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Jüdisches Volksblatt · 1860-01-01 · 4 (1860) · p. Seite 16

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
7 (1860)
Issue
4 (1860)
Date
1860-01-01
Page
Seite 16 (sequence 4)
Language
German
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16 kleinegeschlossene- Mauerwesk zu sehen, von dem im Wider: spruche mit seiner Grabstätte in Tiber»«, wohin Maimonideseine Leiche zu bringen befahl, gesagt'wird, daß er unter demselben begraben liege. Ebendaselbst befindet sich in einem hölzernen Schranke ein Manuskript, davon der Hand dederübmren Philosophen und Arzteherrübren soll. Leider bekamen wir es nicht zu sehen, um wenigstenden Titel angeden zu können. Der neunte Tag de- Monat- Ab ist in der Geschichte der Juden eia verhängnißvoller. Ewar ein 8. Ad, als der^ Vätern da- Gotte-urrheil verkündiget wurde, daß sie das gelobe« Land nicht betreten werden. An einem 8. Ab wurde der erste Tempel in Jerusalem und auch der zweite zerstört. Am 8- Ab fiel Betar, die letzte Festung Israel-, und wurde die Pflugschaar über die heilige Stadt gezogen und am 8. Ad wanderten die Juden au- Spanien in'- Exil. Der 8. Ab wird »on allen Juden der Erde, also von 5,000,-000 Menschen durch strenge- Hasten und durch Absingen von Klageliedern begangen. Wie lebendig und gewaltig finddie historischen Erinnerungen in einem Volke, daohne politische Einigung und über alle Erde zerstreut ein nationale- Trauerfest noch heutzutage nach zwei Jahrtausenden so allgemein feiert, wie in derersten Zeit nach der Vernichtung de- Tempel- und nach dem Verluste von Zion. 'Welche- Volk der Erde har eia gleichehistorische- Fest aufzuweiseni Wir sahen die Juden in Jerußrlem jeden Freilag an der allein noch stehen gebliebenen westlichen Umfang-mauer de- Tempelweinend und webksägead sich 'versammeln und um die Untergängen« Pracht und Macht trauern. Wie gewaltig muß der Schmerzen-ruf sein, wenn die fünftausend jüdischen Einwohner Jerusalem-, Greise, Männer, Weiber und Kinder baarfuß am 8. Ab dahin wallfahrten und ihre nie versiegten Klagelieder singen und weinen! Ich erlebte dm 8. Ad im alten Stlavmlande.Mi;raim. Ich forderte Mohammed Omer »uf, mich in da- Judenvierrel zu führen. Ec sah mich befremdet an und fragte: „Was willst du Herr! bei dm Gottverfluchten „ „ Ich will an dem beurigenj großen Trauerfeste mir meinen Brüdem zusammen sein."" Mohammed Omer sah mich erstaunt an, doch brachte ihn meine Bemerkung nicht in die geringste Verwirrung, er erwi,decke: „Erbut mir leid,!Herr? daß auch du verflucht bist von Mohammed, dem Propheten! Doch deine Seele hat sich stur verirrt in den Körper eine- Juden und sie wird sich beim jüngsten Gerichte noch zurecht finden und zum großen Propheten gelaugßn. Ich aber werde dich getreu geleiten, wohin du everlochgst, mein Herr!" Wir babm die mgm Gassen »ad Gäßchen Cairo'S geschildert; im Viertel, wohin wir ßetzt gelangten, sind die einander gegmüber stehenden Hauser so nahe an einander gerückt, daß meist nur ein« Person der anbem folgm kann. Da die Stockwerke Balkone habe», so sind diese am Dache der Häuser, so nab, zu einander geschoben, daß fi, kaum Licht in die Gäßchen herabfallen kftffen. Man schreitet auf diese Weise. fast im Dunkeln, dafür aber auch im Schatten, wabei der Tage-glut von großem Vortheile ist. Die Häuser waren alle geschlossen, wir begegneten keinem Einzigen ihrer Bewohner, die sich, weil der Morgen vorgerückt war, bereitin den Synagogen befanden. Endlich gelangten wir vor eine lange, hohe, von Alter und Vernachlässigung schmutzige Mauer, die keine Fenster zeigte und nur einen kleinen, schmalen, finstern Eingang hatte. Diesen durch traten wir in einen großen, viereckigen Hofraum, in dessen Mine, wie in den Moscheenvorhöfen sich ein Brunnen befindet, über den eine hohe Palme ihren riesigen Blätterfächer hält. Eine große Anzahl von Andächtigen saß in weiß-wollenen Mänteln auf der nackten Erde und betete. AuS diesem Hofraume gelangte ich erst durch ein« hohe Pforte in die Synagoge. Auch hier -saßen die Betenden in weißen wollenen Mänteln auf der nackten Erde, neigten und beugten sich und beteten, still die Lippen bewegend, während der Vorbeter an der Bunde-lade in eigentbümlicheo Rhythmen die Klagelieder sang. Notizen des Tages. In der „Gesetzgebenden Versammlung" vonFrankfurt am Main ist einmal wieder die bürgerliche Gleichstellung der Israeliten beantragt. In vielen Gemeinden ist in diesem Jabre da- Chanuta- Fest mit besonderen Feierlichkeiten in Schule und Synagoge gefeiert worden. Wir Heden die zu Kopenhagen und Horic rühmend hervor. Wir können under Hoffnung hingeben, daß die Propaganda fiir die Neubelebung diese- Festegrößere Fortschritte machen wird. Abermalist bei einer Neuwahl für dapreußische Ad-; geordnerenhauS ein Hauptführer der Junkerpartei, Herr v. Gerlach, durchgefallen. Die jüdischen Wahlmänner haben » dabei wacker geholfen, indem sie, trotz angewandter UeberredungS- und anderer Gründe Mann für Mann bei der Wahl erschienen und gegen v. Gerlach stimmten. Nach der Angabe der öffentlichen Blätter ist der Pater, welcher die Enrferaung deS Knaben Mortara aus dem Haufe seiner Eltern nach Rom geleitet hat, wegen Kinderraubes bei dem Gerichtshof zu Bologna angeklagt und zur Haft gebracht worden. Die israelitische Bibclanftalt. Die Spenden zur Herstellung und Verbreitung hebräischer und hebräisch-deutscher Bibeln haben die Höhe von 3478 Thalern erreicht. Allgemeine Zeitung des Iudentbum». No. 3. 1360. Leitende Artikel: Zwei Wendepunkte. — Noch einmal der Breslauer Kreistag. — Die iiraeliri'chc Bidelanstalt - Literarischer Wochenbericht. ZeitungSnachrubten: ^Deutichlaud: München, «Lastet, Dannstadl, Leipzig. Preußen: Magdeburg, Berlin, au» dem Posenichcn. Oesterreichischer Kaiserstaat: Leniderg. Holland: Zwolle, Leeuwarden. Zealien: Reggio. Zu beziehen durch jede« Postamt und jede Buchhandlung. Iädrlich 3 Tbaker, vierteljährlich % Tbaler. Berantwvrtlicher Redacteur: St. Nabe. 8<tU« vea S is 2ei»;iz. 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