Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 7 (1860)
- Issue
- 51 (1860)
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 204 (sequence 4)
- Language
- German
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204 Worte — die S. endlich unterbrach, und flüsterte: „Still, drinnen ist ein Fremder. . Da« Weitere verstand ich nicht. Zch rvar tief ergriffen; auch sah ich ein, daß ich hier das Opfer sein sollte, und entschloß mich schnell. Als er wieder hereingetreten, sing ich an: „Herr S-, ich habe die Sitte, wo ich über Sabdarh bin, eine kleine Spende irgend einer würdigen armen Familie zu widmen. Wollen Sie so gur sein, ne für eine solche von mir in Empfang <u nehmend Ader es darf nur eine sein, der sse meine (Habe widmen, denn ich bin kein Freuno von Kleinigkeiten, di« Niemandem nützen." — Ich legre ein Goldstück auf den Tisch. S. sah mich bedeutungsvoll an, und dankte mir im Namen der Familie, und lud mich auf Sonnabend Abends, ein. Ich nahm es an, und entfernte mich. (fr'trfcetiag felAt.) Eine Auslegung. LlS Sckulinspector pfleg, ich oft in dieSchulzimmcr durch ein Hinterpförtchen leise einzurr,len, dem Lehrer auf dem Katheder zuzuwinken und dann ruhlg dem Unterrichte beizuwoknen. Auch komme ich so oft, daß die Schüler sich durch meine Anwesmheit nicht stören oder geniren lasten. Jüngst trat ich in eine Elaste ein', als gerade im Gebetbuch« die Morgensegenssprüche übersetzt wurden. Es waren eilfbizwölfjährige Knaben. Man übersetzte: Tti^aaa "ins '« 'a - „Gelobt seifte Du, Ewiger, unser Gott,'Regierer der Welt, I der Israel gürtet mir Kraft.". nz-y r.zs Vsa „De< Israel krönet mir Herrlichkeit." - Der Lehrer hielt hier inne, und richtete an 'die Elaste die Frage, ob Niemandem bei diesen Segenssprüchen-Envas auffallt i Ein sehr intelligent aussehcnder Schüler erhob den Arm und erhielt die Erlaubniß zu sprechen. Er sprach ungefähr: Mir fallt hierbei auf,. daß Israel Gott für die Stärke benedeit, mit der er es umgürrer, während es doch die schwächste, unrerdrückteste, verfelgzcste Nation war und ist, und selbst die bessere Stellung, die es jetzt in einigen Ländern cinnimmr, nicht feiner Kraft, sondern der'größeren GerechrigkeilS - und Menschenliebe, die bei den Völkern herrschend geworden, verdankt. Ebenso daß wir Gort für die Herrlichkeit banken, mit der er unS gekrönt, während wir doch von Allen verachtet und verhohnk, hintenaogcsetzt und ausgeschlossen werden, was wir Kchrben oft genug empfinden, sobald wir auf die Straße-' hin^üstceren. Der Lehrer belobte den Knaben wegen dieser Aeußerungen, denn dicse-chabe er mit seiner Frage beabsichtigt. Der Lehrer begann nun mit dem Schüler Ungefähr folgende Katechese. Lehrer. Wenn wir «ine Sache bezweifeln, und uns nicht gut erklären können, wie und wodurch sie so sein solle, wodurch werden wir wohl von ihrer Wirtlichkeit überzeugt? Schüler. Durch ihre Wirkungen, die uns überzeugen, daß die Sache dasein müsse. Frage. Besteht Israel noch? Antwort. Allerdings. Fr. Har es die Jahrtausende in Frieden und Sicherheit verbracht? A. Gewiß nicht. Vielmehr lehrt uns die Geschichte, daß wohl keine Nation um ihre Existenz so hat kämpfen müssen, da diese jeden Augenblick durch Verfolgung und Ausrottung bedroht war. F r. Wenn man in einem Kampfe unterliegt, was erweist man da? A. Daß man schwächer ist alS der Sieger. Fr. Wenn man aber den Kampf besteht, und nicht unterliegt? A. Daß man stärker ist, als fein Gegner. F r. Wenn also Israel all' die zahllosen Kämpfe bestanden hat und es bester für uns geworden, als früher, was muß es besitzen? A. Kraft und Starke. Lehrer. Sehr Ihr, daß der Segensspruch richtig ist; nur'müßt Ihr erwägen, daß es verschiedene Arten von Kraft und Stärke giebt; die eine, welche mit den Waffen in der Hand, im Angriff, durch Entwürfe und deren Ausführung zu gewinnen und zu erobern sucht, die andere, welche sich verlheidigk, mir außerordentlicher Ausdauer festhält, was sie besitzt, und Gut und Blut dafür einsetzt, nicht von seinem Standpunkt, zu weichen. Mißt man die Stärke nicht mit dem gewöhnlichen Maßstabe, so findet man, daß die Kraft, die erträgt, immer eine größere, nachhaltigere ist, als die angreifende, thätige, welche schneller verloderl und aufdort. Diese, wie man eS ndnnr, passive Starke kann unsrer Nation im höchsten Grad, zugesprochen werden, und sie besteht durch sie noch heute, während ihre Gegner untecgegangen. Wir haben daher dem Herrn wohl dafür zu banken, da wir durch sie allein: aufrecht erhalten worden sind. Der Segensspcuch deutet uns dies aber auch an, da er sagt: „Der Israel mit Kraft gürtet." Die Kraft, welche angreifl, liegt in dem Arme, und eS hätte dann heißen müssen etwa, der die Rechte Zfrael'S mit Kraft stählt. Aber eine Umgürrung mit Kraft, legt die Stärke in die Verlheidigung. — (2*lu|? folä*.) Allgemein« Zeitung des IudenthumS. No. 50. 1S60. Leitende Artikel: Die Bewegung in Ungarn. — Stimmen au« Rußland, in'onders Bolhynicn. (Fort'.)— Die iftac» . litisch« Bibelan stall. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Dresden, Dresden, aus Baveru, Bat Homburg. Preußen: Magdeburg, Aachen, . Aachen. — ^eftcrreichücher Kaiierstaal: Prag. Dänemark: Kopenhagen. &S" Zu beziehen durch jede« Postamt und jede Buchhandlung. Jährlich 3 Dbaler, vierteljährlich X Thater. Verantwortlicher Redakteur: K. Nabe. Verlag von?jum järto:r’f Kuckba «klung in vcivjig. — Truck von ft. Srey sing in Ücirvä-