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Jüdisches Volksblatt · 1860-01-01 · 46 (1860) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
7 (1860)
Issue
46 (1860)
Date
1860-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdisches Volksblatt. / Zur Belehrung und Antel-Haltung lluf jüdischem Zebiele. HerauSgegeben von Rabbiner vr. Ludwig Philippso» in Magdeburg. 1-rvr äP lOtfA 1 So, dieser Zeitschrift erschtiot wöcheutli» ei« R»«n er. Vrrt« d«e I«hrf— , , „ lNv. 46. 1860*] »-L JSSÄÄÄÄ »SÄ ¥opira,<t l7. Mrg. 4. DasGehirn. Eortseyung aut No. 4L.) Hierzu kommt nämlich, daß, wenn man den Bau deS Gehirnbei den Th irren untersucht, man findet, daß, je mehr man sich von dem Menschen entfernt und stufenweise in die tieferen Ordnungen hinabsteigt, da- Gehirn in die früheren, emdryologischrn Formen mehr und mehr jurückfällt. Bei keinem Thiere gewinnen die Hemisphären degroßen Gehirnjene vollkommene Ausbildung, wie beim Menschen; bei den Vögeln und Amphibien ist dagroße Gehirn unbedeutend, bei den Fröschen und Nattem noch geringer, bei den Fischen scheinen die Hemisphären ganz zu fehlen. Auf ähnliche Weise sieht man dakleine Gehirn immer mehr in die unauSgedildeten Formen de- Embryotedenzurückfallen, je mehr die Untersuchung in die niederen Lhierstufen hinadsteigt. Denn schon bei den Säugethieren treten die Hemisphären dekleinen Gehimgegen da- Wurmstück zurück, ungleich mehr bei den Vögeln, und bei den Amphibien ist die Differenz beider Theil« nicht mehr angedeutet. Di« Brücke findet sich nur noch bei Säugethieren, und auch da in verjüngtem Maßstabe. Don beträchtlicher Größe sind dagegen bei den Thieren daverlängerte Mark und die Vierhügel, die beim Menschenfötuzuerst sich entwickeln, fo daß die Größe jener bei den Thieren nur für einen Mangel der Entwickelung gellen kann. Hieraus geht hervor, baß da- Him de- Menschen und der Wirdelthiere einen analogen Entwicklung-ganz nimmt, bei welchem die höheren Thiere, und mehr noch der Mensch, zu den vollkommensten Bildungen durchdringen, während di« unteren Classen auf den unteren Sprossen der Stufenleiter stehen bleiben. Bei den niedrigsten Thieren fehlt da- Gehirn gänzlich. Bei den hirnlosen Thieren nun und bei denen, welche nur die ersten Spuren eine- Gehirnhaben, sind kaum mehr al- Sporen ein,- schwachen Empfinden- und Strebenmerklich. Blutegel fahren fort zu saugen, wenn man ihnen da- Schwanzstück abschneider, Insekten fahren fort zu fressen nach Verlust eine- Beine-. Die Insekten entbehren noch de- Gehör-. Nur bei sehr vollkommenem Hirnbau ist bei den Thieren ein Einfluß der Karben auf Erregung von Leidenschaften bemerkbar. Erst bei den Vögeln beginnt der Affekt für die Jungen. Freude, Zuneigung, Traurigkeit, Neid, Zorn, gewinnen nun deutlich den Typumenschlicher Seelenzustände. Nur die Wirdelthiere sind gelehrig, Schlangen, Vögel, Säugekhiere werden abgerichtet. Bei Vögeln und Säugetieren tritt sogar eine Art Erfahrung ein,, so daß die Alten klüger sind aldie Jungen. Also mir der organische» Ausbildung t,- Gehirnentwickelt sich gleichzettig da- Seelenleben der Thiere in zunehmender Kraft und Fülle. Jadeß ist dieijur in großem Ganzen der Fall, und Au-aahmm lassen sich anführen. Der Aff« hat damenschenähnlichste Gehirn, und dennoch stehen, Elephaat, Hund und Pferd in der Befä higung gewiß nicht! unter ihm. Der Delphin hat ein sehr «urwickelte-, der Biber ein sehr unentwickelte-Gehirn. Biel jlufmecksamkeit hat, man der Große de» Gehimzugewendet. Nach Sömmerring wiegt da» menschliche Gehirn gewöhnlich gegen 3 Pfund. Jndeß wurden auch Gehirne di- 4’/, Pfund deodachtet. So große Gehirne haben die Thiert nicht. Bei den größten Stieren und Pferden wiegt da^ Gehim nochnicht 2 Pfund. Doch giebt eauch hier Ausnahmen, denn ein Wallfischgehirn wog b'/„ ein Elephanrengehim sogar >v Pfund. Die relative Größe de- Gehimzeigt sich.bei Menschen albi» der Körpermalsse, während e» deiAffea, z.B. Siwia seiure» „ beim Finken '/,,, beim Kanarimvogel sogar ».ber-Körpermasse betragt. Allerdings.sehen wir hierau-, daß di« Entwickelung der verschiedenen Gehimtheile und dis Quantität de- Gehirn-, wozu gewiß noch die Qualität der Gehirnsudstanz — in der aber die Beobachtung noch gänzlich zurück ist — mit der Entwickelung der geistigen Fähigkeiten Hand in Hand gehen: «dein eist dijetzt noch nicht gelungen, diese Verhältnisse ganz klar zu legen. S. Die Function. ') Die Frage ist: wozu bimt da-Gehirn? Und die Antwort, ^ielsich auden Beobachtungen vieler Jahrhunderte zusammen!gebaut hat, ist: eist da - ausschließliche Organ äller bewußten Led.en-rhättgkeit, wenigstenin den höheren Thi'erklassen, eS ist da- Organ der Seele. ^Die Beweist hierfür ^nd dreifacher Art. i 1) Dße Entzündungen, Apoplepieea, Erfchüttemngen, I Wunden und viele andere krankhafte Zustände de- Gehims geben täglich Gelegenheit zu bemerken, daß da- Gehim zur! Seele sich wie Organ zur Lehen-verrichmng verhalte. Ein mäßiger Andrang von Blut zum Gehim regt die SinneS- , thätigkeit und die Phantasie auf, eia übermäßiger unterf! drückt sie; ein Druck auf da» Gehirn vemichret plötzlich; da» Bewußtsein, und Beseitjgung de» Dmck» stellt e» ebenso *) Wir folgen in dm Beobachtungen zumeist dem Artikel »Gehim" vor^ Lolkmann in dem physiologischen Werke von Wagner.

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