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Jüdisches Volksblatt · 1859-01-01 · 48 (1859) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
6 (1859)
Issue
48 (1859)
Date
1859-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdisches VollMatt. 3ut i '■ L Retehrung und Anterhattung auf jüdischem Gebiete. HeravSgegebeu von Rabbiner Dr. Ludwig Philippfon in Magdeburg. «e~\ 1 Bob dieser Zeitschrift «rschri»t wkcheiiMch eiBe Rom»er. Keil bei» Jahr« rn c. , * , ,i Mo. 48.18»9.] --- ■»«, f;s&ÄS%SSSt ■ ®7|lä*'" I6- ^ahr5f- 4- ^uar,a1-] Chanukka oder Weihnachten? tPl'r brauchen eS nickt hervorzuheben. daß an der soeben vorübergegangenen Schillerfeier unsere Glaubensgenossen aller Orten den allgemeinsten und thätigsten Antheil genommen. Es war dieein deutsch nationale- Fest, und zur Mitfeier eines solcken ist der Jude ganz besonders berufen. Alle nationalen und politischen Feste sind dem Juden. aiS Glied deS VvikrS, dem er angrbört, ebenso bedeutungS- und weihevoll, wie feinem ckristlicken Mitbürger. Anders aber verhält eS sich mit religiösen Festen» So wenig wie eS den» Christen einfallen kann, ein rein jüdisch-religiöses Fest, wir Peßack, Suceotb, Purim n. dgl. mitzuseiern. ebenso wenig ist eS seitens deS Inden reckt und würdig, christlich religiöse Feste seinerseits zu feiern. Fa, genau genommen, noch weniger. Denn in den lüdifch-religiösen Festen, abgesehen von den rein historischen. liegt noch ein allgemein menschlicher Inhalt; die specifisch christlichen Feste aber enthalten specifisch christlicke Momente. Ihre Mitfeier kommt demnach einem Bekenntniß deS ChristenthumS sehr gleich, und, mag rieS daber der Jude wollen oder nicht, so lat dieses Mitfeiern früber oder später, namentlich auf die Jugend einen solchen Einfluß und Eindruck, daß daS Resultat mit der Zeit eben dahin führt. ES versteht sich, daß wir hier unter Mitfeier christlicher Feste nicht daS anständige Erscheinen in der Kleidung, nicht daS Unterlassen geräuschvoller Ar« beiten an christlichen Sonn- und Festtagen verstehen — diese» gebietet sich von selbst — wohl aber die festliche Feier im eigenen Hause. Am 20. Drcember Abendtritt das Chanukkafest ein, dieseewig denkwürdige Fest, welcheden Triumph Le- GlaubenSmutbeS über die weltliche Größe und Macht aueiner der glänzendsten Epochen unserer Gesckichte feiert, danicht etwa den Sieg heldenmüthiger Waffenthat, sondern die Obmachr des Geistes, infonderS des echten und «ufvpfernden Glaubenüber alle irdische Gewalt befaßt. Am Sonnabend Abend darauf tritt da- Weihnacht-fest ein. dies^vor allen christlichen Festen daspecifisch christlichste, da edie Geburt de- Stifterder ckristlicken Re. ligion feiert, da es mit dieser Geburt die ganze Reibe der christlichen Dogmen» verbindet, da eS mit dieser Geburt die Freude in allen Herzen, insondcrS in denen der Jugend entzünden will. Jbr jüdischen Familenvätcr und Familienmütter. werdet Ihr den Abend deS zwanzigsten oder devicrundzwanzigsten Drcemberin Euren Familien, mit Gaben und Geschenken an die Jugend, mit freudigen oder religiös gehobenen Gefühlen, werdet Ihr Chanukka oder Weihnachten feiern? Wird eS am jüdisch religiösen Feste in Euren Häusern still und gewöhnlich ohne Feier und Bewußtsein bleiben, aber am ckristlick religiösen Feste kommt Lichterglanz und Jubel in Eure Zimjner. Alleist festlich geschmückt. Allevoll Freude und.Glücke-, auf den Tischen prangen die Gaben, alle Gesichter sind voll Heiterkeit — schöne erhebende Stunden? Diese Frage richtet an Euch. So wie sie hier einfach und nqckt ausgestellt ist, so durchdenkt sie, und macht Euch ihren Inhalt klar, erwäget die Bedeutung und .die Folgen, und gebet Euch Antwort. DaS LesteReceptzurDersorgmigderKinder.*) [ In einem galizischen Städtchen lebte ein schlichter Jude in1 dem Geleise seiner Väter und auf dem vertrautesten Fuße mit dem lieben Gott. Er kannte aufgenaueste die Gewohnheiten desselben, als wäre er i« Hausender himmlischen Heersckaaren ein. und au-gegangen. Er wußte ganz genau Tag und Stunde, wann der liebe Gott die Schicksale der Menschen niederschreibt; wann er dieselben revidirt und schließlich besiegelt, woher denn auck. — wir können unserem philologischen Stolze diese Bemerkung nicht versagen — die Früse stammt: „er ist petschirt." An diesen wichtigen Tagen suchte sich Herr Jsak. wie wir unseren Jude« nennen wollen, in die ganz besondere Gunst delieben Gottezu setzen, denn er war ein gar gescheidter Mann. Jsak war gelehrter al- Humboldt, denn er hatte den ganzen Talmud „im kleinen Finger", während für den preußischen Gelehrten dieser Sckatz von Wissen und Scharffnn immer ein Geheimniß geblieben ist. Jsak war auch weis,, wie Salomb; efehlte ihm nichtaldie Cedern dc- Libanon und daS betreffende - Gold und er hätte dem Herrn wie jener orientalische König einen Tempel zu bauen verstanden tn Brvdy oder in Lemberg. Auch um die weisen ..Sprückc Salomov" wäre er keinen Augenblick lang in Verlegenheit gewesen; er härte dieselbe^. selbst wenn man ihn tim Mitternacht ouS dem tiefsten Schlafe geweckt, nitderschrciben können. Indessen, wenn der Mensch Pech hat. biln alle Ge-- lehrsamkeit, alle Weisheit und alle Hobe Courier^« nickt- *) AuS dem Fortschritt' Ni. 16P.

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