Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 7 (1860)
- Issue
- 3 (1860)
- Date
- 1860-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Jüdisches Volksblatt. Zur Ketthrung und Untel-Hattung auf jüdischem stebiele. Herausgegeben von ' I. ' Rabbiner vr. Ludwig Philippfon in Magdeburg. r tri- •) U)/>A 1 ^ou cici^t rfritjrijrm rri'tbcint ircdjcmli* rinc Nummrr. Preis dc, Na^r rm, . - , . , ViO. Q. loOlM flnnw 1 Iblt. »tinteljäbrU 7 %r. Nile «uchbanrlungen. PostLrer /. HüNkÜ. 1 OUSktSl.1 >- * und Zenungserpeemvaen uri'mr» Äeftrllungcn an. L “ > * J Die Akcdiatisirung und die Hochzeit. Eine wabre Begebenbeil, nacberzäblk von Alexander Cllässer. Wenn die französische Sraarsumwälzung Ausgangs dcs vorigen Jahrhunderts alle staatlichen Verhältnisse umgestaltet har und darüber, je nachdem die Betroffenen Nutzen daraus zogen, oder in Rechten.verletzt wurden, Freude unö Verdruß sich kundgaben, so hat ein Jsraelite in einer schwäbischen Gemeinde vollen Grund gehabt, mit der Auflösung des deutschen Reichs und der Mediatisirung seines Grundherrn zufrieden zu lein. In einer größeren jüdischen Gemeinde Oderschwabens letzte ein achtbarer jüdischer Jüngling, er trug einen biblischen Namen, denn damals schämte sick) der Jude der Namen feinet Altvordern nicht und man halte nicht, wie jetzt, die Namen der Sprößlinge JakodS in germanischheidnische Götter, oder christliche Heilige umgewandelt, unter dem-Namen Abraham war derselbe allenthalben geachtet. Sein Geschäft als Pferdehändler führte er mit vieler Umsicht und war besonders wegen seiner Ehrlichkeit im Handel geschätzt. Auch unter tzen Glaubensgenoffen in der eignen Gemeinde war Abrahamgeliebt, und jeder Familienvater hätte eS sich zur Ehre angerechnet, ihn alS Schwiegersohn einzuthun. Allein Abraham, der durch seinen Pferdehandrl sich einiges Vermögen erworben hatte, suchte nicht eine Convenienzehe, die ihn bereichert hätte, sondern folgte dem Zuge seines Herzen- und verlobte sich mit einem minder bemittelten, tugendhaften Mädchen seiner Heimathgemeinde. Wer war glücklicher alS die holde Braut, da man den Schild Davids in die Mitte deS StubenhobenS mit Kreide zeichnete und vor den zahlreichen Gasten, die die Verlobungsfeier verherrlichen sollten, eine fein bemalte Porcelain-Tasse in diesen Davidsschild warf, daß fie in Scherben zerstob; diese Scherben waren damals die Verlobungskarten, denn sie wurden unter den besten Freunden und Gespielinnen vertheilr und wurden zugleich als Talismane betrachtet, die dem Besitzer oder der Besitzerin einen Gesponsert oder eine Braut verschafften. In die Verlobungspacttn wurde auch die Bestimmung gesetzt, daß Abraham seine Braut vom Verlobungstage an über ein Jahr nach Gesetz MoseS und Israel unter den Trauhimmel führen werbe und sie, die Braut, den Ehering von ihm annehme. DaS hätten nun beide gerne, Braut und Bräutigam, nach Abfluß eines Jahregerhan, aber Abraham bekam den Schutz nicht und somit konnte die Bestimmung vom Hochzeitmachen in den DerlobungSpacten nicht aufrecht erhalten werden. Die landesherrlichen HoheitSrechte in jener Gemeinde übten nämlich zwei Barone der älteren und jüngeren AdelSfamilie aus. Herr von N. jüngere Linie durch yislstitlge Bildung ausgezeichnet,! in diplomatischen Missionen vom bayrischen Hofe oft verwendet, hatte den humanen Geist des neuen Jahrhunderts in sich ausgenommen und war feinen Grundholden ein milder Herr. So legte er auch den Juden, wenn sie die Mittel zur Begründung eines eignen Hausstandes m chweiftn konnten, kein Hinderniß in den Weg und verlieh ihnen gerne den",,Schutz", d. h. die Erlaubmß zur ehliciien Niederlassung. Anders aber war fein Detter Äerr v. N. oltey Lime gesinnt, nie hatte dieser der Väter Burg auf längere Dauer verlassen, ganz in den Borurtkeilcn seines S'andeS erjogen, erbost über öle gewaltsame Umgestattun, der politischen Verhältnisse durch die. französische Revolution, eifersüchtig auf die Ausübung seiner Souverainerät, regierte er in seiner Baronie als unumschränkter Herrscher und stellte den Reformen seine- Detterein eigensinniges Festhalten am alten Brauch und Her-, kommen entgegen. Die festgesetzte Zakl der Matrikel für di« schutzbesohlen^n Juden war längst übe-schritte«, Bacon N. j. L. gewährte gerne neue, denn durcH sie wurden die jährlichen Revenüen der freiherrlichen Domnine vermehrt: Baron R. ä. L. aber wollte keinem Juden t>lte Niederlassung mehr gestatten, bis sich die Familienzahl der angesessenen Juden auf die alte normalmäßige Zahl wieder vermindert hätte. — Abraham, der glückliche Bräutigam, sollte.tzie Wonnen dieseseligen Standes längere Zeit genießen, denn obschon er dem Baron' N. ä. L. seinen Bedarf an Pferden lieferte' und er in dessen Gunst stand, so verweigerte der souveraine Herr Baron ä. L. ihm den Schutzbkief. Ein Jahrzehent war so abgelaufen, die Rosen auf den Wangen der Braut begannen zu welken. die schwarten Haare des Bräutigams waren mit einem „Weiß!" durchsprenkelt, daß sie jener bunten Farbe glichen, die man im Schwabenlande „Salz und Pfeffer" nennt, und die Hoffnung des Paares, unter dem Trauhimmel sich bergen zu jkönnfn,' schwand immer mehr und mehr, denn nicht durch Bitten noch durch Gold war der aristokratische Starrsinns deeuren Schutzherrn zu brechen. Einst kehrte Abraham an einem Freitag Nachmittage von seinen HandelSgeschrfteN nach Hause, die Koppel Pferde, die er am Montag rrit seinem Knechte fortgerinen, war verkauft, der mit blanken Kronenthalern gefüllte Mantelsack war hinten am Sattel aufgepackt und Abraham munterte den Knecht, der neben ihm ritt, zur Eile auf, denn der Sabbakh brannte ihn ^uf den Rücken und noch waren sie