Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 6 (1859)
- Issue
- 48 (1859)
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 194 (sequence 6)
- Language
- German
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196 Luch dienen beide —..die Zeder mit der Salme — in Betracht, wie sie einen gleichen» schlanken, geraden Wuchs baben, ihren Schatten weithin verbreiten. ihre Richtung gegen den Himmel nehmen — als Bild des Strebens deS Gerechten, dessen Wandel gerade, de^en HerzenSricktung der Hinimel ist und dessen Lohn zwar fern, aber sicher zu erwarten ist.*) Am schönsten fallen die Bilder aus in der Sombolisirung der am Laubbüttenfeste zum Feststrauß gebrauchten vier Gattungen: die Fruckl des Baumes Hadar, die Pilmzweige, die Myrte und die Bachweide, wo .sie bald als Bilder der verschiedenen Klaffen in Israel gebraucht werden, wie sie nur in einem Bundck-^usammen ihre gegenseitige Ergänzung finden, können.**) bald alS eine Personificirung der göttlichen, dem Menschen sich offenbarenden Eigenschaften, deS Wirkens der Stammväter und Stammmütter, der gegenseitigen Ergänzung der im Synbedrium (siehe den Artikel) sitzenden Mitglieder.***) Wie sie diese Bilder als Anknüpfungspunkte für gewisse Lehren und Wabrheiten, die den Menschen in^ Allgemeinen betrafen, gebrauchten, darüber lassen wir jetzt frn zweiten Theil des Artikels folgen. DaS sichtbare Walten der göttliche» Fürsorge, unser Derhältniß zu ibr, die Thaten und der zu erwartende Lohn deS Gerechten, wohin uuS das starrsinnige Beharren in der Sünde führt.« wie wir selbst die Ursache unseres Untergangs werden, daß nur der Niedrige und Tharenlofe sich gern erhebt und über Andere glänzen will u. s. w.. daß aber alle Klassen in der menschlichen Gesellschaft bei der noch so sehr auffallenden Verschiedenheit, durch Eintracht im Ganzen ihre gegenseitige Ergänzung sinden — und. alle zur Erhebung und Verschönerung ver Schöpfung beitragen — dieses und noch mehr sind im Allgemeinen die Lehren, die unS hier auf eine sehr erbauliche Weife vorgeführt werden. Das Lied, so sprechen sie, VaS alle Baume deS Feldes Gott entgegenjauchzen, lautet: ES jauchzen alle Bäume deS Waldes — vor dem Ewigen, denn kommt, die Erde zu rickren, er richtet die Welt nach G-rechtigkeit, die Völker nach seiner Treue (Psalm 96. 12. 13)****) Die vier Gattungen der Bäume in dem Festsirauß am Laubhüttenfeste (3. M. 23. 35. 36) sind, so heißt eS, Dilver der sichtbaren göttlichen Fürsorge. Die Frucht deS Baumes Hadar (Majestät ist ein Bild der Majestät Gottes nach den Worten: Huld und Majestät ist Dein Gewand! (Psalm. 104)); die Palmzweige deuten auf Gott bin. denn also heißt eS: der Gerechte grünt wie die Palmen (Psalm. 92, 13); die Myrtenzweige — auf die Offenbarung der rettenden göttlichen Erscheinung nach den-Worten: und er stand;wische» den Myrten — die Erlösung verkündend (ZachariaS 1, 8) — die Bachweide — auf die herablassende Würde Gottes, wie er sich des Niedrigen anuimmt, denn also beißt eS: machet ihm Bahn, der durch die Einöde führt. (Psalm. 68, 5)t) Ebenso sollen nach ihnen diese vier *) Midr. r. 1. M. Abschn. 47. **) Midr. T. 3. M. Abschn. 30 und Succoth Abschn. 3. ***) Daselbst. ****) Perek-schira. +) Midr. r. 3. M. Abschn. 30. Baumgattungen in dem Feststrauß die Bezeichnung unseres Verhältnisses zu Gott andeuten. Der Palmenzweig in seinem geraden schlanken WuchS ist daS Bild deS RückgratdeS Menschen; die Myrte daS deS AugeS; die Bachwe^ide daS der Lippe; die Frucht Ethrog das deS Herzens. Diese vier alS die Bezeichnung der vier Haupttheile am Menschen sollen alS Feststrauß Gott ge» weiht werden — das ist die Lehre, wie der Mensch im Ganzen ein Lob GotteS werden soll nach den Worten: alle meine Glieder sprechen: Ewiger, wer ist wie Du! (Psalm 35. 10.)*) «Schluß letzt.) •' *) Tanchuma S. 164 zu: T'SN und Midr. r. 3. M. Abschn. 30. Notizen des Tages.; Zu Ostern wird in Sta dt old en d orf (Braunschweig) ein landwirthschastlicheS Institut für Juden errichtet werden. In Preußen sind bereits an mehreren Orten Juden theilS zu Schulzen erwählt worden, theils haben sie Lehnschulzämter übernommen, und sind von der Regierung darin bestätigt worden. Man hofft die Zeit nicht fern, wo ein Jude auch zum Landrath erwählt wird, wenn er die nötbige Qualifikation besitzt. Der Großherzog von Mecklenburg Schwerin hat einem Juden in Sternberg wegen seines tbäügen. uner. j schrockenrn und unermüdlichen Wirkenwährend der dort > vor Kurzem furchtbar wülhenben Cholera die silberne Medaille für „Verdienst um daS Vaterland" am Bande ' verliehen. Der gedachte Jude ist Kaufmann. Aphorismen von David Wahl in Eoblenz. Das Pbilisterthum ist so alt, wie die Welt; überall war eS der schmutzige Niederschlag der gährenden Volksbildung; daher klebt eS am Alten und ist blind für daS gewonnene Lickt der Gegenwart; denn feine Logik ist die Herkömmlichkeit und sein Gedankenvorrath eine Rüstkammer abgenutzter Waffenstück«; der Vorzeit. Und so ist auch der unselige Judenhaß in seiner ganzen Ausdehnung nur ein Ausfluß der philisterhaften Natur, und nur aut diesen: Boden konnte eine solche Giftpflanze am üppigsten uufschießcn. Allgemeine Zeitung des Judenthums. No. 46. 1659. LeitendeArtikrl: Oesterreichischer Kaiserstaat. — Türkei. — Einiges über die Stellung der Juden im preußischen Unterricht-wesen. (Schluß.) — Literarischer Wochenbericht. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Dresden. — Preußen Magdeburg, aus Westphalen. — Oesterreichischer Kaiserstaat: Wien, Raab. Prag, Lemberg, Tescheu. — Großbritannien: London, Magdeburg. — Rußland: Warschau. — Marokko: Gibraltar. fy Zu beziehen du(ch jedes Postamt und jede Buchhandlung. Jährlich 3 Tdaler, vierteljährlich */« Thal«. Verantwortlicher Redakteur: K. Rabe. vertag von DaomqLrtner'I v»»haudl»ag i» Leipzig. — Druck von »texasder Wiebe i» Seiptlg.