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Jüdisches Volksblatt · 1860-01-01 · 38 (1860) · p. Seite 152

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
7 (1860)
Issue
38 (1860)
Date
1860-01-01
Page
Seite 152 (sequence 4)
Language
German
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152 herrlich ist rt, in der Demuth des Klommen zu wissen, du stirbst wie alle deine Menschenbilder vor dir und nach dir." „Und was glaubst Du als Israelis, mein Bruders" frug der Gottesgel,hrte. „Ich glaube, daß unter der Erdenhülle, die, wie alles Irdische, gewoben ward und blühte uo^ welkte, und nun zerfällt, eine göttliche Seele lebt, die nunizur Freiheit kommt \\vji ihren Fesseln und Banden. Daß ich aber hier unten zur Gemeinde Israelgehörte, so weiß >ich, daß ich darum bekannte alle Tage meine- Lebenden einigen Gokr, und daß ich die Obliegenheiten de- Gesetzes, seitdem ich ihrer bewußt zu werden begann, nur infofenj vollführre, als die Heiligung des Lebens daraus für mich und für Andere entspringet. Dort droben aber, wohin Meine Seele gelanget und verlanget, schwinden ja so alle Ungleichheiten der Erde hinweg, und nur der eine glatte, ebene Himmel wölbet sich über und unter un-, und umfanget u»s." „Rechnest Du H Dir also jetzt, wo Du an der Schwelle des Jenseits stehest, und alle- Irdische weit hinter Dir bleibet, zum Glücke an, in Israel geboren zu fein?" fuhr Jener zu fragen fort. „Es ist ein zweideutiges Glück," erwiederte er, und lächelte, nicht satprisch sondern sanft. „Ein Glück, insofern die Religion Israels mehr Mittel darbietet, zur Heiligung des Lebens zu gelangen, und den Weg, indem sie den irdischen freiwillig' erschwert, den himmlischen leichter zu wandeln macht, ja, indem sse Hindernisse erschafft, fähiger macht, die Hind,misse, die der Allweife schafft, hinwegzuräumen. — Aber es ist kein Glück, in Israel geboren zu sein, da die Gefahr vorhanden, in den Mißbrauch dieser Mittel zu verfallm, diese selbst für den Zweck anzufehen, und sie abgöttisch zu üben, ich meir» abwärts von Gott, ohne Gott! Rechne hinzu, daß es in der Beschränkung, in der der Israelit lebt, und in dem Hohne, dem er immer noch au-gesetzt ist, und in der Zurücksetzung, die er überall erträgt, ihm schwerer ist, sich in der Menschenliebe und reinen Gottesverehrung zu erhalrm, da »r die Menschen alS Hasser, Gott als Tvrannen anzusehen so leicht verleitet werden kann. — So ist denn wie alles irdische Glück auch dies, in Israel geboren zu sein, nur ein Glück für den, der es recht zu nutzen versteht, aber gefährlich, wie schneidmbe Waffe, firr dm Unverständigen." Man schwieg, und der Sterbende bat, ihm noch einige Decken über dm Leib zu legen, weil es ihm kühl zu werden ansange. Leises Schluchzen ward verstehmbar — eine Enkelin im Alter von fünhehn Jahren kpnnte den Strom der Thranm nicht zurückhalten. Ungeschickt ttat ein Andrer zu ihr, und tröstete sie mit lauten Worten. Da überwältigte sie der Schmerz, und sie warf sich ' über das Bett des Scheidenden, von dem man sie nicht ^rennen konnte — bier selbst ihre Hand ergriff, und löse i sprach: „Der Tod tritt naher an'S Herz,!und mein Auge wird dunkler. Darum, schaue ich meine Geliebten heller, selbst die, die nicht mehr sind, sie umgeben n^ich, winken und reden zu "mir. Ich bin getrost. Sehe ichi doch in die Räthfel de- Lebms schon Heller hinein, wie wfrd es drüben erst wer dm, wenn ich frei bin und rein! I Theuem, so lange ich noch euer bin, euer zu sein. Seher,! ihr werdet tiefm Schmerz empfinden, wenn ich scheide — aber leichter euch fühlm, wmn ich geschieden bin: denn der Tobte stehet dm Lebenden schon, femer, als der Sterbende. Und die Zeit wird eure Wunde überziehen, so wie sie mein Grab mir Rasm überzieht, und ihr werdet nur noch manchmal nach oben schauen, wenn ihr meiner gedenket. Und Tage werden über euch hingehen, abwechselnd in Freudm und Schmerzen, dis auch euch einst die große Stunde des Sterbens kommt. O, meine Theuem, liebet euch, liebet die Menschen, lieber aber vor Allem Gott. Jetzt in der Stunde des Sterbens fühle ich recht, daß es Wahrheit ist, was die Kunde der Dvrwelt spricht, daß sich Gott offenbaret hat. Da mir die Seel« zum Himmel schwillt, und die Erde rief unter sich erblickt, weiß ich, daß die Gottheit, die das Weltall füllt, auch in unserm Geiste liegt, ich fühle mich ergriffen, es ist Geist von ihm, der in mir webt. Wohl dem, der hieran festhält, und darum Israelit ist, im wahren Sinne. Dir Religion Israels reißt unmit Gewalt von der Erbe los! So gebet denn di« Güter der Erde, Ehre und Genuß, für sie hin, und indem ihr mit ihr Erde und Menschen vergesset, denket und fühlet allein Gott, — dann seid ihr recht — und selig!! — — Er sprach rS, und war unter den Rechten und Seligen. Immanuel. Anekdote. Einige Wochen, nachdem dem R. Lokach Gern reis, einem armen Juden in Polen, ein Töchterchen geboren worden, ging er zum Ortsrabbiner und bat ihn um einen Aibbutz-(Beuel-) Brief, da er nach Aschkenas (Deutschland) auf no:2n (Ausstattung der Braut) reisen wolle. Nach finfzehnjährigem Wandem in Aschkenas, kehrte er nach Hause zurück und verheirathete seine Tochter standesgemäß. Wieder beschenkte ihn Gott mit einem Töchterlein, das er aber in kurzer Zeit durch den Tod verlor. Nichtdesto weniger begiebt sich unser R. Lokach wieder zum Rabbiner um einen Kibdutzbrief auf ris:2n bittend. „Euer Kind ist ja gestorben?" fragte ihn der Rabbiner; „Adderabde," antwortete der Bittsteller, „weil mein Kind gestorben ist, soll mich Aschkena» jarschenea (erben)? Ich bin der Daker, ich bin der rechtmäßige Joresch (Erbe) von meinem Kinde!" Allgemeine Zeitung de« Judrntbums. Ro. 37. 1860. LeitendeAr.tkel: Wochenschau.— Literarisch«Umschau.— Literarischer Wochenbericht. — Historische Notizen. — Di« Aufhebung de, kreisamllichen Ehebewilligung und die Legirimation uoehelicher Sinder. — Die israelitische Bibelanstalt. ^^Zeitungsnachrichten: Deutschland: Frankfurt am Main, rmburg, Hannover. Orsterreichischer Saiserstaat: Gaya. Marokko: Pari«. Frankreich: Pari«. Verlag von Ca um 3 Ä Zu beziehen durch jede« Postamt und jede Buchhandlung. Kommet näher, meine | Jährlich 3 Thaler. vierteljährlich % Thaler. Verantwortlicher Redakteur: ft, Rübe, einer'* Ctubbaublung io S. »revsiog i» LriV,ig.

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