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Jüdisches Volksblatt · 1860-01-01 · 8 (1860) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
7 (1860)
Issue
8 (1860)
Date
1860-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdisches Bolksvlatt t ♦ r Reiehrung und Unterhaltung aus jüdischem HeKiete. Herausgegebeu von Rabbiner vr. Ludwig Philippsoll in Magdeburg. lNo. 8. 1860.] «o» Uri« 4eitf4rift eettrint »-««emtich (ine R»««kr. Preis de« v-brgaugt t Tblr. EijerlÄjähris 7 '£ Jtgr. »Oe BuLdanrlnngen. Pvftpmier | »nt Zeimng«ervedm»»e» nehme» Lestellnnse» an. [7. Jahrg. 1. Quartal] Die Juden in den Donaufürstenthümern. (Aus: „Lank und Leute in der Moldau und Walackei" von W. Derblich *). Die Bekenner des mosaischen Glaubens bilden in den beiden Fücstenthümern zwei durch Sprache, Abstammung, Sitten, Tracht, Charakter, Religlonsgedräuche und selbst durch den Typus von einander durchaus verschiedene Raren und rheilen sich in sogenannte spanisch« und polnische Juden. Die erstecen sind von der Türkei herübergekommen, wohin sie im 15 Jahrhunderte aus Portugal und Spanien vor den Verfolgungen Ferdinands und Jsadellens der Katholischen sich gefluchter harten. Sie haben ihren heimathlichen Dialekt und ihre ursprüngliche Aussprache des Hebräischen noch, behalten. In ihren Religionsgedräuchen und Ansichten gleichen sie vielfach .den Karaire». In großer Anzahl findet man sie in der Walachei, und in Bukarest besitzen sie mehrere Tempel. Sie sind durchgängig Handelsleute. Einige von ihnen besitzen bedeutend« Kapitalien. Alle aber genießen eines allgemeinen CreditS, ihrer kaufmännischen Reellität und ihres soliden GefchäfrswanbelS halber. In dieser Beziehung so wie nicht minder darin, daß sie sich von der Vermischung mit den Glaubensgenossen anderer Nationen fern halten, gleichen sie den Armeniern. Die Zahl der spanischen Juden — auch Franken genannt — dürfte sich auf etwa 3000 belaufen. In dedrulenderen Massen sind jedoch die polnischen Israeliten in der Walachei, nainentlich aber in der Moldau vertreten. Man nimmt an. daß sie etwa im vorigen Jahrhunderte aus Galizien und Deutschland hier eingewandect seien. Denn die Sage, daß schon nach Zerstörung Jerusalems die erste Niederlassung der Juden zu Tolnaez ober Romanatz in der Walachei •) Der Verfasser diele« Werkes, Herr I)r. Der dl ich, k.!. Regimenwarzt, gehört;u den )uden, die sich im italienischen Kriege ausgezeichnet baden. Bei Magenta gefangen, bat er auch wädrend seiner Gefangenslbaft treulich fernem Berufe als Arzt gelebt. Sr. Maj. der Datier verlieb ibm da« Ritterkreuz de« Franz - Josephordens, sowie feindlicherseits die Direktion de« Mailänder Militärspilal» St. Franzesco eine iebr ebrenvolle Zuschrift au idn richtete. Herr Vr. Der blich bat mehrere Jabre in den Donaufürstentbümern gelebt, und die Sitten, Gebrauche und Gewohnheiten , so wie die innern und äußern Zustände dieser Länder fiudirt; dabei bat er die Eharakteristik eine« jeden Stande« mit so freier, ofsener Sprache geschildert, daß sich sein Werk in den weitesten Kreisen Verbreitung verschaffte; und daher ich auch nicht zweifle, daß dieser Auszug, welcher die Zustande der dortige» Israeliten im Allgemeinen beschreibt, einen Play in Ihrem hochgeschätzten, weitverbreiteten Blatte finden wird. . Der Einsender. gegründet worden, düvfte sich wohl'schwerer beweisen lassen. Ebenso unbegründet ist die Ansicht Daillants, welcher in ihnen die Avaren erkennen will, die im 8. Jahrhunderte sich zum MosaismuS bekehrten. Herrn v. Neigebauer's Meinung theilend, glauben wir, daß der erste Beweggrund der Einwanderung der sogenannten polnischen Juden in der Furcht vor dem russischen und österreichischen Militärzwange gewesen sei; einen Zufluchtsort suchend, war diel.Moldau, ihrer Nähe und polizeilichen Freiheit wegen, daznigeschaffen, den annen Flüchtling aufzunehmm und zu bergen. Aller Wahrscheinlichkeit^nach fand dieser hier , schon feit lange innewohnende Glaubensgenossen, bei denen er Unterstützung und Schutz erhielt; aus Furcht vor Entdeckung nahm er ihre Tracht und Lebensart an, ward spater in ihre Familien ausgenommen und verschmolz mit denselben. Mit der vorschrettenden Eultur des Landes und dem dadurch erweck» ren Verkehr mir den benachbarten Ländern, wurden diese Einwanderungen, durch kommerziell« Verhältnisse bedingt, immer häufiger. Ja, diese Emigration hat noch nicht auf» gehört. Denn noch gegenwärtig strömen Tausend« von Israeliten aus dem östlichen Galizien,; namentlich aus Brody, hierher. Wie sehr diese Einwanderer die Schätze dieser gesegneten Provinz zu benützen,- den Handel zu beleben und auSzubreiten verstehen, beweist ihr stets wachsender Wohl» stand. Die meisten Juden,. etwa 100,000, leben in der Moldau. Jassy allein zählt ihrer bei 30,000. Sie de» fassen sich zum größte» Tdell mit dem Handel, man sieht sie aber auch fast alle Gewerbe treiben und das große Problem, sagt Neigebauer, das andere Staaten noch nicht gelöst, nämlich die Juden zu Handwerkern zu erziehen, ist in der Moldau (und auch in der Walachei) gelöst. Ein großer Theil' von hiesigen Juden lebt von seiner Hände Arbeit als Handwerker; Glaser, Tischler, Schneider, Schuster, Juweliere sind Juden. Der erste Siegelstecher der Residenzstadt Bukarest ist ein polnischer Jude, und die elegantesten Anzüge der Botinnen werden iyn nicht sonderlich reinen Israeliten verfertigt. In. Jassy, Bukarest, Galatz, Jbraila, Bvtufchan, Fokschan, Foltischan, Krajvva u. s. w. befinden sich bedeutende jüdische Handelshäuser und sogar Bankiers von großem Vermögen. Daniel, Hillel, Löbel, Mayers, Rothenberg, Neuscholz, Finkelstein und andere genießen bei den vornehmsten europäischen jGroßhändlern eines fast unumschränkten Eredits und zeichnen sich durch Ehrenhaftigkeit und ^Solidität aus. Es fehlt allerdings an untergeordneten Hau- Hylsleuten nicht, welche durch wiederholte Banquerotte reich w«chen. Doch sind dies auch hier die Juden nicht allein. 4-

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