Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 7 (1860)
- Issue
- 2 (1860)
- Date
- 1860-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Jüdisch es Volksblatt. Zur "7 .Befefjrimg un& Anterhattung auf jüdischem HeKieie. Herausgegeben von! Rabbiner vr. Ludwig Phili-Pfou in Magdeburg. INo. 2. 1860.] Boa dieser jritfArif: erscheint wöchentlich eine Nummer. Pr eide- Jahrgangs t Ihlr. Vierteljährig 7 % Rgr. Alle Buchhandlungen. Postämter und ZeiiungSexvevitionca nehmen BestrUungen an. [7. IaKrg. 1. Quartal.] Der Communismus in einer alten Zeit und der Widerstand der Juden gegen denselben. Wer erinnert sich nicht noch auS den Jahren vor 1848 und während desselben jener aberwitzigen Lehren und Bestrebungen des CoMmunismuS, die seitdem Gott sei Dank! verschwunden sind! Aber es giedr nichts Neues unter der Sonne! Es finden sich in älterer Zeit öfter Spuren gleicher Verirrungen. Eine solche und den Widerstand, welchen die Juden ihr leisteten, erzählt au« der Geschichte der Neuperser der I)r. Grätz in seinem, durch däS Institut /.zur Forderung der israelitischen Literatur" in diesem Jahre herausgegebenen, und bald versandt werdenden fünften Bande seiner „Geschichte der Juden" folgendermaßen: In Persien regierte nach Firuz der König Kobad, ein schwacher König nicht ohne gute Eigenschaften, brr sich aber von einem Fanatiker al- Werkzeug gebrauchen und zu Religionsverfolgungen hinreißrn ließ. Unter diesem König trat nämlich ein Mann auf, der die Lichtreligion d» Magier reformiren und sie zur herrschenden machen wollte. Mazdak -— so hieß dieser Reformator deS MagienhumS — glaubte das Mittel gefunden zu haben, wie der verheißene Sieg des Lichtes über die Finsterniß, des Ocmuz über Ahriman, gefördert werden könne. Habsucht nach Gütern. Begierde nach fremden. Frauen betrachtete er als die Quelle alles Uebels unter den Menschen. Diese wollte er beseitigt wissen und Gemeinschaft der Güter und det Frauen einführen; selbst unter Blutsverwandten gestattete er ehelichen Umgang. Auf dem Grunde kommunistischer Gleichheit könnte, nach Mazdak's Ansicht, das Gebäude von AoroasterS Lehre am sichersten aufgeführl werden. Da Mazdak ein streng tugmdhaftes und asketisches Leben führte, und es ihm Ernst mit seiner Reformdestrebung war, so gewann er bald zahlreiche Anhänger (um 501), welche Gebrauch von dieser vortheilhaften Freiheit machten und sich Aendik nannten, als die wahren Bekenner des Aend (der Religion deS Lebens und bis Lichtes). Selbst der König Kobad wurde fein treuer ^Jünger und förderte Mazdak's Bestrebungen. Er. erließ einen Befehl, daß sämmtliche Bewohner des persischen Reiches dessen Lehre annehmen und danach handeln sollten. Die niedrigen Volksclassen geberdeten sich als die eifrigsten Aendik, eigneten sich die Güter der Reichen und die Frauen, die ihnen gefielen, an. Es entstand «ine Verwirrung der Begriffe von Recht und Unrecht, von Tugend und Laster, wie sie die Völkergeschichte noch nicht gesehen hat. Obwohl die persischen Großen den kommunistischen König entthronten und in denlKerker wgrfen.' so konnten sie doch nicht verhindern, alS Kobad aus dem Gefängniß befreit und mit Hilfe der Äunnen wieder in fein Reich eingesetzt worden war, daß Mazdak's Anhänger den Unftrg erneuerten, so daß viele während KodadS Regierung geborene Kinder ihre wahren Väter nicht kannten, und Niemand seine Besitztümer in Sicherheit genießen konnte. Mazdak's Communismus war nicht geeignkt, ihn den Völketn wünscheaswerth zu machen. Oer Unrerkönig Mondhir von Hira, in der Nähe Pumbäidita'S, -der sich nicht Mazdak's beglückenden Reformen anschließen wollte, mußte sein Land raumen, und Kobad fetzte einen andern arabischen Häuptling an seine Stelle sin. Die Juden und Christen blieben natürlich von der Plage des kommunistischen Schwindels nicht verschont, und wenn unter dem gesetzlich gewordenen Raube der Aendik nur Begüterte litten , so mußte die Gemeinschaft der Weiber Alle auf's empfindlichste treffen. Keuschheit und Heiligkeit der Ehe waren unter den Juden stets heimische Tugenden, welche durch die talruidische Lehre noch tiefer in'die Gemüther eingewurzelt' wurden. Sie konnten ihre Frauen und Jungfrauen nicht jeden Augenblick der Schändung ausgesetzt, die Fämilienre nheit, welche sie wie ihren Augapfel wahrten, besudelt seinen. Sie scheinen daher den. stechen Angriffen der Aendik auf' die Keuschheit bewaffneten Widerstand entgegengesetzt zy Haben, und ein Aufstand, den eine Quelle in diese Zeit versetzt, ist aller Wahrscheinlichkeit nach zur Abwehr des] unerträglichen CommuniSmu« organisict worden. Aq^der Spitze dieses Aufstandes stand der jugendlich« Edlarch Mar-Sutra IL, b* eine nicht gewöhnliche Erscheinung gewesen sein muß, da die Sage seine Geburt und Thaten mit wunderbaren Zützen ausgeschmückt hat. , Mar-Sutra (geb. um 496) war der Sohn jenes gelehrten Erilsfürsten Huna, der nach dem Tode des Tyrannen Firuz mit der Exilarchenwürde bekleidet wurde (488 — 508). Er war Heim Tode feines Vaters noch in zartem Knabenalter. Die Sage erzählt aber seine GeburtSgeschichte mit folgenden Zügen:. Der Erilaxch R. Huna von hochmüthigem Charakter hi in Streit mit seinem Schwiegervater Mar-Chanina gerathen und habe denselben, obwohl er zu den anerkannten Gelehrten gehörte, auf's empfindlichste bestraft, ßr habe ihn verurtheilt, eine ganze 3cht im Freien vo: dem Skadtthore zuzubringen und e verboten, ihm g »stfreuffblsthe Aufnahme zu gewähren. ir-Chanina habe «i gen der erlittenen Demüchigung einen Strom von Thränen vergossen, und in Folge dessen habe