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Jüdisches Volksblatt · 1860-01-01 · 23 (1860) · p. Seite 91

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
7 (1860)
Issue
23 (1860)
Date
1860-01-01
Page
Seite 91 (sequence 3)
Language
German
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91 1 Was greifbar fo, b,zweifelt nicht. Und wandelt nicht zu Schatten Sicht! Juda zu GermanuS. Ich läugne nicht de- Zeugen Kraft, Wie Du demeinen mußt erkennen — Doch wer unS die Entscheidung schafft? Wer will unS «inen Richter nennen? Für unser Recht wir Beide stehe«, Und Jeder bracht' den Zeugen her — Wo ist der Richterstuhl zu sehen. Der unS de- Rechte- Spruch gewähr'? GermanuS. Wohl, davollbringe die Geschichte, Die ruf' ich zur Entscheidung auf, Sie kennt den Ursprung und de- Fortgang- Lauf, Daß zwischen ungerecht sie richte. Die Geschichte. Wohl künd' ich Euch, waich vemommen, Und deute wie eS ist gekommen. Nicht kümmr' ich mich, wer Unrecht, Recht, WaS weif und thöricht, gut und schlecht — Ich wäge, waS geschehen, ab. Und was dahin, leg' ich in- Grab. Aus fernem Osten kamen Juda'S Söhne, Erfaßt, zerstreut von Roma'S wildem Föhne — AuS Osten zogen Deutschland- Dölkerstämme Im Sturm der Wandrung über Berg' und Dämme — Germanien nahm die weiten Länder «in, Der Deutsche herrscht bizu dem breiten Rhein — Und Juda suchte sich bescheidne Sitze, Dem Deutschen nicht besiegt, doch unterthan — So gingen beide friedlich ihre Bahn, Dem freien Streben die willkommne Stütze. Da kam von Priestern eine böse Kunde: Wer ihrer Lehre sich nicht beugt und krümmt, Der sei Verfolgung, finsterer, bestimmt. Dem schlag' man schrankenlos die tiefste Wunde! Da kam der Haß, da kam ein wilde- Treiben, Die dlut'ge Jagd auf Israel'- Geschlecht, Entzogen ward ihm des Gesetze- Recht, Nicht sollt' ihm Vaterland und Schutz verbleiben, Verbannt, geächtet in die engsten Winkel, Ein Spielwerk für Verachtung und für Dünkel! Drum wie die Schnecke in ihr schützend Hau-, Zog Juda sich von dieser Welt heraus, Spann sich ein Netz, ein eigne-, um sich her, Vor seinen Feinden eine Wacht und Wehr, Im Staat ein Staat, im Leben Sonderleben, Im engen Kreise ein getrennte- Stteben. So zogen die Jahrhunderte dahin, E« schwand die Barbarei, eS kam da» Licht, Und frei und menschlich ward der Völker Sinn; Di« Schranke ward, die trennende, gesprengt. Und Priesterherrschaft,-Pfaffenwahn verdrängt. Da trat hervor in Gottefreie Luft Auch Juda'S Stamm auseiner engen Gruft, Hinaus in» frische, lichldurchwebte Leben, Zum freien Wandel, Nehmen und zum Gebm.! An'- Vaterland schloß er sich freudig an, Für Ehe' und Freiheit muthig drauf und dran, Zu deutschem Wissen, deutschem Geist und Rath, Zu deutschem Stteben, deutscher Kraft und That! So ist'- grscheh'n, ich künd' wad ich vemommen. Und unparteiisch wie eist gekommen — Der Jude trug, waS noch kein Volk ertragen, Und wollte nicht dem eignen Sein entsagen. Wie eau- Stamm und heil'gttn. Glaudm floß/ Ob Hn verfolg' der Menschen wilder Troß; Doch aldl« Hand der brutsche Bruder bot. Ergriff er sie mir ganzer Herzeo-kraft, Und schmiegte sich de- BürgerrhUm» Gebot, Noch heute stark, noch heute nicht erschlafft. Wer Recht, wer Unrecht, nicht |mag ich'- entscheiden, Die Wahrheit künd' ich nur im lauten Streite Beiden. y Der Genius d^r «Vorsehung. Wenn Mensch im Menschsichen nicht kommt zur Klarheit, So dringt da- Göttliche Versöhnung; In Streitenden ist. stetein T^eil der Wahrheit, Don droben kommt der ganzen Krönung. Auf Erden Kampf — doch mich hat Gott gesandt. Mich, Geist der Fügung, Geist! der Vorsehungen, Zu knüpfen immer seine» Friedet» Band, Wenn lang gmug der Mensch sich durchgerungen: Ich übe Gotte» efvige Gerichte, Und allen Streit mir meiner That ich schlichte. . Ihr Beid' erhebt auf diesetheUre Paar De- Rechte» Anspruch — nun. I Ihr habt ihn Beide — Ihr werdet Beid' in ihm Euch wohl gewahr, Daß «» Euch eine, aber ntmmet scheide! Du rechnest, Juda, sie von Deinem Blute, Doch nicht der Stamm allein ■*— da- Vaterland, Wo un» die Lust der Kindheit ^am zu Gute, — Wo sich die Jugend ihre Träuyie wand. Das Alter der Erfüllung Kränzjr schuf; Gewichtig ist, gerecht sein ttauttr Ruf. Den Glauben gabst Du, Israel, dem Paare, Der e» erfüllt, und dem e- Ufajt und strebt — Wie hoch erhaben, daß-ihn Jeher wahre, Deß Flügelschlag zum Himmel pn» erhebt! Doch minder nicht de» Geiste» Bildung wiegt. Die deutsche Bildung, Klärung! und Gesittung, Die Mittelalterfinstere Zerrütchng Mit Riesenkraft in mächt'gem Schwung besiegt — Sie ward dem Paar zum innefn Leben-marke, Zum Grundstein ihrem ganzen kebenrbau, Daß er harmonisch füge sich, bltc starke, Und unerschüttert, ob der Sturm auch rauh! Denn seht, da» ist de» Herrn trllweise Schickung, Die sie für diese Zeit so licht jewoben, Aufhören soll de» Glauden-zwang- Bedrückung, Gewissensfreiheit da» Pani^k erhoben —! Dann einen deutsche Bildung, I Juda'S Glauben Im deutschen Juda ihre reiches Quellen, : Entfalten einig ihre Bküthenlanden, Die der ErtennMiß goldne Sttuhlen Hellen. Dann erst wird Deutschland groß, da» hochgechürmte, - Wenn der Gedanke frei von Fesseln fliegt. Dann erst wird Juda groß., da» vielverffürmre, k

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