Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 7 (1860)
- Issue
- 23 (1860)
- Date
- 1860-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Jüdisches Bolksblatt. Zur Lelehrnng und Unterhaltung auf jüdischem ZeKiete. Herausgegrben von . [ (No. 23. 1860.] Rabbiner Br. Ludwig Philippsou in Magdeburg. Bo» dieser Zetchbrift etttetet «ücheutlich riw Nummer. Pset« de« I«hrgaug« 1 Thlr. BierreljLhrtg 7 % Ngr. Alle B»chda»tiu»geU, Po-S»»r uad Zeinulgtexvedillonn» uehme« BestetwnAeir <i«. [|7. IsKrg. 2. Quartal] Festspiel zum Polterabend eines jüdischen Geistlichen'). Juda, GermauuS. Religion. Wirtlichkeit. Geschichte. Genius der Borsehuug. Juda. Gekommen bin ich aus der «eiten Ferne, Nicht diese- Welttheils Fluren stamm' ich ad. An meinem Himmel glänzten andre Sterne, Als ich zur Hand nahm meinen Wanderstab — Die Meere kenn' ich, die sich endlos breiten, Die Berg' und Ebnen, die ich zu durchschreiten, Dom Quell verfolgt' ich bis zur breiten Mündung Der Flüsse Lauf, der Strom' in ihrer Windung, Bis ich gelangt' nach raufenden Gefahren Zu diesem Haus — das Gott der Herr mag wahren! Und wie de- Raumes, so der Zeiten Feme Ließ mich erfahren das Geschick de- Herrn; Wolle Er, daß ich de- Trübsal- Wandel lerne. Des Glückes Kürze als des Leben- Kernt Wie hoch aufrauschk und um so tiefer stürzt Des Dasein- Strom, durchwühlt, gedrängt, gekürzt? All dies ist über meinem Haupt erfloffen, Mühselig trug ich'-, aber unverdrossen — Denn Tausende von Jahren sind vergangen. Seit ich erwacht zum Leben voller Bangen! Kennt Ihr mich nicht? Ihr seid ja meine Kinder, AuS Millionen eine kleine Schaar; Doch lieb' ich Euch, als Alle sie, nicht minder, Umfangend Euch in Glück und in Gefahr! „Preis Gottes" heiß ich, Juda* **)'- ist mein Name, Preis Gottes war zu aller Zeit mein Amt, Ob all die Wogen der Verfolgung kamen. Ob all die Gluthen des Geschicks entflammt — Ich pries den Herrn, beß Hand sie mir bereiter Und dessen Arm doch ewig für mich streitet! Drum glaubet nicht, daß mich da- Alter beugte, Daß es zu Eis bas warme Herz gekältet, Schaut mir in'S Auge, ob es Euch nicht leuchte. Lauscht meinem Wort, ob's Lieb' Euch nicht entfaltet? *) Zugleich Ichwiegersodneines solchen. **) S. 1'Mos. IS, 35. Ich srh mich hier in meiner Kinder Mitte — Zu ihrem Herde lenk ich meine Schritte, An ihrer Luft erhebt sich meA Gemüth, Don ihrer Freude meine Freüd' erblüht! Wo Trauer sich um meine Enkel legt, Dahin mein Flug, zu trösten sie, sich regt — Doch wo ein Fest sie feiern heitern Glückes, Eil' ich zu ihnen liebevollen Blickes. C I Germanus (von der anderen Seite > rasch hinzutretvrd). Wer bist Du? Sprich! Was willst Du h!er? WaS drängst Du Dich in meiin Revier? Sie sollten Deine Kinder sein. Die ich mit Freud' und Recht nenn' mein? G e r m a n u s bin ich, deutsch«!? Erbe Herr, Gen Eindringlinge häb' ich Wass on^ Wehr — Mein ist die Sonne, die hier strahlt und scheint, Mein dieser Elchen vollbelanbtos Dach Und alle Stämme, die sich hie!r vereint, Ich schütze sie, fei'a stark sie ober schwach. Frag' an vom Rheine bis zur I Weichsel nur, Dom Al!pe«sim bis zu der Dünen Flur — Drei Meere rauschen auf an meinen Küsten, Drei Feinden steh' ich, ob sie mächtig rüsten — Ich lausche gern der Bögel Sang und Schwirren, Doch minder nicht der eh'rherr Waffe« Klirren, Mich har noch Niemand ungerecht gekränkt,' Es siegt mein Schwert, das m sein Blut-sich senkt. Drum Fremdling mit dem schwarze« Haar Und mit dem glüh'nden Auger^paar, Ich mahne Dich, nimm Dich in Acht, Und sei auf all Dein Wort bedacht — Ich kam erfreut zu diesem Feste, Doch nicht als einer seiner Gäste, Ich kam, weil es ein Fest der Meinen, Weil meiner Kinder zwei ssjh einen, Auf deutscher Erd' zu deutsche« Glück — Drum weiche schnell von hier, zurück! s JuV.a. Ich bin gewohnt, daß man mich drückt und jagt. Und selbst was mein ist, ha^ versagt. Doch weich' ich auch der rohin Gewalt, Ruf ich ihr dennoch gu mein! „$att"! Und kommt der Tag, wo wieder Recht regiert, * Und selbst der Schwache ftine Klage führt —