar geknüpft, und scheiden listig oder gewaltthätig die Herzen, die Gone- Hand mit einander verbunden hat. FrriUch, Allezum Ruhme Gottes! Trösten wie uns jedoch, daß gerade hierdurch, durch solche Thiaten und Vergehen der Welt die Augen am ehesten geöffnet werden. Wen Gott vernichten will, den schlaft er mit Blindheit. Doch kommen wir -ür Sache. Durch die öffentlichen Blatter gingen die Berichte über einen flandalösen Prozeß, der am I., 2. und 3. März vor dem Affisingerichr de- Rord - Departementin Frankreich -erhandelt wurde, und dessen schmachvolle Details das Publikum aufs Höchste erregte. Der Kanvnicu- Mallet wurde zu sechs Jahren Zuchthaus verurtheilt. str hatte nw-r armen Familie vier Töchter entzogen, um sie zu bekehren, d. h. um sie eine^ nach der andem zu mißbrauchen und zu entehren. AlS die Eltem ihre Kinder zürückverlaagten, als die Justiz ihre gerechten Forderungen unterstützend, ihre Rückkehr in das Eltemhaus befahl, num Ailes ins Werk gesetzt, um die Anordnung der Behörde zu ann»lliren; die unglücklichen Mädchen sind heimlich rnttr angmommmm Namen von einem Kloster in das a rdere gebracht worden, sogar dinach Belgien, um die Nachforschungen irre zu leiten; der Abbe Rarisbonne legte auf einer Reise nach Jerusalem einen von einer der Töci ter Unterzeichneten Brief auf die Post,'der ihren Eltem -nzeigte, daß sie sich nach dem h. Lande begebe; eine vdns ihnen Hais bis heutt noch nicht aufgrfuoden werden -können. Di« beiden andem, die durch den KanonicuS Mallet ihren Pflichten abwendig gemacht worden waren, sind wahnsinnig zmsorden, von denm die eine niemals ihten Verstand wieder erlangm wird So har die unglückliche Muster nur «in einzigeihrer Kinder durch die unermüdliches Nachforschungen der Behörden zurückerhalten. > Wir hattm nicht beglaudt, daß dieser Prozeß uns Etwaangehe. Da e fahren, wir, daß eS eine arme , Judenfamilie fei, welch« ur ihren Mangel an GlaubmStreue' so schrecklich gebüßt, ui b bestimmt war, einmal wieder die verderblichen Wege der Proselytenmacher so recht an- Licht zu ziehen — eine arme Judenfamrlie, die au- Darmstadt nach Frankr> ich verzogen, dort in ihren Vermög^n-verhältnissen initiier tiefet perabgekommen und in dem Kanonikus Mallet hrm Helfer in der Noth zu sehey geglaubt. Bei diesem Prozeß sigurirtr der Abbe Rakisbonne al- Zeuge. Durch die Au»agm, zu denm da- Gericht ihn nöthigte, wurde da- Gechede der>modernen Bekehrerei noch mehr aufgedeckt, und darum auch Manchein dm Vorgängen, de- Prozesse- Mallet veqständlichtir. Wir geben daher , wieder, was die „Verile isradUe‘'in ihrer N. 9. darüber s» i A \ f L.

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