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Jüdisches Volksblatt · 1860-01-01 · 30 (1860) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
7 (1860)
Issue
30 (1860)
Date
1860-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Indisches Volksblatt. j Zur 'Belehrung und Unterhaltung aus jüdischem Hetziele. Herallsgegebe» von Rabbiner Dt. Vubroig PhiUppso» in Magdeburg. I r ,Y< ct a « n/»A i L'ön dieser AciischrNt er^bcint wvchcuNich ciae R»»»cr. Preis de« Sahr-> r~ , r» , , , [9lo. 3«. 1860.] »*»% SÄlftAlüK-rtJ!! SSSESSSPSL- ****": t7- 3- Husrlsl.] Aeiwvg»<kr«ririo»e» nehmen Bestetlnngen i£i Das Decket Napoleons!, v. 17.März 1808. Nach dem Französischen trs (A. L>ri!. *)! Die Gefepe crdaliea siels ihre H^ldunA von krn Boruriheileu i der G-Ietz^eder. k^Ioalr«q»ik-v. K-i-nr de- | Zn einem elsäMchen Dorfe lebte im Jahre 1807 Mor-! dechai Blum mit seiner Frau Rebekka und seinem Sotine. David. Wie in allen jüdischen Familien damaliger Zeit j betrieb der Vater den Handel, der Sohn studirte den Talmud und die Mutter beschäftigte sich mit der Wirthschaft. ' Mordechai Blum war nicht sehr reich, aber er verstand^ vermöge seiner Thatigkeil und seiner GescbäftSkenntniß Vor- > theil auS feinem Kapital zu ziehen, und durch den Credit,! den er genoß, war er im Stande die bedeutendsten Unternehmungen zu machen.'-Wie alle seine Mitdrüder trödelte j er mit Allem, kaufte Immobilien, velkaufte sie wieder und machte bei Gelegenheit ein wenig Wrchselgeschafte. Recht-1 lich in Geschäften, gut und wohlthätig, war er allgemein geachtet und beliebt, so sehr wenigstens, wie eS zu dieser Zeit ein Jude im Elsaß sein konnte, wo ein Lolksvorurtheil, das schon zu alt, um leicht auSgerottet werden zu können, zum Princip gestaltet Hane, daß alle Juden Wucherer seien. David Blum war ein großer und schöner junger Mann von zwanzig Jahren, von ruhigem und überlegtem Charakter, unter einem kalten und schüchternen Aeußeren frische Gedanken und edle Gefühle bergend; er halte sich nicht allein auf daS Studium des Talmuds beschrankt, sondern er konnte deutsch und französisch lesen und hatte einige GeschichtSkennlnifse auS einigen alten Büchern, die zu einem billigen Preise auS dem Nachlasse eines Emigrirten erstanden worden, geschöpft: er wurde daher alS der Gelehrte deS Orts betrachtet, und alle heirathsfähigen Mädchen beneideten ihn seine Braut Sarah, eine junge Jüdin mit schwarzem Haar und lebhaftem Auge, die ihm eine schöne Mitgift in die Eke bringen sollte. Die Familie Blum lebte glücklich und zufrieden in Erwartung des Tages, der zur Vereinigung der jungen Verlobten bestimmt war, als die Veröffentlichung eines kaiserlichen DeerelS auf einmal diesen ganzen Glücksdau, der so solide schien, zusammenstürzte: ein Dekret, welches einen unverwischbaren Flecken auf die Regierung Napoleons wirft, eine Acte der Unduldsamkeit, Ungerechtigkeit und deS VergeffenS der Menschenrechte, verordnete. daß jeder fran- *) Matiiiöea du Samedi, 3. »Mit. Pari®. 185U. zösische Jude vom 17. März 1808 an, umveigrrlich dem Militärdienste unterworfen sei, ohne daalle» übrige» Franzosen zustehende Recht zu baden, sich vertreten zu lassen, und das noch unter anderen Drakonischen Verordnungen die brachte, daß die Bezahlung keiner Obligation, Anweisung_ oder Wechsels, ausgestellt leirstm Juden von einem nichtifraelitifchen Franzosen, zukünftig gefordert werden dürfte, ohne daß der Beweis geführt werden, daß der vollständige Werth geliefert worden fei. Man! sieht leicht ein, daß solch« AuS» nähme-Maßregeln große Beunruhigung im Elsaß hervor» rufen mußten, wo der Handel, und namentlich daS Geldgeschäft sich fast ausschließlich in den Händen der Israeliten befand; aber unter den zahlreichen Opfem, welche diesem ungerechten Dekrete fielen, wurde keine Familie so schwer betroffen, als die deS Mordechai Blum: die Stunde der Constciption hatte für Da^id geschlagen; vom -oose dazu bestimmt, mußte er seine Eltern verlassm; und al-.er abreiste, das Gesicht noch voU den Thränen glühend, welche feine verzweifelte Mutter, unter dem Borwanbe, ihm den AdfchiedSkuß zu geben, flber ihn vergossen hatte, trat der Later seiner Braut zu ihm und theilte ihm mit einer kalten, verlegenen Miene mit, daß Sarah nicht auf die Rückkehr eines Soldaten warten könne, und daß er ihr einen anderen Mann suchen werde. AlS der arme David sein Regiment erreicht hatte, lind alS er begann sich zu seinem Dienste einzuüben, «hielte er von seiner Familie traurige und beklagenSwerth« Nachrichten: die Schuldner von Mordechai Blum weigerten sich^ in treuloser Weise die tyrannischen Verfügungen deS kaiserlichen DecretS gegen die Juden auSbeutend, das was sie ihm schuldeten zu bezahlen, wenn er ihnen nicht den vollständigen Werth der Obligationen, die sie zu feirien Gunsten unterschrieben harten, Nachweisen konnte; und da dies rein unmöglich war, so sah sich Mordechai eines TageS gänzlich zu Grunde g«r— richte». Das war noch nicht Alle«: sein Credit war hin; seine Gläubiger, die nicht nöthig hatten, Etwazu beweisen, weil sie keine Juden waren, rerlamirtea waec ihnen schuldig war, und da er nicht sogleich zahlen konnte, verlor er den Kopf, wufbe für fallit erklärt, und da er keine HandlungSdücher aufzuweisen hatte, alS Bankerureur zu zwei Jahren Gefäng«iß verurth^lt. - Was er gelitten, wird Niemand jemals erfahren, denn Mordechai beklagte sich nicht; aber ein düsterer Schmerz, glanzlose Augen, Haare, die in wenigen Tagen gebleicht waren, waren die einzigen Spuren seiner Verzweiflung, bis man ihn eines Morgens tobt auf feinem elenden Strohlager in seinem Gefängnisse fand. Seine Frau Rebekka hatte Alles mit

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