Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 8 (1861)
- Issue
- 7 (1861)
- Date
- 1861-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Jüdisches Volksblatt. Lelehrung und Anterhaltung aus jüdischem Gebiete. Heraasgeget^n von Rabbiner vr. Ludwig Mlippsou in Magdeburg. sRo. 7. 1861.^ Bo» vieler ZeiUckrilt erscheint «ScheuUich eia« Num»er. Prei« de« 3ahr« ga»g« 1 Thlr. Lierieljährig 7^ Rgr. >Ue Bachdaadlaage»,-Po-»»ler und Zntuuqoexveditroaea nehme» Bestellungen an. ' ^8/I»Krg. l. ^uartal.] Seeuen und Gestalten ans meinem Leben. 5. Dir Millionär. (Gälnfcj Enoch halte mit dem Gelöbniß der 2000 Thaler an dl« Gemeinde einen großen Coup ausgeführt. Denn sowohl breitete sich das Gerücht dieser unerhörten Gabe über Stadt und Land bis in weite Ferne aus, und bald war bas Publikum über die Million hinaus, und war nur zweifelhaft, ödes dieselbe verdreifachen oder verzehnfachen soll«—al» konnte auch der Geber alle Bittsteller darauf verweisen und sich ihrer dadurch entledigen. Verstärkt ward die«, als nach Mittag die Muhme Edle wirklich in einem kostbaren Lehnstuhl saß und eine goldene Haubemütze ihr auf dem Kopf« prangte, so reich, so köstlich mit den schönsten brüßeler Kanten umrahmt, daß die Bewunderung der Lefchauerinnea nur mit ihrem Neide sich messen konnte. Aber Enoch führte noch «inen zweiten Coup aus.. Am anderen Morgen dal er bei dem Landesfürsten um eine Audienz, bi« schon der Neugierde wegen huldreich gewährt ward. Er versicherte in wohlgesetzten Wetten, des Vaters de« Vaterlandes auch in den fernsten Gegenden gedacht zu haben, und bat um die Gnade, einige Seltenheiten, die er an den Gestaden des Ganges und des Puremputer, in den Wäldem von Ceylon und Java gesammelt, als schwache Zeichen seiner Verehrung vorlegen zu dürfen. Dies« Gnade wurde bewilligt, und es waren in der That kostbatt Geschenke. Ein Iatagan mit goldener Klinge und Edelstein« besetzt, ein desgleichen Dolch, «in Fächer von Fedem de« Paradiesvogels mit ausgezeichneter Agraffe in großen Edelsteinen, ein Teppich mit den feinsten glänzend farbigen Vogelfedern ln reizenden Figuren bedeckt, endlich ein sehr altes Manuscripl auf Palmenblätter geschrieben und 'bgl. mehr. Die Fürstin mußte wohl hinter einem Vorhang« gelauscht haben, denn ehe man «S sich versah, stand sie an der Tafel, und nahm den Fächer und den Teppich sehr gnn in Anspruch. Die fürstlichen Personen sichetten ihren Dank zu und bald wußte' die ganze Stabt von den kostbaren Geschenken, und wie gnädig der Fürst und di« Fürstin gelächelt hätten. Man behauptete sogar später, btt Fürst habe «ine schlaflose Nacht gehabt, da ihm der große Gedanke gekommen, diesem liebenswürdigen Unrerthan von seinem erlauchte» Hausorden, dem Drachen» und Gttiforde«, die LS. Classe zu verleihen — aber halt! der freigebige und reiche Mann war doch ein Jude, und soweit war »an damals »och nicht, den dienstfertigen Reichthm» mit eine» l Orden ohne Unterschied der Confefflonen zu belohnen. ""Herr! Enoch mußt« sich daher mit einem Titel begnügen, dem eines Geheim« OberrHofsgeat«, was immer schon nach Etwas klang. Desto.reelles war« die Ehren, welche Herr 1 Enoch bei seinen Glaubensgenossen «inemtett. Obschon die Gemeinde H klein war, fand« sich^ doch, wie in Egypten, vier votig geschiedme Rangstuf« oder Kasten in ihr, die gänzlich geschieden «nd abgesondert lebt«. Eine besuchte die andere nicht, und nur daS jährlich« Mahl der Gesellschaft der barmherzigen Brüder war das neutrale Gebiet, auf welchem sie sich gesellschaftlich begegnet«. Die oberste Classe bestand aus d« Großhändlern, die zweitt aus den Detaillisten in Manufactur — beide unterschieb« sich auch dadurch, baß die erster« alle paar Jahre Ban» querotte, mach« dürft«,' ohne dadurch weniger ehttvvoll zu fein, während dies den zweit« sehr schlimm angerechnet ward — die dritte in den 1 >utzhändlern, Lehrern, Eantor«, und die vierte in den Hahfirem und Handwerk«; dieser! hing denn wir einem Kom An noch ein langer Schweif her ’ kleinsten Leute an. Man' konnte diese Class« schob an ihrem Gang und ihrer Haltt ng unterscheiden. Den« je mehr sie sich einer schiefen, steten Linie nach hinten näherten, desto vomehmer war« sie, wahrend den Hausirero schon der Kopf nach vom über die gebeugte Brust hing. Bock Natur gehörten also der Schaletsetztr und der Klesmor in die vierte Classe, aber es war dem Schaletsetzer gelungen, sich alS Vorsteher des KrankenvereinS in die dritte Classe hin- ^ufzuschwing«, und jetzt nach der Ankunft seineo Sohnes, wird es Niemand« wundem, daß er, sammt seiner ganzen Familie, einschließlich die Muhme Edle, aber ausschließlich Bär des KlesmsrS^ gleich tn die erste Classe hi»überspraog, und eigmtlich noch «twaf darüber hinaus ragte. D«e Maladvtt der Gemeinde dfwarden sich um die Freundschaft des Schalrtsetzers, der freilich jetzt das Schalethaus verließ, welches sammt Amt dem Klesmor überlass« wurde, und ein schönes Haus bezog, daß ihm sein Sohn gekauft und meublirt. Zwei Familien insonder», rang« um d« Besitz des Her« Enoch. Die eine, die, des Her« Benjamin, bestand außer den Elttrn, aus neun, Töchtern und einem Sohne. Der Sohn lag ssfort zu best Füßen der Schwester de» Herm Enoch, welche, eine «ttrsitzte, schwammige Schönheit, bis jetzt ganz vernachlässigt, und nur von der Fama als ei» Schoßkind der Einfalt gepflegt worb«. Dageg« stand nnstt» Held« die Dahl unter den nenn Töchtem des Häufe« frei, »nd in de» That fand darin ein« seltene Einstimmigkeit bei ihn« statt, baß keine «tschlossm war, ihtt Hand dem Millionär z»^ versagen, vielmehr