Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 7 (1860)
- Issue
- 52 (1860)
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 208 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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208 L. In diesem Kall« wohl der Geist, dessen Hauptfitz da« Haupt ist. Di« Krönung Israel« mir Herrticbkeit muß also sich auf ein geistige« Tut dieffelde« beziehen. F r. Sehe richtig. Nehmen wir. noch eia Beispiel zur Hülfe. Hast Du noch nicht gehört oder gelesen, baß man von einem Menschen, der weder in seiner Gestalt, noch in seinen Kleidern u. bgl. irgmd etwa« Prächtige« zeigte, dennoch sagte, e« wäre ein herrlicher Mensch? A. Allerding«; jüngst hörte ich erst meinen Daker von seinem Diener so spreche«. Fr. Dann muß sich doch wohl die „Herrlichkeit auf wa« beziehen? A. Nicht auf äußere, sondern auf inner, Eigenschaften. F r. Sehr wohl. Da nun Israel weder Herrschaft und Macht, noch Ehre und Reichthum besitzt, so gewahrt Zhr leicht, daß di, Herrlichkeit, mit der e< gekrönt fein soll, «in große« geistige« Gut sein müsse, durch welche« e« alle anderen Nationen in dieser Beziehung überstrahlt, welche« ihm «ine unvergängliche Herrlichkeit verleiht, wenn sie auch in da« unscheinbare Gewand eine« verachteten und ver- Höbncen Bottsstamme« gekleidet ist. Und nun. mein Sohn, bist Du wohl nicht mehr zweifelhaft, wa« hier unter Herrlichkeit zu verstehst» sei. A. 6« ist die Religion, die Gott,«lehre, die Offenbarung gemeint. Lehrer. Sehr richtig. Und können wir daran zwei» sein, daß dir/ die größte Herrlichkeit sei 1 Al« unsre Väter sie empfingen, warm sie dadurch ausgezeichnet vor allen anderen Löltem; sie allein warfm sich nicht vor Holzem und 'Steinen nieder; sie besaßen all' die sittlichen Güter, nach welchen die Völker jetzt noch ringen. Später ward Israel der Lehrer der ganzen Mmschheit; die großen Weltreligwnen stützen sich auf unsre kehre; unsre heiligm Schrif»^ trn sind durch die ganze Menschheit verbreitet, unsre Ge-' schichte wirb jedem Kinde gelehrt; unsre Helden werdm im entlegensten Dorfe genannt. — Und nun, liebe Knabm, beachtet e< wohl, wie sehr unsre Väter sich all' dieser inneken Güter bewußt waren. Denn e< gehört unstreitig daL ein großer Geist und eia außerordentlicher Charakter dazu, wenn ein verstoßme«, gej.gte«, gebrückte« und ge-' schmähte« Volklein jedm Lag den Herrn preist, daß er e« „mit Stärke gegürtet und mit Herrlichkeit gekrönt habe!" Notizen des Tages. Der preoß. Zustizminister Simon« und der osterreich« t sch e Minister de« Inneren Graf Goluchowski haben ihre Entlassung erbaltm *— wa« auch für un« Juden von großer Bedeutung. Za Schweden ist eine Verfügung erfioffea, baß die schwedischen Bürger jüdischer Confeffion sich übrrall im Reiche, in der Stabt und auf dem Lande aiederlass.n, und feste« Eigenrhum erwerben können; ausländische Juden dürfen in Stockholm, Gotheadurg, Rorköpiag und KariSkrcna wohnen. Zn England ist wieder einmal «in Zude zum Mavor (Bürgermeister) erwählt worben, nämlich zu Orchester. j Zn Ungarn nckmen unsre Glaubensgenossen an der i magyarischen Bewegung einen sehr lebhaften Aulheil, der sich bereit« ans Synagoge und Schule ausdehnr. Möge da« rechte Maß eingehattm^uNd »le Wirkung eine gute sein. Die sächsische zweite Kammer har fich bei der Be« rathung de« Gewerbegesetze« von der Furcht, daß Sachsen von auSlLnbkschen Zuden überschwemmt werdm würde, deherrschm lassen, um jedenfalls die Freizügigkeit von dm! Grmzen Sachsen« fern zu hakten- Zu Norwegen, wo di« vor wmigm Zahrm da« Staatsgrundgesetz Karholikm und Zuden dm kürzesten Aufenthalt selbst verpönte, aber in liberalem Sinne verändert * worden, haben sich bereit« einige Zuden niedergelassen, und die Bildung einiger kleinen Gemeinden steht in baldiger AuSsichr. In Rußland ist der Eid iuore juriaico in liberalem Sinne verändert worden. I Unterhaltungs-Pillen. Bou Louis Lehman» m Bad-Homburg. Ein Ofsicier der sich bei einem Banquier in größerm Credit setzm wollte, dmahm sich gegm di« einzig« Tochter desselben, sehr aufmerksam, sich sogar verliebt stellend. Al« aber der Papa, Namen« Ztzig, in die Fall« gezangm, endlich sein Geld zurückverlangte, brach der Schuldner sein Derhältmß mir der Tochter plötzlich 6d, besonder« da man ihn mit Schulden-Arrest bedrohte. — Beide Theile fandm fich kurze Zelt später in einer Gesellschaft zusammen, und als gerade ein bekannt,« löst zu Rischos benutzte«) Lieb gespielt ward, kam der Ofsicier zue Banquierslochter und sagte süß spöttelnd: „Könnm Ste mir wohl, werrde« Fräulein, den Terr diese« Liede« gmau mittheiienj" „Gmau nicht," erwiedette gefaßt da« kluge Mädchm, „aber eine sehr schön passmde Stropbe." „Und dir wäre," fragt« der Offieier auf« Nme. „Die wäre," erwiedene die Beleidigte: , „Zahl dein Geld dem Juden Jtzig, ' Sonst kommt der Executor »nd macht Dich fitzig." Die Umstehenden, die von dem ganzm Derhältniß wußten, lachten, der Ofsicier aber ging verblüfft von dannen. „Gehen Sie mit Thaschlich machen?" sagte ein Freund zu einem bekannten Witzbold. „Nein." erwiederte der Andre, „ich kann meine Aderoth nicht so wegschütteln, sie kosten Allgemeine Zeitung de« Judelirhum«. Ro. 51.1860. Leitende Artikel: Eine Bcmcrknng. — Die ungarische Bewegung. — Die Presse über jSbiiche Angelegen heile». — Sttmmen au« Rußland, iusonder« Bolhysien. (Fons.» — Die israelitische vibelanftalt. — Literarischer Wochenbericht. Zeitungsnachrichten: Deutschland:'Aus Württemberg, ' Seesen, Bremen. Preußen: Berlin, Berlin, Burgsteinfun, . Schwedt. | Of Zu beziehen durch jedes Postamt und jede Buchhandlung! Jährlich 3 Thalcr. vicneljährlich & L Haler. Berankwonlicher Redactrur: St, Nabe. SccUg MB v«U»gsrt,er's SaAfctstiBHg i> reiptig. — Dr«r mb w. KreysiBg ,1b r«»»>s