Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 6 (1859)
- Issue
- 52 (1859)
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 208 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 84% known words query
- IRI
…/4908862-5999350-6000951--1517-4910056- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
208 Ehrentempel von Alexander Elsaß« Der verehrte Redakteur dieser Bläser dar in einer Recension deS Wertbeim.er'schen Jahrbuchs in der ..Allg. Zrg. d. Iudentb." mir Reckt agerügt, daß der Ebrentempel für edle Christen, die durch!Beweise frommer Humanität gegen Israeliten fufi ausgezeiwnet, weggebliebcn sei: wir wollen denselben wieder in bitsen Spalten aufrfchren und beute einige Bausteine daz^ liefern.*) Iobanr; Friedrich OIberlin. Eines Morgenwar der fromme Prediger in seinem Srndirzimmer beschäftigt, da hörte er auf einmal einen gewaltigen Lärm im Dorfe. Er sieht «hinunter und bemerkt. wie der ganze Ort. Jung und Alk, binrer einem fremden hersckwärml. schmabet und >schreil, wie eine Kräbentckaar dinier einem am Tags b.erumstiegenden Schndu. Er eilt dinaus und fragt, waes-sei? „Ein Jude, ein Jude'/' run AlleS wild durcheinander. Lberlm vermag-nur mir Müde sich Gehör At verschaffen und zeigt den Schreiern ibr Unrecht, denn wenn diesem armen verfolgten Manne der Name „Christ" feble, so feble ihnen der rechte Heist de- Cbristentdums. &i nimmt. hierauf den Zwercksack des Iuren von testen Schulter und legt ibn aut seine eigne, tübn den Vert'o gten in sein HauS unk nötdigr ihn bei ihm zu übernach en. Ein Hausirjukc. der seit Zabren da» Steintbal besuchte .unk Waaren, zum Tbei! aus Borg, wtrkaufte, starb und hinrerließ seine Frau und Kinder in großer Armurh. Kauor ward Oberlin brervon benachrichtigt, so ließ er von der Witwe die Liste rer Schuldner in seil er Pfarrei, fordern, besorgte'die Einkasstrung und zablte ür die. welchen es unmöglich war die Schuld abzutragen. Ein anderes Mal war ein Iuve aif dem Gebirge-deS Steinib'rlS beraubt unk ermordet w rden. Dberlin be rablie jäbrlich der Witwe de- Ermorkeien — bis sie es dankend ablebnte — 50 Franken-, »li! im alten Bunde, 5. B. M. 21, man den Fluch eines Ertes, wo ein'Mord begangen worden, durch Opfergaben sühnen suchte, uns so gab erder dürftigen Witwe diese Unterstützung alS Sühne für fein Dort. i Der Ledensbeschreiber CbfilinS,! Friedrich Wilhelm Bokemann, erzäblt: Im Iabre 1832 barte in Güttingen, bei der Beerdigung sines angesehenen. gvttesfürchtigen Israeliten ein empörender Straßenlärir stattgesunden. Der allverebrte llniversitatSprcdiger, Ruperti, nabm daraus Veranlassung am darauffolgenden Ei nntage „Worte des Ernstes über die Pstichten, die uns! gegen fremde Glaubensgenosten obliegen" zu reden. Die Predigt, voll besonderer. aber noch mehr versteckter Beziebüngen aut den erwähnten Vorfall war zu Ende. u!id Gott weiß eS. ob und wie viel ne gezündet. Da iravm der Redner nochmals das Wort 7 „Ich bin nickt gewobnt, meme'-Kanzel- *) Wir ermuntern Herrn Ater. El'vßer nachdrücklich, recht fleißig viele solcher Bausteine beranzubrinäen, wir wollen sie gern baulich verwenden.! D. Red. reden in Rätbsel eiuzukleiven u. s. w." Und nun strafte er mit dem ganzen Ernste der zürnenden Liebe gebübrendermaßen den Frevel. „Als der Zeit des Paulus", fuhr er dann fort, „der berüchtigte große VolkSauflauf in der Stadt ausbrach, da trat doch der Kanzler, d. i. eine obrigkeitliche Person, unter das Volk unv besänftigte den Hauken, aber das har bei uns nicht staltgefnnden, und so ist — selbst bis jetzt noch ungestraft — eines der empörendsten Schauspiele eines sckanllosen ReligionsbasscS von Menschen, die Christen beißen, aber unendlich weniger Religion baben als der beerdigte Israelit, autgefübit worden. Ein anwesender höherer Polizeibeamrer fühlte die Anklage so schwer, wandte sich gegen seine Nachbarn um unv entschuldigte sich, indem er halblaut sagte: „Ich bin wahrhaftig nicht dabei gewesen." Analektcn von Alexander Elsaßer. Erste Eifersucht. Der erste Mensch weigerte sich vom Baun» der Er. kenntniß zu kosten und als Eva ibm durch Rebensatt die Sinne wirr zu machen suchte, weigerte er sich dennoch gegen daS göttliche Gebot zu handeln; da sprach das Weib: Du weißt, daß ich den Tod verschuldet und treust Tick, nach meinem Ableben, aut deine zweite Frau und Ada»^ — aß. _ Midrasch Rabba. Erster Hader. Kajin und Abel ibeilten unter stch die Erde, ersterer nabm alle liegende, letzterer die bewegliche Habe; da verfolgte Kajin seinen Bruder und wo dieser wandelte, verjagte ihn jener, denn er wollte ihm keinen Fußbreit Boden gönnen und zuletzt erschlug er ihn. Darum war auch seine Strafe so gerecht; stuftet und ftüchtig mußte er berumirren und keine Sckollc war mebr sein eigen, Midrasch Rabba. Mancherlei von Albert Rosenbaum. Ein Pferdehändler bot einem Juden einen magern Gaul zum Kaute an. „Euer Gaul ist mir zu fromm", sagte dieser, „er har „Makkcs" und „TbaaniS" geleint. Allgemeine ZeirungdeS Iudcntbums. Ro. 51. 1859. LeitendeArtilel: Die Presse. — Tic Bildung einer Centralinstan; für die - israelitischen Gemeinden der Nordamerika ni'chen Beremiglen Staaten. — Die israelitische Bibelanstalr. — Literarischer Wochenbericht. Zeitungsnachrichten: Dculschlanb: Aus Württemberg, Desiau — Preußen: Aachen. Ceftemttbifdj« Kailersiaat: Wien / Pestb. Pra^, Szarvas. — Marokko: Gibraltar, London. — Donaufürstenthumer: Bukarest. — Holland: Amsterdam. Zu beziehen durch jedes Postamt und jede Bnchbanblung. Jährlich 3 Thaler, vierreljäbrlich * 4 Dhaler. | Verantwortlicher Redacteur: K. Nabe. tf<rUa von -BannaäktRet’f Vachdandlsnq in — Drv«k von Alexander Diede in Leipzig.