Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 7 (1860)
- Issue
- 25 (1860)
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 100 (sequence 4)
- Language
- German
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100 Ein hierauf bezügliche« Schreibe« an seinen mehrbenanaren Bruder, da« wir hier au«z»z«weise mirzurheilen un« erlauben, kann wohl al« treue« Echo „jener Sprache" gelten, die ihm jetzt au« de« Meere« Liefe schauervoll entgegen tönte. E« lauter: ( „ Livorno, am h. November 1810. „Mein theuerster Btuder! „Verflossenen Sommer habe ich zwar drei Briefe „an dich adrefsirt — den letzten durch meinen Freund „Mc. Leon Castelle, der nämlich vosi der Stadt Mogador „in Afrika nach Livomo segelte un» die Ordre' hatte, dem „Schreiben an Schwager Spiro Zugleich -00 fl.' 8K Z. „an unsere geliebte Mutter beiztzschließrn — bi« mich „nun meine Geschäfte selbst nach Livorno führten. Wie „freute ich mich durch die ganze chnge Reise: bei meiner „Ankunft daselbst einige Briest von den Unseren zu „treffen — ich fand mich leider getäuscht! Jetzt hoffe „ich doch endlich, auf da« vierte Schreiben, da« ich „selbst auf die Post aufgegeben, esne Antwort, d. h. ein „Aeugniß deiner Bruderliebe zu erhalten.. ." ,Lch habe mich in Mogador erablicen wollen; „allein ich habe gesehen, wie di«:„Jehudim" in Afrika „behandelt werden (viel arger al« die Sclaven) — und „die Lust verloren. . ." „Nun muß ich dir auch meine gegenwärtige „Lage schildern. Seit meiner Abreise von. Pesth Hab« „ich abermal« viele bedeutende Roisen gemacht, nämlich: „von Triest nach Malta» wo ich ein Schiff zu commandirm „erhielt nach'Alerandnen und den ionischen Inseln,- von „dort ging e« über Egypten zurück nach Malta, welche „letzte Reist mir vorzüglichem Erfolge gekrönt war. Gleich „hierauf nach Fiume und zurück nach Sicikien segelnd, „bekam ich ein andere« Schiff mir 10 Kanonen zu de- „fehligen nach Marokko. Unweitvon Mogador, da« ist „i n Marokko, traf ich auf eine Tripolaner Krieg«brigg „von 10 Kanonen, mir welcher ich ein heftige« Gefecht „zu bestehen hatte, da« 1l Sluide dauerte, wobei mei- „nerseit« 18 Matrosen theil« gerödtet theil« verwundet „wurden, und ich leider durch ein« Kartätschenkugel mei- „nen linken Fuß verlorenjhade! Da« merklichste „größte Unglück! Ich hätte lieber den Tod herdeige- „wünscht al« die«, wodurch ich nun zum Serdienst vol- „lend« unfähig wurde!" » „Ich werde alle Mühe anwmtzen, die angebahnten „Handelsgeschäfte auch über Wien und Ungam au«;u- „dehnen, um auch unsere Familst in Thätigkeit zu fetzen. „Soweit ginge es Gottlob recht gut; allein nur einen „Fuß! Doch wa« thun? e« ist Alle« vom lieben Gott „und man muß sich in Alle« geduldig und gläubig „fügen. Nachdem er sich zum völligen. Nachlaß seiner fämmrlichen G e l t sorbemngen in der lstben Heimarb bereit erklärte und dlo« seine ,,al« Erinnec»ng«zeichen feiner amerikanischen Reisen ihm üderau« werth gewordenen Ringe" zurückwünschl, ruft er wehmüthig au«: „Za, ja, theuecer Bruder! i»mn ich meinen LebenS- „wandei überschaue: jene dedeu mden, großartigen und Beklag vo» «41 „gefährlichen Reisen, die ich unternommen, die Mühfelig- „keiten, die ich überstanden — und die« Alle« für wen? „für den lieben S.... und K....! E« thuk mir „so tief weh in der Seele, daß ich durch Menschen, „oder vielmehr Unmenschen, unschuldigerweise so Unglück- „lich geworden, daß ich selbst mein Grab nimmer in „meinem tdeueren Vaterland« finden durfte!" „Ich Hab« gestern mit dem hiesigen kaiserl. Kanzler „über meine Pesther Affaire gesprochen. Selber ist der ,Lnkel de« Ofner Stabtrichter«, an den er morgm schrei- „ben wird, auf daß ach mindesten« meine Ringe;u- „rückerhalte." ,,E« ist Mittemacht — ich muß unterbrechen. Denn° „ich dm von der Seereise gar zu müde. Lebe wohl, „glücklich und vergnügt, und schreibe gleich Antwort, „wodurch du besonder« verbindlich machen würdest „Deinen aufrichtigen Bruder Bevjamm S. Spitzer, m. p. Capitan." Wieder verstrich ein Zeitraum von 10 Jahren, bevor er da« Geringste von sich vernehmen ließ. Bei dem Besuche, womit er endlich seine Angehörigen 1820 überraschte, theilte er diesen den Entschluß mit: er beabsichtige nur noch eine Reife nach. Amerika behuf« Veräußerung seiner daselbst befindlichen liegenden und beweglichen Güter zu unternehmen, um dann in seinem Heimathlande seinen bleibenden Aufenthalt zu wählen und hier seine Tage zu beschließen. Mil diesem Vorsätze ging er nach Wien, wohin ec auch vor seiner Abreise einen kleinen Familienrath berief. In der Nacht jedoch vor dem adzuhaltenden Familienrath« (27. Schwär 1820) wurde er vom Schlage gerührt und gab allfogleich seinen Geist auf. . . Da er ohne Testament verschied, so konnte von all dem in Amerika sich vorfindlichen Vermögen desselben nicht« an seine Familie kommen. Unter der Form eine« Segelschiffe«, da« an der Spitze seine« Grabsteine« prangt, sind nebst Angabe feiner überaus großen Herzensgute und Menschenfreundlichkeit, noch die Worte zu lesen: „Hier ruher die Asche des edlen Manne«: Benjamin Solomon Spitzer, Bürger zu New-Orleans. Als nordamerikanischer Schiffscapitan umsegelte er zweimal unsere Erde. Tod In Mitte seiner rühmlichen Laufbahn ereilte ihn der Allgemeine Zeitung de« Zu beut bu.ms. No. 2«. 1860. «Leitende Artikel: Die Zudenfrage iu; Oesterreich im Verhältnisse zur Gewissensfreiheit und deren Beziehung zum Protestantismus. — Wochenschau: Rußland. — Preußen. — Oesterreird. — Frankreich. — Die israelitiicbe Bidelanstalt. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Aus Württemberg, aus Oberfranken, Bleckede a. Elbe, Bühl- Preußen: Exin, aus dem Regierungsbezirk Bromderg. Oefterreicknscher Saiserstaat: Böbm. Leipa. £7* Zu beziehen durch jedes Postamt und jede Buckchandlung Iädrlut 8 T baler, vierteljabrlich yA £ halft. Berantworüicher Redakteur: A. Näbe. gsrrner'S #u<fc»«B6Uxtg in «einzig — Druck voo &. *rtpfiag i» «eirz»-.