Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 8 (1861)
- Issue
- 9 (1861)
- Date
- 1861-01-01
- Page
- Seite 36 (sequence 4)
- Language
- German
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36 Bor de» Ew'gen Angesicht — Nene« Lehen, reine» Sein, Zieh', verklärter Geist, zieh' ein'. (Hierauf folgte: Adonai. mah adam ff. hebräisch und deutsch, EI male racbamim ff., dann ei» Gebet für da» Seelenheil de» verstorbenen König« und um Segen auf den regierenden König nud da« Vaterland.) Etwas über den Instinkt. IKeNsktzURg > Au« Experimenten ist e» bekannt, daß die Thier« mit ihrer Geburt eine vollkommene Vorstellung vom Abstande haben. Eine'Grasmücke z. 33., die soeben oti» der Eierschale gekrochen, sab man mit einem sicheren Treff nach einem Insekte picken, al» wäre sie ihr kebenlang in dieser Kunst unterrichtet worden. Wenn die Henne ihre neugedornea Küchlein zum ersten Mal zü den gefundenen Körnern herbeiruft, so reimen sie strack» darauf zu und scheinen demnach di« beziehlicken Abstände der Dvig« untereinander deutlich wahrzrlnehmen. Ohne diese» instinktive Vermögen würden di« meisten Thier« umkommen, bevor sie durch die Erfahrung, wie wir, zu dem vollkommenen Gebrauch ihre» Gesichtssinn« gelangt waren. Zu Bezug auf die Gleichartigkeit de» Instinkt» bei ieber Garrung ist noch zu bemerken, daß sie sich besonder» » den unterste» Schichten de» Thierreich» beharrlich erhält. Auch bei den Gliederthieren erscheint der Instinkt fast unwandelbar; und in diesem Gebiete der Znsetttnstämme namentlich begegnen wir den frappantesten Kundgebungen de» Instinkt». Komme» wir dann zu den höhere« Ordnungen der Rückgratigen, so finden wir in einige« Gattungen Zndividuen, die, je nach Umständen und Lage, einer Modifikation ihrer Thätigkeit fähig sind. Die Mannigfaltigkeit der Begabung, die bei jeder der 500,000 Gattungen, die nach ungefährer Schätzung jetzt leben, den Gegenständen, Mitteln und Zwecken angemessen ist, mag uns wohl zue Bewunderung der vorsorgenden Veranstaltung de» Schöpfer» Hinreißen! Wie mannigfaltig sind die Beziehungen dieser Thiece zu einander und zu der sie umgebenden onbeseeltrn Welt! Wie bewunderungswürdig fiNH. die Anordnungen jene» von den Sinnen unfaßbaren Princip», da» alle» Leben regelt, die Wohlfahrt jeder Gattung und da» Gleichmaß de» allgemeinen Plan« sichert! Ueder die Existenz de» Instinkt« in der Menschengatrung laufen die Meinungen weit auseinander. Einige machen di« Menschenseele rein zu einem Bündel von Instinkte»; Andere sprechen ihr jede derartige Rawrbegabung ad; noch ^Andere bezeichnen sie al» einen Complex von instinktive« und Verständigen Anlagen,' doch seien diese so eng in einander verwoben, daß e» durchaus unmöglich erscheine, anzugeden, wo der Instinkt aufhorr und der Verstand beginnt. Wir halten dafür, baß, wie innig auch die Dinge in der Natur gemischt sind, und wie sehr die Elemente, gleich den verschiedenen Tinten dersekdeu Farbe, sich in einander verreiben, di« Gattungen der Dinge dennoch durchaus verschieden sind daß gewisse feste Schranken auf, gestellt find, die sie trennen, wie schwierig e< auch sei« mag, sie auszufinden. Di« beide« Principien, Verstand und Instinkt, scheine« un» i« ihrem Wesen nicht minder unterschieden, al» die Gebiete ihrer Thätigkeit. So viel steht mir Professor Bowen fest, daß von jener Wunderbegabung, welche die Biene befähigt, ihre Zelle nach strengsten mathematischen Gesetzen zu bauen, oder die Schwalbe auf ihrem langen Flug« nach der Wiarer-Heimath leitet, ia der menschlichen Natur keine Spur vorhanden ist. Daß die Thätigkeiten, die die Begierden und hie Verrichtungen de» organischen Leben» betreffen, nicht eigentlich zu der instinktiven Classe gehören, ist bereit» nachgewiesen. E» giedt femrr eine große Zahl automatischer und habitueller Handlungen, die leicht au» Mißverstand zu den Instinkten gezählt werden. Manche baden ia die Kategorie der Instinkte jene intuitiven Begriffe und uranfän-lichen Annahmen gebracht, welche die Grundlage all unserer Erkennmiß bilden. Allein diese Neigungen de» Denken» und Empfinden» zahlen zu einer höheren Ordnung, al» zum bloßen Instinkt; e» sind unwandelbare Gesetze de» Menschengeiste»; sie scheinen nicht von der physischen Organisation bedingt, sondern der Seele angehörend. Und bock giedt e» kaum Eine menschliche Handlung, kaum Eine Empfindung und GtaubenSmeinung, die man nicht unter den Instinkt gerechnet hätte; Hunger und Durst, da» Sprachvermögeu, den Gebrauch der rechten Hand Vorzug», weise vor der linken, die Liede zur Geselligkeit, da» Streben »ach Besitz, der Wunsch, da» Leben zu verlängern und die Gefahren davon abziunende«, der Glaube au überaat-rliche Mächte, auf de» der religiöse Sin» gegründet ist — alle» Da» und noch Andere» galt für Instinkt. <e»iafc lei««)- Unterhaltungs-Pille. Von Loui« Lehmann in Bad-Homburg. Ein Mann redet« seiner Frau immer zu, sie solle jeden Samstag in die Synagoge gehen und dem Gottesdienste beiwohnen, und harre die Freud«, daß sich dieselbe einmal dazu bereit erklärte. Al» nun am folgenden Samstag Mann und Frau von der Synagoge zusammen nach Hau» ginge«, ftagte der Erster«: „nun meine Beste, wie hat e» dir gefallen?" „Sehr gut," erwiderte die Frau, „ich werde jetzt j«de» Mal gehen, da erfährt man doch bi« schönsten Neuigkeiten." — Allgemeine Zeitung de« Judevthnm«. No. 8. 1681. Leitende Artikel: Bon der ifraeltischen Bibel-Anstalt.— Vom Institute znr Förderung der israelitische« Literatur. — Dechenschau. — Der Streit. Literarischer Wochenbericht. Zeituug«nach richten; Deutschland: München. Prenßen: Berlin, Münster, Kraukensteiv, Insterburg. Losten. Oesterreichischer Laiserstaat: Wien au» Ungar»,' Pesth. yV* 3u beziehen durch jede« Postamt und jede Buchhandlung. Jährlich 3 Thaler, vierteljährlich \ Lhgler. Verantwortlicher Redakteur: St, 9UI(. Seda« »cm 9fcaa«t;ticr’l MUxMui ia ttitii«. — Dwtf mr •. «revlim, ia *ci*M.