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Jüdisches Volksblatt · 1861-01-01 · 4 (1861) · p. Seite 16

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
8 (1861)
Issue
4 (1861)
Date
1861-01-01
Page
Seite 16 (sequence 4)
Language
German
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16 David Alroi. Sin Pseudo «Messias der 12tci JahrhulldertS. lSchvch.) 3Cn diesem Punkte verlaßt unS die Geschichte, und wir find auf die Sage angewiefen, welche den Kaden folgendermaßen fortspinnt: Auf eia«inladung.depersischen Sultan fei David Alrui vor ihm^ne BegleiMng erschienen, hade freimüthig gestanden, daß er König der Juden sei, und wäre in Folge dessen in Taberistan eingekerkect worden. Während der Sultan sich aber beriech, welche Straf« er über ihn und seinen Anhang verhängen sollte, fei Alrui plötzlich in der RathSverfammlung erschienen und Hab« auf da- Erstaunen der Anwesenden geäußert: vermöge feiner Geheimkünste Hab« er sich aus dem Kerker befreit, und er fürchte weder den Sultan, noch feine Diener. Alder Sultan ihn wieder hade ergreifen, lassen wollen, habe jener sich unsichtbar gemacht, Hab« auf diese Weise einen Fluß überschritten, ohne gefangen werden zu können und habe endlich die Strecke von zehn Tagereisen bi- Amadia in einem Tag« zurückgetegt. Da die Juden den verloren Geglaubten plötzlich wieder erscheinen gesehen, und er ihnen seine Abenteuer erzählt, seien die Machthaber in Schrecken vor ihm gerathen, und der Sultan habe den Chalifen beordert, den Vertretern der Judenheit in Bagdad zu bedeuten, fallsie nicht David Alrui von feinem Dorh-ben abbrächten, würde er sämmrliche Jude» seine- Reicheüber die Klinge springen lassen. Unter den Juden Bagdadhatte die Schwärmerei für David sehr um sich «griffe« und gab zwei Betrügern Gelegenheit, die unwl^nde Bolk-meoge um ihre Hab« zu bringen. Sie zeigten angeblich Briefe von dem Helden von Amadia vor,, wann di« Erlösung auf eine dezeichnete Nacht festgesetzt wurde. ' Die zwei Betrüger machten nun den Schwärmern «ei-, sie würden in jener Nacht sämmttich einm Flug von Bagdad nach Jerusalem aurrete», und sie sollten zH diesem Zwecke auf ihre Dächer steigen, grüne Gewänder anziehen und die Stunde erwarten. In der sichern Erwartung der Erlöstmg-stuude gaben di« Bethörten ihre Hab« dm bei dm Männem zur würdigm Dertheilung unter die Armm. Die Nacht erschim, die Mmge war auf den Dächem in gespannter Erwartung versammelt, Fraum weinten, Kinder schrim, Alle bewegtm sich ungederdig, um da- Fliegm zu versuchen, bider Anbruch de- Tageihnen die Augen über ihre Leichtgläubigkeit öffnete. Die Betrüger hatten sich mit dem ihnm nnvrrtrautm Dermögm davon gemacht. Die Lagdader nannten diese Seit „da- Jahr de- Fliegen- (Aom-el TajLran)" und berechneten foztan die Vorgänge der Zeit nach diesem Ereignisse. Der Eril-fürst und der Vorsteher de- Lehrhausein Bagdad erachtetm ealihre Pflicht, theilwegm der überhand nehmmdm Schwärmerei und theilwegen der aogedrohtm Strafe, sich an David Alrui zu wenden, und ihn unter Androhung de- Bannevon seinem Plane abzubringen. Auch die Vertreter der Gemeind« von Moßuk, Sattai, und Joseph Barihan Alfalach schriebe» ihm in demselben Sinne, biendlich der mohammedanische Befehl-, Hader von Amadia, dem am Meistm daran lag, sich seiner zu entledigm, dm Schwiegervater de- Almi gewann, ihn schnell audem Wege zu räumen. Dieser tödtrtt ihn im! Schlafe, und damit hatte die Bewegung ein Ende. Der > Sultan verhängte aber eine Verfolgung über die Judm derjenigen Länder, welche Alrui anhingm, und ekostete j dem Exil-strsten Mühe, dessen Zom durch hundert Talente I Goldezu beschwichtigen. Wie ein der Regel geht, daß i ein Messias nach feinem Tode erst recht Glaubm und Der- - ehrung erwirbt, so hingen auch viele Judm der Gemeindm . von Khoj, Salma-, Tauris und Maragha in Adherbaig'an : dem getödteten Almi an, nannten sich Menahemisten! und schwuren bei seinem Namen. — Curios a. Vor Kurzem sandte ein gewisser K. F. bei I. 4. in Prag unzwei Novellen zu, die wie, da sie unbrauchbar, und der Verfasser eausdrücklich verlangt hatte, sofort zurückschickten. Der Verfasser muß aber dennoch sein Manuscript de- Portonicht wkrth erachtet haben, denn er ließ den Brief, der diemthielt, wieder zurückgehen, und wir mußtm für sein Geschreibsel 12 Ngr. Porto zahlen. Wir fordem dm unverschämten Mann auf, Obigezu ersetzen, oder wir «erdm seinen Namm veröffentlichen. j Jüngst waren die diesjährigen Schriften de- „Jnstitut-; zur Förderung der israelitischen Literatur in Gefahr von! einer Feuer-brunst in Asche verwandelt zu werden. Der j größere Theil derselben befindet sich eben beim Buchbinder, in > dessm Hause da- Feuer au-kam. Glücklicher Weife wurden sie sämmtlich gerettet. Da jedoch^ie Leiter de- Institutstetdie Vorsicht übm, di« Schriften, sobald sie auder Hand de- Druckerherausind, mit einer angemessenen Summe zu versichem, so hätte daraus nur entstehen könnm,; daß die Bücher noch einmal gedruckt werden, und die Abonnenten eine längere Zeit auf dieselben hätten warten müssm. Man sieht aber auch hierau-, wie weit und auf wie viele Dinge die Vorsicht bei jedem Unternehmen ausgedehnt werden muß. j Allgemeine Zeitung de- Judenthum-. No. 3. 1861. Leitende Artikel: Beschneidung und Confinnation.— Au- Galizien — Literarischer Wochenbericht. — Die israelitische Bibel. Anstalt. Zeituug-uachrichten: Deutschland: Hamburg, au- Bapern, au- Oberhesien. Rußland: Sr. Petersburg. Frankreich: Pari-. Holland: Amsterdam. Eorrespondeuz: Auch ein Wort zur Schüliospcctiou-frage. -riet^m Zu bezieheu durch jede- Postamt und jede! Buchhandlung. Jährlich 3 Thaler, vierteljährlich % Thal er. Verantwortlicher Kebactear: SL <Wi| *9* VauMgÄrtue, « vv«h„di,n« ia Leipzig. — * Stäbe. i* O. Steffins ts Lei»»!-.

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