Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 6 (1859)
- Issue
- 47 (1859)
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 187 (sequence 3)
- Language
- German
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187 Und uns, den Knaben, stand es schicklich an. Die seltne, heitre Stimmung zu befördern! So, wenn am Schlüsse deö HosannatagS Mil kahlen Weidenstrünken wir unS warfen; So, wenn an» großen Sühntag wir hinauf Zum Chär der Frauen durften, um zu fragen. Wie Mutter. Tante. Großmama gefastet; So, »venu mir ohrzerreißentem Geschrei llnv falschbetonend Dieser oder Jener Sein Stück Gebet radbr.cherisch zerfleischte; Tann standen wir unv lauerten ihm auf Und kicherten, und floh'n, wenn er uns drohte. Denn nicht rin fremdes Wesen war drcS Haus unS, Nein, unsre »oariuste traute Balerheimath, Wo wir ein reichbewcgtes Leben führten, Ob auch nicht sterS nach ernster Anstandsregel. Sonst aber herrschte seierliche Strenge: j Es dürft' am Sabbath ein Familienhaupt I I»t schwarzem Kleid unv Schuhen nur erscheinen. Mit kunstlos kräft'gen Tönen drang ins Herz Der"Canlor, vom DiScant und Daß begleitet; Und an der Buße Tagen stoffen Thranen . j Selbst aus der Kinder Äug', und tiefeS Weh Durchzuckte stlbst der muntern Jugend Brust. Ja, damals floß der Andacht Strom ergiebig. Ihn konitle Nichts in seiner Fülle stören, I Selbst nicht, »renn bei dem häßlichen Versteigern | Der Ehrendienste, böse L ideuschaflen, | Wenn N.io und Stolz und Geiz das Haupt erhoben; Und auch unS Kinder riß er mit stch fort. Oft aber staunten angereiste Gäste, Fremdländische Besucher, stumm wir an. l So liegt cS mit noch heut' in der Erinn'rung, Wie einst ein hoher Mann mit greisem Bart, In orientalisch-farbenreichen Kleidern Und seidnem shawl-umwundiiem reichein Turban, j In sremden Lauten den Propheten las. Und schell wir ailS der Ferne ihn begafften.; Er aber winkte uns heran und legte . | Aufs Haupt uns seine Hand; — ich sage Dir: j Drei Tage noch vermochte von uns Keiner e Ein spaßhaft trotzig Wort bervorzubringcn! j Es war ein Sentlmg auS Jerusalcnl.! Der Stadt, von der ste ewig ewig singen Die alten Lieder voller Schmerz und Hoffnung, j Der fernen Stadt, die unsres Geistes Auge! In ahnungsvoller Henliskeit erblickte, , AIS ein unendlich, kaum erreichbar Gut — — 1 — Und hier erschien ein Mann, der dort alltäglich Gewandelt und gegessen und geschlafen, Gebetet hakte »mb studirt — ein Lebender! — Ein andermal erschien ein Offleirr, -Ein hoher Herr aus Bonapartens Heere. Den Sabel halt' er draußen abgeschnallt Und kam ganz still herein und setzte sich Unv winkte ab, als man ihn ehren »vollte. j -Am Schluffe bat er dann um einen Kaddisch:! ..Ich habe Jahrzeit", sprach er, „und seit lange i ..War ich an diesem Tag nicht unter Juden!" — Beim Ausgang drängten »vir uns um ihn her,! Und er berichtete die Wulldermähre:! d:p Ul,d un > d. di: aU, Wie dort in seinrq» Sei zwischen Jud' Den Kräften, die Frei Folge gebe, Als ffilchler der, Er sei nun Kriegs Zuerst gerufen, Weil er gefühlt. Wir hauen lange Wie feiner Epautett Wie auf dem blau Wie unter seinem Wie. demuihvoll Und Alles dies ci> Es war unS neu,' Doch frerlich, wem^ Da lergtei» selber Und ihre Härten Sic'wnrden vor d Zliin ernsten Gang Im fremden^ Krieg Denn, wenn der \ Wir haßten dennoch Und lubclren mit LllS endlich ^ie O Und fühlten-der Nur fö, wie. eines Die bald vorudrrzi Die »vir begruben Wir riefen ihnen Auf eine kurze Hinaus zu euren In ein bcsrcilcs. Die Stunde schlug Tie rreiße Fahne Da unser Herz! Begingen wir die Doch bald darauf In diesen Monden Wir Juda's schwarz In diesem Haüö, Das» Nothg.-het-;,o Zuu, Ab.-nd» uud Ä >', und wir Du hast esw Das jäbrlich hier DcS Henkeltöp Dir hat eS.noch Wie damals über Das Schwert gcsch — So »var^ste w Wie es der Christ n Daß ein Gespenst Und Mensche» wü Sie ging vorüber Bon fernen Zoncr Zrr uns nickt Sieh', heul' erwe Vor »»»einem Aug' ') L730., Be Zc r L> dach e fch selten »ackc Land kein Unterschied und Christ, ja, wie der Jude i^ seinem Innern lebe»», als Zimmermerstrr, der als Steuermann, uann, den die Bürgerpflicht der es gchlieben, zu sei er geboren, -r- »och von ihm zu reden: — en Gold geglänzt, en Heli», der Adler drohe, Tritt die Sporen klirrten, Ordonnanz gewartet. Jud', der Kaddisch sagt! ren Alten wie den Jungen; c Jahre nur darauf vir die Conscriptio» Kennen. Unsre Knaben r Thora hier gesegnet auf Leben oder Todfür ungeliebte Herrscher. Fjranke uns auch Gleichheit brachte, Hamburgs Unterdrücker e-u andren Deutschen, choberschlacht rnlschi^d, läg'rung grause Schrecken UngewitterS Wuth, :hf. Die Todten da, uilter diesen Fenstern, leis' inS Ohr: es ist, ' f mit und ihr kommt ' Vätern, Müttern, Brüdern, nk. Und alS nun endlich und-drüben von dem Thllrme chehte —. o, wie jauchzte Kit welchem Hochgefühl _ deutsche Siegesfeier! — — -_ — eS sind jetzt vierzig Jabre — 1 war'S — da bängten freilich e Traucrflagge anS indem wir Tag für Tag Hüter*Jsraels" zum Morgensegt,» f»'»gtc»! n an die alten Zeiten — >hl gehört, daS Klagelied, ertönte zum Gebachtniß - ens.^) Mein verstorbner Vater gehört von feinem Großabn, . aller Juden Haupt webt, -zehn Somnrertage lang, ieder da, die alte Schlange, . M'ährchen uns erzählen, auS seinem Grabe schleicht _ 1 flt doch lieber still davon! hier in diesen Landern; aber'dringt ja noch .»uisrer Brüder Nothschrei. — n alle diese Stunden die bösen nickt allein,