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Jüdisches Volksblatt · 1860-01-01 · 16 (1860) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
7 (1860)
Issue
16 (1860)
Date
1860-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdisches Volksblatt. Zur Letehrung und Anterhattung auf jüdischem HeKjete. Herausgegeben vou Rabbiner vr. Ludwig Philippjou in MagdeburgsNo. 16. 1860.] Von bicfcT erscheint wöchenttich eine Rümmer. Preis de« Jahrgang»- i Thlr. Vierteljährig 1 % Rgr. Alte lvuchhandluageU', Pofttaiicr und ZeitungtexPedilioaen nehmen Sestellnngen an. > [7. Jahrg^2. Quartal.] Kella. Eine eisassikche Dorfgeschichte. nach dem Französischen von Alexander Weill. , III. Wenn auf dem Lande zwei-Frauen, verschiedener Religion angehörend, auf« innigste in Freundschaft verbunden sind, so beruht diese Freundschaft entweder auf großer Tugend, oder auf großer Verderbtheit. Wenn sie auf Tugend beruht, so ist sie ewig; wenn auf Laster, nur von kurzer Dauer. Folgendes ist der Beginn der Freundschaft zwischen Kella und Maringrete. Kella'» Vater und Stiesinuttec bewohnten ein kleines, nur durch' eine Wiese von dem Grundbesitz Jäkel'« getrenntes Häuschen. Ihr armer Vater war brustkrank und die Pension, die ihm feine Nickte, Madame Cohen, zutommen ließ, war kaum hinreichend die Medicamente des Apotheker« zu bezahlen. Er hatte in zweiter Ehe eine Magd au« dem Hause einejüdischen BanquierS in Straßburg geheirathet, 'die vom Judenthume freilich nur die jüdisch« Küche kannte. Kella'« Stiefmutter, ihrem Manne treulichst zugethan, liebevoll und zärtlich gegen ihre Tochter, arbeitete außer dem Hause, um die Bedürfnisse der Wirthschaft zu beschaffen. E« wurde keine jüdische Hochzeitkein BeschneidungSfest zehn Meilen in der Umgegend gefeiert, wohin sie nicht berufen ward, bei den Mysterien der Küche den Vorsitz zu führen. Schon von Kindheit an hatte sie ihre Tochter in die Geheimnisse ihrer Kunst eingeweiht und Kella konnte zu fünfzehn Jahren mit den erprobtesten Köchinnen de« Dorfes wetteifem. Aber ihre arme Mutter hatte sich durch eine starke Erkältung einen Gliederrheumatismus zugezogen, der eine Lähmung der Arme zur Folge hatte, und Kella war es also allein überlassen, Vater und Mutter zu ernähren. Sie begab sich demnach zu der Nichte ihre« Vater« und bot sich als Köchin an, um hie Pension ihrer Eltem zu vergrößern. Ihr Anerbieten wurde für vierzig Franc« jährlich, Nahrung, Wohnung und zwei Paar Schuhen angenommen. Folgendes sann sie sich aus, um das Elend ihrer Familie zu mildern, und so vielen Bedürfnissen zu entsprechen. Sie bereitete für ihre Herrin di« kräftigsten Suppen und fragte sie um Erlaubniß/ die Uebrrreste ihrem Vater zu dringen, was ihr gestattet wurde. Dann ihr eigne« Mittagsessen aufhebend, brachte sie die« alle Tag« ihrer Stiefmutter, dir feit ihrer Krankheit fast immer bettlägerig war. Aber da sie ihrer Cousine kein Unrecht zufügen und sich keine zcheite Portion fordern wollte, so begnügte sie sich ich So Sallat Rübe verweigert den Armen seitdem ihr« Mutter nmer mit ein wenig Früchten und? im Winter nut einem Apfel oder einer geschabten und einem Slpckchen Brot. Niemand im Dorfe etwas Gemüse, und Kella holte sÄh, hr MittagSessen verzehrte, oft eine Rüde au« Jäkel'« Scheune. Schon seit längere c Zeit machte die Mutter Kella sanfte Vorwürfe über ihr« ldertriebene Aufopferung. Zuweilen zwang sie dieselbe, di« Essen mtt ihr zu theilen. Ader Kella bat so sehr, ihre Stimme war so einschmeichenb, ihr Blick so zärtlich, daß die armen Eltern genöthigt waren, da« MittagSessen ihre« Tochter anzunehmen und sie forrgehen zu lassen. Der Ssolz des VatecS, der ehemals reich war, und die Resignation Kella'S verhinderten, daß man diesen Stand der Di^ge der Madame Cohen mittheilte. klebrigen« ist die Mstdthätigkeit der reichen Landbewohner sehr beschränkt und dir Nichte glaubte viel gerhan zu haben, indem sie Kella in ihrm Dienst nahm und ihr' gestattete von Zeit zu Zeit etwa« Sr^pe deck kranken Vater zu dringen, der,' wie sie Jedem b ei es hören wollte, sagte, eine lebenslängliche Pension von zehn Franc« monatlich von ihr erhielt. Wahrend de« Herbste« hatte Jäkel Kella mehrmals au« seiner Scheune gehen sehen und der alte Geizhal« war wüthend über die kleire Jüdin. „Ich werde ihr aüfpaffen," sagte er ganz taut, „und wehe ihr, wenn sie mllr Etwas entwendet." Seine Fxau und Lochter, welche die Hartherz^keit Jäkels kannten und viel Gutes über Kella gehört hatten, nahmen sich vor, die Muttermund die Tochter davon zu benachrichtigen: - - „Ach," rief diese au«, nachdem si, den beiden gutherzigen Frauen gedankt hatte, ,^ich kann meiner Tochter noch so viel verbieten, sich von Rüdin und Früchten zu nähren,- sie ist raub für meine Bitten; vielleicht giebt ihr eine gute Züchtigung die beste Lehre." Uno nachdem die arme Frau Maringrete und ihrer Mutter aufs Ausführlichste die wahre Ursache von Kella'« Gängen nach der Scheune Jäkels erklärt Hatte, fügte sie > hinzu: „Dies muß auf die eine oder andere Speise zu Ende kommen, denn mein Kind, da« sich für pnSbis-aufS Aeußerste aufopfert, r>ird sich zu Grunde richten und. den Beschwerden erliegen.'! Maringrete'S Mutter war.edenfalls leidend; feit sechs Monaten hatte sich ihr Uedel verschlimmert; aber obgleich

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