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Jüdisches Volksblatt · 1860-01-01 · 37 (1860) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
7 (1860)
Issue
37 (1860)
Date
1860-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdisches Bolksvtatt. t Zur i Verehrung und Unterhaltung aus jüdischem gebiete. Herausgegeben von Rabbiner vr. Ludwig Philippso» in Magdeburgs lRo. 37. 1860.] Kn dieser Zetischriir erscheüu »ochemtUch ei« R»»«er. Preis de« 3«|i> ga»S* 1 Thlr. VirnetjLhris JK Rgr. Llle Büchtza»»!»»^«, Potza»ler »ad Aeii»ag«rrvedino»e» »rh»e» Ve»etl»«ge» a». ^7. Iakrg. 3. Quartal.] Jausels Gosse. vom Rechtsanwalt vr. D. Lalm. (Fortsetzung «us Ra. SS.) z. Am ersten Werkelrage nach Pfingsten erschien in der Behausung de» Lohgerbers Meier die kleine untersetzte Bestall dewohlbestallten Gemeindevorsänger» — Schächter» — Lehrer- — Mazzehbäckerinsittttoc» — Schadchen- - und Wurstfabrikanten Rosenthal. Auf seinem Gesichte lagerte der Ernst der Situation. Den Zeigefinger der linken Hand an die cogaakleuchtende Nase gelegt trat er schüchtern in die Stube. „Guten Morgen, Herr Meier." „Schönen Dank, Herr Rosenrhal, was dringen Sie so früh?" „Nicht- Gute-," li-pelte der Alte, verlegen im Zimmer umherblickend. „Sprechen Sie nur frei heraus, wir sind ungestört — was giebr'Si" „Ach, ich muß mich fetzen, da» ist da» erste Mal in meinem Leben, daß ich solche Hiobspost — Jauset — Täubchen — Ehaßneh — da- Hau- — 'S ist au», Herr Meier, da steht'» geschrieben — Er überreichte Meier einen Brief. Darin stand mit fester Hand in hebräischen Lettern: Herr Meier. „Wir sind geschiedene Leute. Mein Hau» ist Ihnen verboten, meine Tochter schlagen Sie sich au» dem Sinn. Wenn Sie sich unterstehen werden, mich zu besuchen, gebrauche ich mein Hau-recht. Wegen meiner rechtlichen Ansprüche sprechen wir un» auf dem Amte." Jtzig Jausel. E» giebt recht tragische Situationen, in denen undennoch der Lachteufel üverkommt. Wir könnten weinen, aber so ein Kobold kitzelt unsere Sinne. Drob ärgern wir un» und möchten ihn packen. Mit Richten — er prickelt immer zu und erst mit dem letzten Echo de» schallenden Gelächter» schleicht der schadenfrohe Gesell fort. So erging'» Meter. Hellauf lachte er, immer von neuem, indeß der Alte mit den Händen sein schwarze» Sammetkäppchen schlagend, bleich vor Schrecken auSrief: „Schema beoi, der »st mescbuggeh geworden, ich ruf« den Doctvr, drüben der hitzige Jausel und der hier im Dausel, heißt ein Zustand!" Und damit trollte er fort, immer schneller, je mehr ihm Meier scherzhaft sachendmachrief, zu bleiben und Antwort mitzunehmen. — Lasten wir ihn laufe«. Er ist so oft langsamen gravitätischen Schritt» durch hie Straßen geschritten, in süßer Erinnerung an die gelungene Troudadourarie, mit der er kadischsingend seine Gemeü^a entzückt har, daß e» den kleinen Beinchen nicht schad«^b«nn sie den dicke« schalendgenährlen Le»d einmal schneller über» holprig« Straßenpflaster tragen. — Wieder öffnete sich bfi Meier die Studeathür — aber barsch und ohne daß zuvor angeklopft war. Eia wenergedräunte», martialische» Antlitz Tagte hinein und eine rauhe Stimme schrie: „Morgen um 9 Uhr auf» Justizann kommen." Damit wurde die Thür heftig zugeschlagrn. „Halt!" donnerte e» von drinnen, und'her alte Lote Pfau blieb kerzengerade im Haus« stehn, wie wenn er al» Ordonnanz vor dem Major wäre. Langsam näherte sich ihm Meier und brachte seinen Mund an da- Ohr de» Loten, al» wollte er ihm eia wichtige» Geheimniß mitthetten. „Ich bin nicht taub, Grobian, und wirft man die Thür wieder so, fliegt mau zum Tymian," schallte emit Stentorstimme gegen da» Trommelfell de» alten Invaliden, daß dieser entsetzt bi» zur Hast-thür zurückprallte, al» habe ihn ein elektrischer Schlag getroffen/ Bor Wuth fand er rein Wort, aber seine Hand hob den schweren Dambu-stock, den Rächer beleidigter GerichrSdotenwürde gegen jüdische Anmaßung. Meier schürzte ruhig die Hemdeärmel auf und' zeigte so stramme Muskeln, daß der Alte innehielt und zähneknirschend wegging. I Recht so Meier, Hammer oder Amboß sein. Gehorsam und Ehrfurcht den Behörden, bescheiden und willig gegen Privatpersonen, nicht reizen und provocirea, nicht prahlen und aufschneiden, nicht übelnehmerisch und «mpsindlich sein, — aber sich auch Nichtgefallen lasten, nicht kriechen, nicht immer dulden, frisch von der Leber, fest in der That, Blut im Herzen und Muth in den Knochen — da» hilft und schafft. Juda im Großen und Ganzen leidet schon genug, wo Widerstand undenkbar ist, soll darum jeder einzelne Jude ein Märtyrer! sein und feige den Rückm Hinhalten, daß der erste, beste Bettelbubr darauf herumtanzen kann? Nur That» und MaaneSkraft erzeugt Respect — da-

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