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Jüdisches Volksblatt · 1859-01-01 · 53 (1859) · p. Seite 210

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
6 (1859)
Issue
53 (1859)
Date
1859-01-01
Page
Seite 210 (sequence 2)
Language
German
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210 tiefliegenden. unruhigen. Augen der Menge. Was. sollte auS diesen Frauen, diesen Kindern, diesen »reisen Eltern, diesen Brüdern und Schwestern. auS all diesen geliebten in den Synagogen eiugescklossenen. oder atzf den Posten der Ebre und der Hingebung wackbaltenden Menschen werden? Wobin man sich wandte, war» die Aussicht trübe, düster und der Tod zeigte sich in der fürchterlichsten Gestalt. -^Von Zeit zu Zeit überraschte inan sich über einen» undeutlichen Instinkt der Hoffnung, indem man die ungedeure.Linie des Horizonts ausrorschtei wo alsdann die letzte HeilsauSstcht der Belagerten wieder zu schwinden schien, und ryan dann, niedergebeugt unre< der Last einer neuen Täuschung, die brennenden und feuchten Blicke zum unermeßlichen und ewigen Mittelpunkt aller^ Hoffnung und alleS HeikS. zum Himmel emporsandte. Älber. ach, der Himmel-schien ebne Erbarmen! Hatte Gvtt denn seine Kinder verurtbeilt und die erhabene Ststnde, baue sie endlich geschlagen für diese so lang.e und so grausam geprüften Kamillen? Die Araber selbst glaupten dies, denn ne batten aut jeden neuen Angriff verachtet und sich begnügt, zu warten, wie der Löwe, rer sich ruhig am Fuße .ke§ BaumeS lagen, auf welchem der überraschte Reisende eine Zustucht gesucht bar! . . Fünf Monate waren verflossen. fünf Monate unbeschreiblicher Aengste und namenloser Leid«». als endlich eineS TaqeS,— eiueS in den oranesifchcn! Annalen ewig denkwürdigen Tages, am 13. Tecembrr +— man erfuhr, daß die Franzosen von Neuem zu Mcrs-eli K.'bir gelandet seien, llnd die» Mal mir der woblbegrbndeten Absicht, sich kort festzuseyen. Ein unermeßliches ^Freudettgeschrci erhob sich aus der Menge, die in einer-Iccunde von der äußersten Verzweiflung .;um Gipfel der Freude und des Glücks überging. Man lackte, man wcint^. man umarmte sich, und rief sich mit iincm prophetischen Entzücken einander zu: PZir sind gerettet! Gereuet, in rer Tbat. denn am folgenden 3. Januar dielt General Damr^'mont seinen Einzug in Oran. und der alte Hassan, der letzte Repräsentant der türkischen Herrschaft, ging inS Eril nach Smyrna.! wo er stärb. Uemqckiehrt. lGedichr in aumärkischem Diaikt. Rollo: Bet>I>eire»b- Berlac »i« link zicd. Ta« grLßtt r i£ ■t. Beikdeideudeit! uiät dei Ti,'«»« c i* rnbler Zeit Lkuck envisa>e. T is Middag un oll MoseS Abrabam Det ntt di Tisch. Re schöne SpickgauS^) fteiht. —r Dei ierst, dei ul den Rook**) Hernie kämen deiht — Bor em. as Joel Itzig *rinne kam: I ..Gun Morgen. Abrabam! Ich.wünsche woblgespeis'l. WoS äs? — Sieb doch einmol! — Wo daißt? Wobrbaft'gen Gon schon von die Gaus! Wo? Hast Dü die schon aus dem RaM heraus?" *) SpickgauS. geranchene Gänsebrust. Rook, Rauch. Oll Abrabam versiert*) sich niederträchtig. Dei Spickgaus schmeckt em doch rau prächtig. Hei null e ungiern wak von missen: Indessen güng dal roch »ich an. Hei müßt em nöbd'gcn: „„Jtumm! setz Dir heran! Perbier doch mol uu eß en Bissen!^" „Ai waih! Es tbur mer Leid; geessen hob ich schon; Ich komm von Moses Salomon. Wo ich geessen Eierkuchen." ..„Nu setz Dich bin! man blos um zu perbicren."" „Nu, da Du mir doch tbust so insinren, So will ick's doch einmol versuchen. En Bischen lutschen blos." Dei SvickgauS iS ok gratau saftig. Un in 'ue körte Tickt, »in Handümwenu. Lutscht hei die Spickgaus up von Ur tau Eine.**) ...,Das nennt er lutschen! Nu wohrbaftig!" " Seggt Abraham. ..„Nack diesem, sog ich Dir. Lutsch Du bei Salomon un eß bei mir."" *i versiert, erschrickt. **) Bon Ur tau Eine, von Anfang bis zu Ente. f Mancherlei von Albert Roscmbaum. Ein Jude, welcher sich dem Trünke ergeben batte, machte dadurch seiner Frau viel Bekümmerniß. Diese eilte nun oft zum Rabbinen, welcher den Trunkenbold auch jedesmal zur Besserung ermahnte. Als aber dessen Borstellungen und alle erfundenen Mittel nicht fruchten wollten, gerietben Verwandte auf die Idee, ein letztes Mittel, welches ibn auf immer schrecken sollte, zu versuchen. Das muß helfen, riefen fteudig schon Alle. Man kleidete ibm nämlich, als er wieder einmal stark berauscht war, seine Tvdtenklcider an, und legte ihn in einen Sarg im Keller. Es sollte ihm beim Erwachen scheinen, als wäre er gestorben. Um ibm seinen Tod reckt wahrscheinlich zu macken, ibn auch zugleich zu beobachten und ibm seinen Tod als Folge seines Lasters zu schildern, mußten »auch einige Andere, in ihre Todrenkleider gehüllt, sich bei seinen Sarg stellen. So lag er da einige Stunden. Endlich hatte er seinen Rausch verschlafen; er dehnte sich und — erwachte. „Wo bin ich?" fragte er den Nächsten, welcher bei ibm stand. — „3m Himmel", war die Antwort. ..Nun", sagte er, ..Ibr seid dock länger im Himmel als ich, könnt 3br nur nicht sagen, wo man hier guten Branntwein bekommt? Ich habe großen Durst." Allgemeine Zeitung des JudenthumS. No. 52. 1859. LeiteudeArtikel: Di« Presse. — Erinnnalstatistisches aus Preußen.—Bom Institute zur Förderung der israelitischen Literatur. - Die israellttscke Bidelanstalr. — Literarischer Wochenbericht. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Hannover. — Preußen: Berlin, Berlin, Eüstrin. Elberfeld. - Oefterreichischer Kaiserfiaat: Wien. Wien. Raab. — Frankreich: Paris. — Schweden: Goihenburg. — Dänemark: Kopenhagen..— Marokko: London. — Großbritannien: London. I Verantwortlicher Redacteur: K. Rabe. Verlag von DaumgLrtuär'« Buckbandlui» m — Druck oon Llrxauder Wied« in drip;^.

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