Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Volksblatt · 1860-01-01 · 42 (1860) · p. Seite 168

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
7 (1860)
Issue
42 (1860)
Date
1860-01-01
Page
Seite 168 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/4908862-5999354-6026383--1739-4910235
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

168 digsten Lebensmitteln versorgte. Das «ar eine himmlische Wonne für uns, wieder einmal ein we»ig Brot mit einem Schnaps genießen zu können und unterj einem Dache, undie schrecklich« Vergangenheit und bi« namenlosen Leiden, die ich erlitten, die noch traurigere Aussicht auf die Zukunft, verbunden mit der täglichen Abnahme meiner Kräfte würden geachtet deharten Fußbodens unsre Nächte hinbringen )u1 mein Leben bald verzehrt haben, wenn ich nicht durch bedürfen. Bei dieser Gefangennehmung harte ich also nicht nur meine Kleider, sondern auch eine beträchtliche Summe Geld veüoren. Meinen kleinen Schimmel, der mit mir alle Mühseligkeiten getheilt hatte, hislt man zur Beule unwürdig und ließ ihn mir. Ich wsrr jedoch genöthigt, ihn auf der Straße stehen zu lassen, da ich weder Fourage, noch einen sicheren Ort für ihn hatte, und fein ferneres Schicksal ist mir unbekannt. Nachdem, wir einige Tage in Borissow zugebracht harren, wurden wix mit einem starken Eonvoi Offiziere auf dex Straße nach Witebsk transportirt. sondere Wunder der unerforschlichen Vorsehung erhalten worden wäre. Ich genas. Mein« Schwäche war jedoch so groß, daß ich einen Schritt zu gehen in mehreren Wochen nicht vermochte. Als ich aber ein wenig zu kriechen wieder im Stande war, war es meine erste Sorge, einige Bekanntschaften zu machen, um dadurch eine Nahrungsquelle zu entdecken. Dieses kostete mir unsägliche Mühe, da mein elendes Ansehen, verbunden mit einer noch elenderen Kleidung meine Person nicht recammaodiren konnte. Jedoch, obgleich ein durchlöcherter Schafspelz meine Staarsuniform war, so Auf diesem Wege kann ich mich keineswegs über Mangel fand ich doch Zutritt bei einigen Personen und später bei beklagen, im Gegentkeil harren wir Lebensmittel im Ueberfluß und täglich noch einen Sold von; einem Kupferrudel, was ungefähr 14 polnischen Gulden ausmacht, und immer unsre warmen Stuben, da die Offiziere ieinquartirr wurden. Da. mir jedoch das Zufußgeben zu best werlich wurde und auch die Sehnsucht nach meiner Heinu lh sich heftiger in mir zu regen anfing, so faßte ich den En schluß zu entfliehen, welchen ich auch in einem kleinen Ställchen, nachdem ich acht Tagemärsche mitgemacht, vollführ e. .Hier blieb ich dem braven Manne, wo ich mich jetzt noch befinde, und wo es mir recht gut gehr. Ich vergesse über die angenehme Gegenwart die glücklich überstandenen Leiden und sehe frob der Zukunft entgegen. Schreiber dieser Zeilen ist mein Onkel, 8. Neumark. Zn Karge geboren schloß er sich von Kassel aus, ob freiwillig, ob gezwungen, weiß ich nicht,- den Franzosen an und machte acht Tage, und da es überall an g^ren Menschen nicht den Feldzug mit. Der Mann, der ihn in Wilna so freundfehlt, so fand ich auch hier Unterstütz^. 1 sich ausgenommen, war ein Ur. Hopfen, der ihn auch in Nachdem ich mir einen Schlitten I mir einem Pferde gekauft hatte, unternahm ich meine R^ise nach Wilna zu uno kam glücklich in zwei Nachten, in welchen ich 35 deutsche Meilen fuhr (am Tage durfte ich picht fahren, da alle Straßen mir russischen Truppen dedeckh waren), in Minsk, 20 Meilen von hier, an. Da die K^Ite, hauptsächlich in der letzten Nacht, gräßlich gewesen war, so erfror ich mir Hände und Füße dermaßen, daß ich setzt nicht vermocht«, meine Reise weiter fortzusetzen. Hier verfluchte ich gottloserweife tausendmal mein elendes Daseins Ich litt.die fürchterlichsten Schmerzen ohne die gering!» Pflege, unter blutfremden Menschen, wo man als Festrd des Vaterlandes betrachtet, nur mir der größten Mühe' in ein Haus eingelassen wurde. So verbrachte ich zwei Wonarr, unter welcher Zeit mir drei Zehen meines rechten FußeS von Arztes Hand abgenommen werden mußten, was jedoch jetzt glücklich geheilt und weiter von keinen üblen Folgen für mich ist. Es ist mir im Gehen keineswegeS hinderlich, und befinde ich mich jetzt recht wohl. Als ich zu Ende zweier Monate nur wieder aufzustehen im Stande war, eilte ich, obgleich ich weder Stiefel noch Schuhe anzuziehea vermochte, in der igrößten Kalte meine Reift fortzusetzen und kam auch, nachdem der Rest meiner allzukleinen Baarfchafr beinahe völlig pufgezehrt war, hier Stand setzte, seine medicinischen Studien an der Wilnaer Universität fortzusetzen. Wir besitzen noch vier Briefe von ihm. Einen zweiten auS Wilna vom 12. Oct. 1813, einen aus Brest - Lilewski vom 20. Zan. 1815, einen aus Warschau vom 24. Aug. 1815, nach dem er Begleiter des Kreishauptmarms v. Rott äst und den letzten vom 3. Der. 1815 ebenfalls au« Warschau, in welchem er von einer üderftandenen Krankheit berichtet. Seit der Zeit fehlen uns alle Nachrichten über ihn. Zst er einem erneuten Krankheitsanfalle erlegen, oder hat sonst irgend etwas seinem Leben ein Ende gemacht, wir wissen es nicht. Anekdote. In H. hat sich eine Frau angewöhnt, immerfort „Gott laß sie gesund!" auszurufen. Neulichst sagte sie: „Was haben wir i» Hause für Mäuse, Golk laß sie gesund! Wir wollen Gift aussetzen für sie!" Allgemeine Zeitung des JudenlhumS. No. 41. 1860. Leitende Artikel: Die syrischen Juden. — Da« fünfzigin Wilna an. Hier war nun mein Plan, mir einen Paß > Oubiiäinn des Herrn Professor Or. Unger in Erfurt. — nach Haufe, ad« wenigsten« bis »istig«d«g au«,„wirken; an,a8 "b-r - ■ D,e ,s-«liii,'ch- Bib-Ianst-it, allein der Mangel an Geld sowohl, wie eine heftige Krankheit, die mich neuerdings befiel, hinderten mich gänzlich am Eorrefpondenz: Auch ein Wort über die Alliance israelite universelle. Ausfuhren meines Vorhabens. In dieser Epoche litt ich am meisten. Die ttaurige Gegenwart: ohne einen Pfennig Geld und ohne Unterstützung bei einer lwütheoden Krankheit, > jy 3„ sieben durch jede« Postamt und jede Buchhandlung die meinen ganzen Körper zerstörte, bze Rückerinnerung an jährlich 3 Thaler. vierteljährlich % Thaler. Zeitungsnachrichten: Palästina: Magdeburg. Preußen: Erfurt, Berlin. Berlin. Oesterreichischer «aiierstaat: Krakau. Amerika: New-Aerk. Marokko: Gibraltar. -L | Verantwortlicher Redakteur: K. Rübe. Sertei mb Vuckbavdtung ia Leivpa — Druck >m ®. «revsiu. Ui Se,»,i».

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.