Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 7 (1860)
- Issue
- 11 (1860)
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 44 (sequence 4)
- Language
- German
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44 und seine Pfiffigkeit lber Schulden harte and seine Gläubiger agea die Haare auf seit Jahr und Tag handelte, <o brachten fein Frohsinn jede-mal bas Geschäft zu Stande, er, mehr alS er aufdringen konnte, waren dir Bauern. In einem Dorfe, wo er den Bar^em schon so viel ausgepumpt harr«, daß et ihnen zu dem Kopfe schuldig war, hatte er sich nicht sehen lassen. Endlich einmal brachten eS seine Geschäfte so mit. sich, baß er eine Reise unleraehnirn mußte, welche ihn gerade durch daS unselig« D;rf führte. Er hatte zwar keinen rochen Heller in der Tascheaderte mußte durch. Und wie er nun durch kam, wie bar wohl mancher'Mensch, aber solch sammenlr.ffcn von Umständen wie unserm Selig noch nie vorgekommen. in» Dorf kam, waren die Bauern , sammelt und erblickten ihn von fern, eilte itnn entgegen, und einige von »> ' „Na, der Selig ist doch ein ehrlicher immer, er bleibt uns nicht aus. I deuthür hinein. Bom^Sckrecken überwältigt, prallten die I riesigen Bauem zurück ^unb stießen einen lauten Schrei der Verwunderung aus, da sie den Knaben für den klein gewordenen Selig hielten. Von ihren Plätzen aufspringend warfen sie Tassen und Gläser auf die Erde, daß die Scherben aufflogen. Endlich wurde aber das Kind erkannt und erzählte nun, wie eS an den Faden gekommen fei. Da erst ging den abergläubischen Bauern ein Licht auf. Der Selig war fort; er kam auch nie wieder, und die Bauem mußten ' noch obendrein die ganze Zeche und die zerbrochenen Gefäße bezahlen. .Aorlsetzoag tolgk.) stng's ihm das Pech ein unglückliches Zulsie folgenden, waren Denn gerade alS er inter der Linde" ver- Ein ganzes Dutzend nm riefen vergnügt.: Mann; wir saglenS ,Za, lieben Leute,"" rief Selig, „„ich dringe Euch Euer Gelb. Es hat zwar lange gewährt, aber es ließ sich nickt früher thun. Jetzt lommr mit inS.Wirthöhau», da sllt Ihr erst einmal Einen trinken und alsdann Euer E eld m Empfang nehmen." " Wie gesagt, so gerhan. Z ir Bauern folgten dem Selig zum WirtdShause und waren wrgnügt — ihm aber war jetzt guter Rath theuer, und -ob zleich er scheinbar seine frohe Laune nicht verlor, war ihn« doch nicht wohl zu Mürbe. Ader nicht nur Liede, sondern auch. Noth macht erfinderisch. Und der Selig.batte bald das Rechte herauSgegrübelt.! v Ec ließ de« Lauern Schnaps. ^Dier in Fülle reichen, ließ Kaffee. Zucker, Butterdrvrchen iw Menge kommen, auch Käse, so viel Jeder wollte — kurz! ein wahrer Festmahl, und die Bauern jubelten durcheinander, daß der Lärm bis auf dH Straße drang. In Selig» Taschen war kein Pfennig. f Wie sie nun so im höchsten Iuprl waren, sagte Selig, dies fei ihm noch nicht genug, er wolle ihnen auch «in schönes Kunststück zeigen. „Sehr,^' sagte.er, und zeigte nach einer Ecke des Zimmer», woiel'st ein bisher unbeachtete- Mädchen am Spinnrad faß, , ich will den Faden vom Rade nehmen und langsam rückwätt zur Thür hinauogehn. Keiner von Euch darf ein Wort sprechen und Alle müßt -Ihr ruhig an Euem Plätzen bleien. Komm, ich nun wieder herein, so bin ich nicht größe alS ein' Kind." „Ja, ja," riefen Alle freudig, „„das wolen wir sehen."" Und der Celi/ rhal» auch. Wie er nu t hinäuskam, haue er gegen alle Erwartung Glück, denn ju t kam ein kleiner Knabe zum Hau» herein, welcher Schna »S holen wollte. Der Selig gab dem Kinde den Faden i« die Hand, und versprach ihm eine Kleinigkeit, wenn eS denselben so lang halten wolle, diS er «iederkäme. Da» slkind willigte ein; der Selig aber zum Hau» hinaus, üdtr Hecken und Mauern und — fort war er. Dem Kinde war nach langem dulb genssen. Den Faden in der C »r i o s a. Die „Köln. Zeit." theilt mit: Die Lehrer des erst ganz kürzlich gestifteten Gymnasium» in Pyritz (Pommernbeabsichtigten, einen wissen'chaftlichen Verein zu bilden, welcher vor dm Einwohnern jener Stadt, die sich dafür mterefsitten, regelmäßig Vorträge halten sollte. Auch ein Arzt erklärte sich bereit, oadei khäkig mitzuwirkcn; der Direktor dev Gymnasiums aber (früher in Wetzlarperhorrefcirle das ganze Projekt, aus keinem andern Grunde, wi, Prutz' Stettiner Montags-Zeitung erzählt, als — weil jener Arzt ein Jude fei. Der Verein kam nicht zu Stande. Da» Echo de la Marne erzählt folgenden Zug von dem jüngst verstorbenen Bischof von ChalonS. Einem armen Familienvater von EdalonS, welcher kein Mittel mehr sah, seine Kinder zu ernähren, wurde geratben, sich an den Bischof zu wenden. Er ging in den bischöflichen Palast, ttug dem Bischof stine Lage vor, und dieser behänbigte ihm IS Franc». — Der gewissenhafte Mann nahm das Geschenk nicht an, ebne vorher zu erklären, daß er ein Jude sei. — Der Bischof aber öffnete feine Bors, von Neuem und sagte: „Mein Freund, alle Menschen sind Kinder GokteS; ich gab Ihnen IS Franc» im Namen de» Sohnes, hier sind IS andere Franc» im Namen des VaterS." (Sollte das nicht erstürben sein?) Die israelitische Bibelanstalt. Die Spenden zur Herstellung und Verbreitung hebräischer und hebräisch-dmkscher Bibeln haben die Höbe von 4012 Thalern S^ Rgr. erreicht. , Allgemeine Zeitung de» Zu denk hum». Ro. I«». 1860. Lei reute Artikel: BZochenschau Holland.— Oesterreich».— Fraukreich. — Tie Reckte der Juden in Preußen Fons). — Die iiraeliritcke Bidelanstalk Zeitungsnachrichten: Deutschland: Hildesbcim, Ulm. Eßlingen. Preußen: Breslau, Berlin. Oefterreickischer Kaiserstaai: Pesth. Wien. Die Schwei;: Bern. Latten endlich die Gewand trat <« zur Slu-; Jährlich. 3 Tdaler, jnmtljfibrlfcfa' % Thaler. "&3T Zu bczirben durch jede» Postamt und jede Buchhandlung. fji’Hrlirfi X ‘Thitlrr V Tti.il«>. Berantwonlichcr Rekacceur: St. Näde. mi arr,er'< Bnchyaaruu,- i» veip»»g. - Ir»« vo, S. »revsi», >» reinig.