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Jüdisches Volksblatt · 1860-01-01 · 33 (1860) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
7 (1860)
Issue
33 (1860)
Date
1860-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdisches BolkMatt. Zur Kelehrung und Anterhattung auf jüdischem stekiete. Herausgegrben von Rabbiner vr. Ludwig Philippsou in Magdeburg. sNo. 33. 1860.1 von dieser Zeitschrift «Meint wöchentlich eine Nn««er. Preis de« Jahr gaRg« 1 Thir. Kierretjöhris 7 «gr. — " " - und Zeitnng«ervrditionen nehmen eine «nmmer. «rer« de» >iahr> r« Lw » « ,» , ..!S ÄÄ1 d°su«t-r [7. Isdrg. 3. Quartal] Ephraim. (Lchlosl an* 9to. A.» „Nichts! Gott wird Helsens Ja, da» ist immer Deine Redensart. Gott wird helfen, aber damit Gott helfe, muß man sich vorher selber helfen. Die Zeit des Manna und der Wachteln ist vorbei. Mein Bater olow bascholom hat immer gesagt: v'2'122 inoan hee, man muß nicht! zuviel auf die Großen vertrauen. Du hast Alles um den, Grafen vernachlässigt, und nun siehst Du was es heißt, alle seine Eier in einen Korb legen. Der Weis« har zwei Augen im Kopfe, damit er in die Zukunft sehen kann." — > So regneten die Sprichwörter noch lange auf Ephraim. ES ist dies einmal so, wenn die Armuth zur Thür ein-! zieht, fliegt die Eintracht zum Fenster hinaus. | Der arme Mann, um sich vor dieser Sündfluth von j Moral zu schützen, flüchtet sich in fein Zimmer, sammelt j sich, sagt das Abendgebet, und, ohne Abendessen zu ver-> langen, nimmt er einen Fvliodand, und wiederholt zum , hundertsten Male, alle die Gesetze und Vorschriften des; PeffachfesteS. | Es war zwischen eilt und zwölf Uhr in der Nacht. . , Zu dieser Stunde durchirrt der Engel der Finsterniß \ die Welt, um da- Böse zu »hun, und die Menschen zum! Verbrechen anzureizen.! Er trifft sich im Walde mit dem Mörder. \ Er legt dem Diebe die Leiter an. Ihr sehet ihn auf dem grünen Tische eines Spielhauses und hinter den Vorhängen des ehebrecherischen Lagers. Er ist es, der die Pistole des Selbstmörderladet, und den Dolch des Derräthers schärft. Er ist in der Feder des Verleumders und auf der Zunge des Meineidigen. Er sitzt auf der Geldkiste des Reichen, von der er die Barmherzigkeit verjagt. Er führt auch Die, welche der Mutter ihre Kinder entreißen, und beseelt den Henker, der im Namen-de- Himmelden Unschuldigen auf der Folter quält. Mit einem Worte, es ist Satan, eist der Geist des Bösen, eS ist der Tod! In dieser Stund« giebt er dem Stallknecht Christoph einen höllischen Gedanken ein, den er gegen den armen Ephraim im Schilde führt. Unser Trödler sitzt noch immer in traurige Gedanken vertieft, und mit einer kasuistischen Frage von höchster Wichtigkeit beschäftigt, aldie Scheiben seines Fensters klirren, zersplirrem und ein Wesen, schwarz, häßlich, t» das Zimmer fliegt, gegen die Mauer schlägt und zu feinen Füßen hinfällr. Ephraim stößt einen Schrei des Entsetzen» aus, und bleibt wie vernichtet auf feinem Smhle. „Es ist eia Sched (Geist) ohne Zweifel, der meinen Muth und mein Der» trauen auf Gott brechen willj" sagt er zu sich selbst. Aber der Israelit richtet sich in ihm wieder auf, er legt seine Hand auf seinen Foliobaob und sagt den Psalm vor sich her. Wa» hat er jetzt zu fürchten- Wirklich wagt er die Aqge» auf das.Wesen, das immer noch zu seinen Füßen siegt, zu richten, und da er sah, daß es kein Lebenszeichen von sich giebt, nimmt er seine Lampe, und als er in der Nähe untersucht, sieht er, daß es ein Affe, eia rodter Affe Ist. I Darauf nimmt feine Angst eine andere Richtung. Indessen hatte Susanne das Klirren der Scheiben und den Schrei ihres Mannes gehört, und stürzt» herein, um zu sehen, was geschehen sei.. „Ach, meine rheure Susanne, was wird aus uns werden! Sieh dieses Thier, man hat es eben kn meine Stube geworfen." „Eist ein Affe. Hast! Du Furcht vor einem tobten Affen i" „Nein, aber Du kennst die Unwissenheit, den Fanatismus und den Aberglauben des Voltes in diesem Lande. Diese Leute bilden sich ein, de«. Affe sek ein entarteter Mensch; aber es ist ein Mensch, undj so ist es ein großes Verdienst an ihm die Taufe zu vollziehen. Sicher ist diefer Affe getauft. Man hat ihn in unser Haus geworfen, und morgen wird man un» antlagen, ihn erwürgt zu haben, um christliches Blut in die Ofterkuchen zu mischen. Mehr braucht man nicht, daß der Pöbel sich auf unser Viertel stürzt, und Männer, Frauen und Kinder mafaqrirt. Verstehst Du?" „Sehr wohl, aber ich erinnere mich, was einer meiner Vorfahren in einem ähnliches Falle gerhan hat. An einem Osteradend hatte nrgn ihm die Leiche eine- Kindes in feinen Keller geworfen. Die Magd wollte Wein zum Seder heraufholen, und kommt erschrocken zurück-und erzählt, was sie gesehen hat. Red Schmuel bleibt.gefaßt. Er befiehlt das größte Stillschweigen, läßt den Ofen Heizen, geht in den Keller, nimmt den Leichnam, wirft ihn ins Feuer und fahrt im Seder fort. „Am anderen Morgen, als di« Polizei kommt, gefolgt von einer wüthenden Menge, halt man eine sorgfältige Nachsuchung vom Keller bl» auf ven Bodm, aber man

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