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Jüdisches Volksblatt · 1860-01-01 · 43 (1860) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
7 (1860)
Issue
43 (1860)
Date
1860-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdisches VolMlatt. Zur Refehrung und Anterhattung auf jüdischem ssekiel^. Herausgegeben von Rabbiner Dir. Ludwig Philippsoll in Magdeburg. rm 4 0 4 O /* A 1 Bou bin« rrfAetat «vckt»1Iieine itummrr. Steil fcf* 3u(jf. r_ v , A |y(0. 4ü. loOU« g-»ü» l riitr. Kienelj^ria iyx Ngr. «Uc «uSvankUmgcn. Vlftamier / HAPsL. 4 l J uat 3rfnraa4er»ertnoKni Htbmen Steildiunatit an. L •» 9 u»d AeiluugservedinvUni »ehmen S»eiieUuo>,ea in. Jausels Goffe.! Bom Rechtsanwalt l>r. D. Claim. (Acklutz BU# No. 41.) Jede Religion hat ihren Cacneval. Wir haben das! Purimfest. - Zn unserer modernen Zeit blaßt zwar seine Frische von Jahr zu Jahr mehr ab, verwischt sich sein eigentlicher Typus, rettetet sich seine Ausgelassenheit in die Judenviertel einiger großen Gemeinden — aber damals war es noch die Quintessenz Jüdischer Ungebundenheir und Herz» lichkeit, als der alte Jausel Arm in Arm mit seinem Schwiegersöhne Meier aus der Schul kam und ihn in fein Haus mimahm, in welchem Täubchen und die immer noch nicht völlig genesene Minke der Kommenden harrten. Herr Rofenrhal hatte sich beim Vortrag« der Megillah ge- . wattigen Zwang angethan. Mordechai war ja sein Na- > mensvetler — und wie gern harre er diesen lieben süßen! Namen jedes Mal geküßt, so oft er ihn aussprechen mußte, hätte er nicht gefurchter, bei den ihm nicht sehr wohlwollenden Frauen in den Verdacht zu kommen, daß die Huldigung seiner Lippen mehr der schönen Esther gelte. Die Megillah war übrigens auch fein Meisterstück, sein Bravourvocrrag. Wenn die junges Herren Hamans mit einer solchen Schnelligkeit in die Luft expedirt worden sind, so haben sie sicher keinen langen Todeskampf gehabt. Und dabei stieß der Name des einen nicht einmal an den andern, obwohl doch diese 10 Junker in Einer Perpendicularlinie über einander aufgehängt worben und der eine, Herr Parschanbatah, wahrscheinlich sehr lange Beine hatte. Auch die Gemeinde war heute in recht froher Stimmung. Sie sah ja ihren Parniß und seinen Schwiegersohn in inniger Freundschaft neben einander stehen, sie wußte, daß bald Hochzeit sei, und Jedermann hoffte auf die Ehre einer Einladung. Wer da fürchtete, nicht eingeladen zu werden, nun, der nahm sich eben vor, trotzdem zu kommen. Nur der lange Feibel konnte nicht einmal im Tempel feinen Schabernack lassen. Zwei kleine Neffen hatte er in di« Nähe des alten Jausel postier, die ihren hölzemen Hammer mir großer Vehemenz aufschlugen. Aber statt des Moeses Haman stand auf dem einen: „Wasserrecht", auf dem andern „Prozeßkosten", er selbst halte auf eine Bank „Müllers Ruh" mir Kreide geschrieben und hämmerte so lustig und toll darauf loS, daß ihn der darob ärgerliche Chasan wüthend ansah. Aber solche Blicke gossen nur Oel aufs Feuer, der Claqueur wies dann dabei auf die Schekelbüchse — und die sinftere Stim des Herren Dorfangers glättete sich. Dagegen ließ dieser nun selbst solche Auch an Lord aus, wenn er dessen-Namen schrie, daß man ihn (i persischen Scharfrichter hätte halten können. So am Abend her^ so am andern Morgen. „Ja, dm in H. war heute Licht und Freude und Wonne und „Wurden auch die | übrigen Stadtbewohner keine war über die christlichen Ortseingesessenen keine An« fallen^" blühte auch im Stillen wie offm mancher Haman fort, cher einen Hundertelligen Galgen verbient hätte —-ein Haman war doch erschlagen, der Prozeß Jausel-Meiet mit allen Iftinen Kindern!: der Schadenfreude, dem Aergei;, den Sporteln, dem Arrest, der Klatscherei und wie sie sonst heißen mögen. — Das fühlte Keiner wärmer und tt'effr als Jaustt. Ihm war heute <o wohl und weit ums Herz. Die Scheloach monos fielen doppelt so reich auS, alS sonst und ^ie Sudoh währte bis zum späten Abend. „Herr Rofenrhal poculirte dabei fleißig und pflichtgenoäß, so daß er wirklich keinen Unterschieb mchr. wußte zwischen dem Worte Haman - Mordechai." Und nun ging doch erst der rolle Fasching an. «4 Z^eht hin, da komme« sie ja fr» die Stube, ChajmS spindeldürrer Jacob alS König Ahasveros, das r!»the Unterst»«,v des umgewenderen Schlafrocks feines Vaters als Purpurajaattl, der mir Goldpapier überlebte Reif jtinec zerbrochenen Kindertrommel sein Diadem —. und neben> ihm Wolfs Marjannchen als Esther, jede» Zoll an ihr gtW keine Königin, aber ein AsuSponim. . Eben schließen sie ihren Dortrag mit einer innigen Umarmung und empfangen für die Willfahrung des Daraporufes Pfeffernuss und Rosinen, da tymmr, das edle Antlitz, wie stine Vorganges, unter einer ausgedienten invalid« Maske verborgen, vier Kiiehsiraßvogel, Joseph Herz^ als" Leierkastenmann und entwickelt in kurz« drastischen Zstgea, in ganz neuen Reimen die Geschichte der Menschheit bis zum Prozesse Jausel Letzt Pfau o weh, nun vor die Thür 1 Das war des Leidens A-B-L, Herr Meier mußt' e« büßen — Der Alte in dem Thurm dann saß, >! Wo eine Rlatte ihn anfraß! An Händen und au Füßen. ' | Dazu ein schnarrender, keuchender, brummender Leierkosten und die Säbelbeine de« zuageageläufigm Sängers, der feinen Dortrag mit Pirouetten und Sprüngen begseittf — wahrlich Diogenes hätte lachen müssen. Und «keder -geht die Thür auf. Was will der Gog Mqgog mit der Jacke- Gravitätisch schreitet er auf Jauseln zu, faßt dessen Hand,

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