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Jüdisches Volksblatt · 1861-01-01 · 10 (1861) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
8 (1861)
Issue
10 (1861)
Date
1861-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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-Jüdisches Bolksvlatt. Zur Lesehrung und Unterhaltung auf jüdischem gekiele. - HerauSgegeden von Rabbiner vr. Ladwig Philippson in Magdeburg. lNo. 10. 1861.] Km fctcfc* ZaNchriU rrttctu »tchoutch riae Musincr. Prri« de« 3*ti> «aifi« l Thlr. BieNelMrt« J W N«r. «St v»tba»eI»Ägc». VoK«««<x i«d Zeinn>g«exd<d«»»e» »ch»r» Detzelt»-»» »». [8. Jahr§. 1. Quartal] Einiges über die Juden in Rußland. Jtr Odessa erscheint jetzt eine jüdische Zeitschrift in russischer Sprache der „RaSwet" (Morgenröthe. Wogegen sie am meisten, aber, wie sie selbst suhlt, noch lange vergeblich, ankämpfk, ist der „CdassidiSmuSdieser höchste Aberglaube, der je in das Judenthum eingedrungen, und e< aufs tiefste entstellt. Derselbe — der ärgste Wunderglaube, der den ReddeS und Zaditim — so heißen die Führer der Chassidim — di, Ausübung aller möglichen Wunder, die Herrschaft über Natur und göttliche Walrung juschreibl — breitet sich immer mehr auS. „Niemals," heißt «Sin einem Leitartikel vom '& ,14.) Decemder v- I., „haben der wilde ChassidtSmuS und der heidnische ZaditiSmuS in solcher Blüche gestanden, alS jrgf. Wir werbe« mit Briefen auS verschiedenen Städtchen und Ortschaften der Gouvernement« Kiew, Podoliea und Wolhynien überschwemmt, in welchm Klage geführt wird über die unaufhörlichen Raubzüge der „Zadikim" (so werden die Heiligen deS ChassidtSmuS genannt), den blinden Götzendienst der Menge, die unerträglichen Erpressungen dieser heiligen Männer, die gleich Heuschrecken die Gegenden verheeren, welche baS Unglück haben, ihre fromme Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Wenn wir alle diese Nachrichten drucken ließen, so würden wir mehrere Nummern unserer Zeitschrift ausschließlich damit anfüllen. Aber wozu könnte dieses führen? Unsere aufgeklärten Glaubensgenossen wissen ohnedies, wie gefäh^lch 4er Chassidismus ist und welcher maßlose Unsinn in der Zadik-Vergötterung liegt; auf die Finsterlinge selbst aber einzuwirken, ist unmöglich; sie würden höchstens glauben, daß wir eine Verfolgung gegen sie erregen wollten, und sich bann für Märtyrer, für Opfer ihrer religiösen Ueberzeugungen auSgeben. Die Zeit und die Aufklärung können allein die Heilung dieser hartnäckigen Krankheit herbeiführen; unsere Anstrengungen find dagegen völlig machtlos, wie eS alle Verfolgungen in dergleichen Fällen sein würden." Sogar in Odessa, dessen jüdisch^ Bewohner sich ihrer größeren Bildung rühmen, hat diesir Fanatismus sich in der letzten Zeit eingenistet. .Ln Ermangelung eines besseren Trostes," fährt der aagezogen« Artikel fort, „empfanden wir eine gewiss« egoistisch« Freud« bei dem Gedanken, daß wenigstens unser neurufsische» Land nicht von der.Seuche des Chassidismus ««gesteckt sei, und am allerwenigsten unser Odessa, das so stolz ist auf seine progressistisihen Tendenzen. Obwohl unsere Gesellschaft auS verschiedenartigen Elementen zusammgesetzt ist, unter welchen sich auch der ChassidtSmuS befindet, fo har doch I,tzk> crc niemals gewagt, da- Haupt zu erheben; er verkroch sich ii schmutzige Winkel und feierte seine Orgien in der Stille, gleichsam im Bewußtsein seiner Nichtigkeit. Seine Reihe i «erben durch die auS verschiedenen Orten emgewanderren „Sfrlambim* (Lehrer), „Kablanim" (Almosen-Empfänger), „ öarlaaim" (gewerblose Leute) und andere Drohnen ergänzt, welche in keiner Gesilkfchaft fehlen und in allen überflüssig fiab. DaS erste und hervorragendste Element unserer GeseUschrft war aber stet» bie AuftläruNg, und feit mehr alS breißi | Jahren, soll kein einziger „Zadik" rS gewagt haben, sich öff nrlich in Odessa zu zeigen. Wenn auch 'einer dieser Herren zufällig hierher kam, so wa^ eS unter dem plausideln D> rwande, die Seebäder zu benutzm. In einem solchen Fall schlug er fein Zelt in einer der entlegensten Vorstädte auf. wo er den dürftigen Tribut der Bewunderung von den oben erwähnten Adepten der Finsteraiß einsammelre;! einen anderen Tribut konnten sie ihm nicht dardringen, ich Gegentheil mußt» er fle noch mit Speise und Trank versehen Zu Zeiten mochte. «1 allerdings Vorkommen, daß rine abergläubische Frau, bie sm>» ob ihrer Kinderlosigkeit grämt,, oder <m bankerotter Handelsmann, der sich seiner Schulden zu entledigen suchte, zu dem heiligen Mann« pilgerten und ihr Scherftein opferten, um seine Vertretung bei den himmlischen Mächten zu erlangen, aber die» waren AuSnahmSfälle, die wenig Gold und noch weniges Ruhm einbrachten. Daher waren auch bie „Zadikim" stet» der Meinung, daß da« Reick» der Holl, schon eine Meile vor Odessa beginne. Aber was sollen wir jetzt sagen, wo ein solcher Herr unsere Stadt öffentlich und feierlich besucht und man ihn unter ungcheurem Zulauf in die Hauptsynagoge eingeführt hat, wo die Straße vor der Syaa^g« >m buchstäblichen Sinne de» Worte» von Kaleschen, Phaeton» und anderen Equipagep versperrt war, die' den Beweis lieferten, haß hier nicht „Kablanim" und „Batlanim," sondern Leute au« den höher» Schichten der Gesellschaft an den Ceremonien rheilnahmen; wo Personen mit Ansprüchen auf Bildung / auf europäische Sitten zu diesem Zabik strömten, der au« einem namenlosen Nest de» Kiewer Gudernium» hierher k. m? Und die» konnte bei un» geschehen,- die wir so vi ie Schulen und Penfions-Anstalten besitzen, die wir zwei Synagogen mit Choralgefang und wohlgeordnetem Gottes »ienst haben und in einigen Tagen den zum Rabbiner un» Prediger unserer Stadt erwählten und bestätigten Vr. Stiwabacher erwarten! Wa» können wir hierzu thun — wc S können diejenige» thun, die unsere Ueberzeugungen theilen Nicht», di< wir uns Alle um die Fahne der zeitgemäßen Aufklärung, der wahren Religiosität

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