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Jüdisches Volksblatt · 1861-01-01 · 2 (1861) · p. Seite 8

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
8 (1861)
Issue
2 (1861)
Date
1861-01-01
Page
Seite 8 (sequence 4)
Language
German
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8 die preußische Grenze. Meine Kräfte waren gänzlich dahin, Enkel, der jetzt schon ein Jährchen alt war, mit eignen und e< war mein Glück, daß ich dald auf eia französisches Augen zu sehen, und mit eignen Händen zu segnen. Eorps traf, von welchem ich, wenn auch auf einem elenden Karren von Starion'zu Station durch ganz Deutschland binach meiner Heimath geschafft wurde. Noch begreife ich den Seeleazusiaad nicht, in «elchem ich damalmich I befand. Mein Geist war wie von einem döstera Nebel. umgeben, durch den zwar Deine Liebe, meine theure Rebekka, > wie ein nie untecgehender Stem schimmerte, der aber doch J nicht stark genug war, um mich audem Schlummer ähnlichen Zustande zu .frischer Kraft und neuem Leben zu i wecken. Wie gem mochtt ich Dir Nachricht von wir; geben, aber ewar mir unmöglich, nur zwei Gedanken, hinter einander zu fassen. , „ ländlich kam ich bei den Meinen an. Gott hatte ' sie gnädig beschützt. Barer und Mörder empfingen mich, ■ und nun war mir geholfen. Vierzehn Tage wahrte e-, : bevor ich mich etwaerholte — der fünfzehnte Tag sieht: mich am Schreidepulte, um Dir, meine Theure, zu schreiben, daß Du noch mein ganze- Herz erfiüllest."! „Dennoch, theure Rebetta, löse ich Dich von dem! mir gegebenen Worte. Prüfe Dich, und entscheid«.; Wenn! ich auch hoffen darf, daß ich nach und nach meine Kräfte; wiedev erlangen und mein«Gesundheit nicht zu sehr erschüttert \ sein werde, so bin ich doch ein verstümmelter Mann, und! kann ich Dich auch mit meiner Rechten an meine Brust,; doch nicht mit meiner Linken an mein Herz drücken....", „Meine sonstigen Verhältnisse sind günstig. Ich erwarte! jeden Augenblick meinen Abschied; die Ehrenlegion habe ich! mir in der Schlacht bei Smolen-k erfochten, den Eapitaa-- ranz auf dem blutigen Felo« an der Mo-twa. Dem Daterlande und der Ehre ist genug geschehen. Die Vermögens- und Geschäft-Verhältnisse meiner Eltern sind gewachsen, und kann ich erst chätig in dieselben eiogreifen, so kann uns ein 1 schöner Aufschwung nicht fehlen. Du findest ein bescheidenes, j aber ruhige- und sorgenlose- Leben. Meine Eltern, die sich; glücklich fühlen in dem, was mir Freude macht, und die i ich mit den Geheimnissen meine- Herzen« bekannt gemacht, 1 werden uns ihren Segen ertheilen..." Man kann sich denken, welchen Eindruck diese- Schreiben 1 Die Jungfrau Israels.*) Mit Stolz ich auf die Nachbarvölker blicke, Weil unher. Herr zu seinem austtwählet, Und Juda'- Flammenschwert mir Kraft gestählet Zu bändigen der Heiden freche Tücke. Die Blume reiner Frömmigkeit ich pflücke. Und unkein Segen der Verheißung fehlet; Drum Davidheilger Harfe laut vermählet Zum Dank empor ich meine Stimme schicke. Wenn auch zerstört sind Zion- Tempelmauern, Und wir, zerstreut in allen Ländern, trauern. Doch edler Stolz in unsrem Busen glühtt. Denn dis zur Weltzerstörung Zomgerichte Doch in der völkerwagenden Geschichte Rein, unvermischet unser Zwölfstamm blühet. Wilhelm »an Humboldt. *) Dieses Sounett Wilhelms von Humboldt giebr sicher viel zu denken! Warum empfinden so wenige Jungfrauen Israel'-, was ihnen hier der Dichter vorführt? Anekdoten. Bei einer, in einer Gemeinde entstandenm Streitfrage Hane eia Rabbiner seine Entlassung angeboren. Man nahm sie nicht an, lehnte sie aber auch nicht ab, sondem stellte eine Frist, binnen der er sein Gesuch um Demission wiederholen sollte. Er schwieg. Darauf sagte ein Witzbold: „Einmal hat sich unser Rabbiner auf den Kampfplatz getraut, ist aber geblieben!" macht«. Wie wechselnd die Gefühle warm, welche jedes Wort bei den lauschendm Hörem verursachte, Rebekka wäre am liebsten sofort in dm Wagen gestiegen und Tag und Nacht gefahren dis zu dem elsässischen Dorf«, um ihrem einarmigm Bräutigam in dm Arm zu fallen. Ihre Eltern, bei aller Freude, daß der brave Berr noch lebe, fahm doch die Trennung von ihrem einzigen Kinde mit tiefem Schmerz« vor sich. Da« Traurigste aber war, daß der Todde« tapferen und treuen Brandon dem unteren Stockwerke mitgetheilt werden mußte. Ich Hab« nun nur noch einige Worte hinzuzufügm. Der bald mit neuen siicchtdaren Stürmen ausgebrochene Krieg mußte die Heirath der deibm jungen Lmte verzögern. Aber schon als Napoleon von Elba zurückgekehrt war, lebte Rebekka in dem Hause und an der Eeitt ihre« theuem Berr. At< mir mein Freund Jakob bei meinem Besuche das Vorhergehende mittheilte, schickte er sich ebm an, mit seiner Frau die weite Reife anzuttetm, um seinm erstm Als der durch seine Witze berühmt gewordene sel. A. I. L. «ach langerm Krankenlager, während dessen er noch immer seine gewöhnliche Jovialität nicht verlorm, seinem End« nahe war, und einige Freunde ihn besucht hatten, rief Einer: „Ah! Lieber .... Wie lassm Sie uns da allein zurück?" — „Nun, lieben Brüder," sagte er lächelnd, „kommt mit!" Allgemeine Zeitung des JudeathumS. No. 1. 1861. Leitende Artikel: Au« Kurland: Zustände in Riga. — Ungarn: Ein Berbrüderungsfest. — Die Besserung entlassener jüdischer Sträflinge. — Literarischer Wochenbericht. Zeitnugsvachrichtea: Preußen: Slogan, Phritz. Berlin. Oesterreichischer Kaiserstaat: Wien, Wie«. Jamaika. Sroßbritanoien: Dublin. Fraukreich: Magdeburg. Tckk Zu beziehen durch jede« Postamt uud jede Buchhaudluug. Jährlich 3 Thaler, vierteljährlich £ Thaler. Verantwortlicher Redakteur: St. Rstbe. r « *W«>iu| teSctvii«. — trxaa >n «, »retzst», t» Besteg »•»

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