Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 8 (1861)
- Issue
- 10 (1861)
- Date
- 1861-01-01
- Page
- Seite 40 (sequence 4)
- Language
- German
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40- „ Di« Schurken haben mir ja Alles genommen, MoseS?" „Nicht einen Thaler!* erwiederte Moje« feierlich. „Was sagen Sie?" „Nicht Einen Thaler!" „Wie? mir ist doch erzählt, die SansculotteS hätten Ihnen Allegeraubt? Ich habe eS ja auch in den Zeitungen gelesen." „ AlledaS Meinige freilich, aber Ew. König!. Hoheit Schatz had' ich glücklich gerettet. Zhr Gold und Silber habe ich in meinem Geschäfte benutzt, und bin im Stande, Ihnen Allemit - Prvcenr Zinsen zurückzugeden." Der Kurfürst, erstaunt uNd dankbar, schob di« Zinsen zurück, al< Ersatz für da» wa» die Franzosen dem ehrlichen MoseS genommen; alS Belohnung aber für feine beispiellose Ehrlichkeit überließ er ihm den ganzen »Schatz noch auf 20 Jahre gegen einen jährlichen Zin< von .2 Prvcenr. Außerdem suchte der Külst dem trefflichen Mosel in alle Wege nützlich zu sein, und ermangelte nicht, auf dem Wiener Eongreß 181-1 den versammelten Souveränen bi« makellose Ehrlichkeit desselben zu rühmen, wodurch er ihm hat Vertrauen der Kaiser von Oesterreich und Ruß land und anderer europäischen Herrscher erwarb. Ein Magid-Wörtchen. Ein Magid in einer großen Gemeinde, die aber sehr modern gesinnt war. konnte durch die ganze Macht feiner Büßpredigten dennoch den Sinn seiner Gemeinde nicht > ändern. Man war am Versöhnung-feste auf feine Verrsed, j sehr gespannt. Er begann: „Meine Freunde, ihr seid! ehrliche Leut!!" Ich sag': „Ihr seid ehrlicheLeut!!"^ Hort mein Gleichniß! Der Satan kam am Neujahrsfeste vor den Thron Gotte- und brachte auf weißem Papiere ( eine lange Liste mir vorher Tinte beschrieben, worauf alle t Sünder verzeichnet waren. Satan verlangte die Bestrafung l der Sünder und der Herr verwies ihn zu warten di« auf j den Beriöhnungsrag. Saran kam wieder und als Gott [ ihn nach der Liste fragt« und er sie aufrollre, da waren I die Namen verwischt. Oer Eine hattt durch peinigende Buße, der Andere durch inbrünstiges Geber, der Dritte durch j Wßrke rettender Menschenliebe die rorh verzeicknere Schrift! seiner Schuld erblassen gemacht und den Saran um seinen Lohndetrogen. Ihr aber seid ehrliche Leut, ihr betrügt den Satan nicht um seinen Lohn, euer Schuldbuch wird Nicht gelöscht! A. Eliaßer. Notizen des Tages. Der p^re u ß. Justizminister hat einen Entwurf in da« Abgeordnetenhaus eingebracht, durch welchen alle abweichenden Formen de« bisherigen ZudeneibeS aufgehoben werden sollen. — In die bay«rische Abgeordnetenkammer hat der Abgeordnete Paur einen Anttag wegen Aufhebung der auf den Israeliten Bayerns ruhenden Beschränkungen, namentlich de« Matrikelwes,nS emgedracht. In Eßlingen fand eine Versammlung von mehr alS 300 Israeliten auS allen Theilen Württembergstatt, um über die Mittel zu derarhen, welche zur Erlangung völliger Gleichstellung führen möchten. Es wurde ein Lomir« zur Abfassung einer desfallsigen Eingabe bei dem Abgeordnetenhaufe gewählt. — Im Naugarder Wahlkreise in Pommern wurde bei einer Ersatzwahl der bekannte Wagener mit 166 gegen 155 in da» AgeordnerenhauS gewählt. AIS einer der für diese Wahl rhätigsten Wahlmänner wird — ein Jude in Regenwald« genannt!!! — In voriger Woche begann der Satz der durch die „Israelitische Bibelanstalk" herauszugebenden Bibeln. — An die Stelle de« verstorbenen vr Jost ist in da« ComirL de» „Instituts zur Förderung der Israelitischen Literatur" der Herzoglich-Braunschweigische LaudeSrabdiner Dr. L. Herzfetd getreten. — In Braunschweig har der Magistrat einen Missionsprediger Schulz« die Srabtkirchen zur Abhaltung von Predigten verboten, weil derselbe gegen den sehr achtbaren Theil der Mitbürger „die Israeliten" gesprochen, die „in ihre» religiösen Gefühlen zu schonen der Magistrat unter allen Umständen für seine Pflicht hält." — Beoois Fould in Pari« har ein Capital von 54,000 Fr«. bestimmt, dessen Interessen zu den Studien eine« "Maler« und ein« Bildhauer« israelitischer Religion verwendet werden sollen. — In Ungarn sind die Verhältnisse der Israeliten noch immer äußerst schwankend. Indem man sich gänzlich auf den Boden der Gesetze von 1848 gestellt, bUeo den Juden baS active und passive Wahlrecht entzogen. Hingegen haben sich mehrere Overgespane, sowie einige Congregationen zu Gunsten der Gleichberechtigung energisch ausgesprochen. Bei dem Uebergewicht aber, welchedurch di» ältere Gesetzgebung dem Adel wieder gegeben worden, find mehrfach schon empörende Thätlichkeiren an Iudm verübt worden. Anekdote. Bon I. aus Sch—n. Ein Later ermahnte seinen Sohn, als die Trauertage um die Zerstörung Jerusalem-, vulgo drei Wochen genannt, kämen, er solle doch de« Ernst« der Trauerzeit wegen in sich gehen und jeden Morgen in die Synagoge beten gehen. „In den drei Wochen darf man nicht iz'nnw machen," war die beschwichtigende Antwon de« Sohne« Allgemeine Zeitung de« Zudenthum». No. 9. 1861. 'Leitende Artikel: Eine Mahnung. — Lu- Preußen. — Aus Ungarn.^— Die ifraeltische Bibel-Anstalt. — Literarischer Wochenbericht. Zeitungsnachrichten: Preußen: Sttzrlno, Kyritz, . ' Münster. Rußland: Petersburg. r K2T Zu beziehen durch jed« Postamt und jede Buchhandlung. Jährlich 3 Thaler, vierteljährlich % Thaler. Verantwortlicher Redakteur: St. Nabe. Snteg W* « »»,» »», « «MkNmMug i» — Dn4 m «. in feiviig.