Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 8 (1861)
- Issue
- 11 (1861)
- Date
- 1861-01-01
- Page
- Seite 44 (sequence 4)
- Language
- German
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44 mit seiner Seele aushauchte.-Wa« war nun zu beginnen? Der Tobte mußte in sein« Behausung befördert werden, wozu man auf die zarteste Weise zu Werke schritt.— Den Schreck, die Verzweiflung, das Wehklagen, Zammern und Schreien der unglücklichen trostlosen Gittel zu schildern, ist diese Feder außer Stande. Es drehte sich da hauptsächlich um die perfekten unübertrefflichen Sabbakhspeisen, die »Heils schon bereiter waren, thetts ihrer Vollendung «ntgegengingen — und was sollte aus diesen werden, wenn Zaune auf dem mit einer Handvoll' Stroh gepolsterten Fußboden schwarz bedeckt, zu Haupten brennende. Lichter, ausgestreckl da la^und sich nicht rührte-— Dakleine Zimmer füllte sich bald mit Männem und Weibern, und Alles beklagte aufrichtig Zaunes plötzliches Dahinscheiden. Einige konnten nicht Lobes genug für ihn vorfinden > jede nur erdenkliche Tugend wurde ihm hier angedichtet; man sprach schon davon, daß der prachtvollste Leichenstein feine Grabstätte zieren sollte, und noch mehr,res Andere, das ein Todrer für fein Leben gern hören mag. — Da sehen wir Einige mit dem Einwande bereit, der Tobte könne nicht hören. Nichts da, eS ist ausgemacht unter den Weifen der Erde, daß der Dahingeschiedene noch so lange zu. hören und den Redesinn zu versieben vermag, bis dff erste Erdscholle auf ihn gefallen. Zaune horte also, wie wir noch später erfahren werden, auch alle jene Lobeserhebungen, und im lebhaftesten Bewußtsein des Todes daliegend empfand er dabei solch überirdisch selige Gefühle, daß er den Vorgeschmack deS Paradieses, zu empfinden wähnt«. —. Bald aber sollte er aus seinem fußen Taumel gerissen werden. Einek der Anwesenden machte unversehens Alles zu Wasser. „Was-" fing dieser alle Andern übertönend an, — ,,waS' giebt's hier zu klagen und zu jammem? — gut ist'S, dieferZaune, der Narr, der Schwindler, Betrüger und Galgenstrick aus unfern Augen kommt, und die Gemeinde «n. einem so nichtsnutzigen -Menschen gesäubert wird. Was soll er uns, weg mir ihm, daß ihn die Würmer fressen!." — Diese Rede wirkte auf Zaunes Nerven denn doch etwas stark; das schien dem schwachen Tobten unerträglich, und — ehe noch Jemand ein Wort zu dessen Vcrtheidigung ergreifen konnte,-streckte Zaune jählings sein Haupt in die Höhe, ließ ein Gesicht, vom leibhaftigen Zorn üdergossen zum Vorschein kommen, zog schneller als man'S aussprechen kann die krampfhaft geballte Faust hervor und rief mit drohender, dröhnender Stimme, daß Alles erzitterte und Schrecken und Entsetzen elektrisch um sich griffen, dem Lästerer, der vor Lachen sich kaum halten konnte, entgegen: „Joseph, Joseph, dein Masel (Gluck) ist groß, daß ich bin rodt; denn wär' ich nicht tobt, möcht' ich-Dir 'n Patsch (Mautschelle) geben, daß Du möchtest Dein Lebelang dran gedenken!" Doch, eS war von Her Vorsehung beschlossen, daß Jauste noch leben sollte. Ehe er sich's versah, ward er von denen, die ihm den Tod zugefügt, von der Decke befreit, schnell: in die Höhe gerichtet und leicht wieder inS Leben zurückgerufen. — Wer war nun glücklicher, als er und seine liebe Gittel? Waren doch die Anstalten auf den lieben heil. Sabbath nicht umsonst getroffen. Alles Andere wolle sich der geneigte Leser selber hinzudenken. Nur die Mitteilung glauben wir ihm nicht vorenrhalten zu dürfen, daß Zaune von dieser Zeit tan sich von jener bewußten Formel gänzlich loSfagte und ihr so feindlich wurde, daß, der sie auSzu, sprechen wagte, Zaunes höchsten Haß auf sich lud. Zaune lebte noch mehrere Jahre — bis hundert, davon sind wir genau unterrichtet, brachte er es aber nicht. C u r i o s u m. Wie sich ein Zude blamirt! — In einem Pariser Feuilleton der Jndependancr Belge heißt es: „Herr Hattoqs, ein Zsraelit aus Deutschland, welcher sich auf den Boulevard« durch seinen röthlichen Bart und seine Familiarität mit aller Welt bekannt gemacht, hat sich apart für das Eis costumirt: mit Astrakhan besetzte Tunica, Astrakhanmütze, anschließende Beinkleider. Der Kaiser lief einst Schlittschuh. Eine Schnalle seiner Schuhe ging auf. Hartogs stürzt vor, bringt die Schnalle in Ordnung und benutzt di« Gelegenheit , mit dem Kaiser zu sprechen. Seit diesem Tage ' ist Herr Hartogs jedesmal, wenn der Kaiser auf dem Eise erscheint, zur Stelle, um ihm seine Dienste anzubieten, so daß sich derselbe einst nicht enthalten konnte, seinem Ge» führten lächelnd zu bemerken: sie sind wirklich mein Adjutant zu Eise. Hartogs verwirrt sich ganz in Danksagungen wegen dieses ihm bewilligten Titel« und läßt seitdem auf seine Karte stechen: Hartogs, aide de camp de )a glace de S. M. TEmpereuc. Er läßt sich auch einen kleinen Schlittschuh aus Gold machen, welchen er als Zeichen seiner Adjutantenwürde im Knopfloch zu tragen gedenkt." Unterhaltungs-Pille. Bon Louis Lehmann in Bad-Homburg. . Ein Rabbiner Namens Adler verließ seinen langjährigen Amtssitz, um in einer größern Stadt eine bessere Stelle anzunehmen. „Das nimmt mich Wunder," sagte ein Witzbold zu ihm, „daß Sie Weggehen." Ein Adler braucht ein groß Nest. „Nun, giebt's denn ein größres Nest als unser N.?"— Druckfehler. In der in No. 9. mitgetheilten Gedächmißpredigl finden sich folgende zwei unangenehme Druckfehler S. 34, Sp. 1, Z. 26 v. o. soll ebeißen: Seiner musterhaften ebelichen Liebe (statt ehrlichen); daselbst Lp. 2, Z. 7 v. o. soll eS heißen schrittweise (statt schriftweise). Allgemeine Zeitung des Judenthums. No. 19. 1861. Leitende Artikel: Wochenschau: Preußen. — Württemberg. — Ungarn. — An die israelitischen Gemeinden Bayern«. — Literarischer Wochenbericht. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Aus Oberhesseu, Lmdeu, aus dem Hannövrrfchen. Lorrefpondenz: Berlin: Statut der jüdischen Gemeinde. JLS Zu beziehen durch jedes Postamt und jede Buchhandlung. Jährlich 3 Thaler, vierteljährlich % Thaler. Verantwortlicher Redakteur: St. Näbe. Bert«> von Bao«gSrt»rr'O Bnchb-Ndlung i» reipps- — Drnck een Sreyfi»- in rei»»ig. i.