Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 6 (1859)
- Issue
- 47 (1859)
- Date
- 1859-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Jüdisches Volksblatt Z°r Lelehrung und Anteehaltung auf jüdischem Gebiete. ' Heraukgegeben vou Rabbiner vr. Ludwig Philippsou in Magdeburg. i »oa ttffft gd»f*rift erjchei,« wöchesllich ei», Preis de« Jahrrn A , . » lNo. 47.18»S 1 --- - [6. Mrz. 4. Quartel.] Die Bäume „ach den Lehren deS Talmud und Midrasch. Bon ve. I. Hamburger, Landrabbiuer in Streliy.*) Bäume CTW« rrcr«. . Die hieiher gehörenden Lehren. Sprüche und Gleichnisse der Hagada haben in ibren Schilderungen der Eigenschaften und Besch-,ffenbeit der Bäume nicht so sehr die lichtvollere und faßlichere Darstellung der zur Kenniniß dieser Abtheilung de- Pflanzenreichnotbwendigen Lehren zu ihrem Ziele, als vielmehr die Verbreitung der auö rer Betrachtung derselben sich unS ergebenden Wahrheiten zur erleuchtenden, edeln Erhebung unsere- Seelenleben-. ES sind diedie traulich stärkenden Stimmen, die der Unglückliche nach barten Prüfungen oft in den stillen, geheimen Gängen der Natur auf Berg und Tbal^ Feld und Flur lauschend anfsuckt. wo er, da- Geräusch und Treiben der ihm verhaßten Welt fliehend, nur von ihnen Trost und Beruhigung. Rath und Aufschluß, Mutb und Verjüngung erwartet. Nur da in der Fülle der großen, reichen Schöpfung, in der Mitte, wo da- Leben der Mil» lionen in bunter Mischung sich froh und freudig bewegt, soll die Tbräne fließen, um auf immer zu versiegen, der ' Seufzer ungestört sich ergießen, damit er ewig verstumme, damit der Mensch n,»gestärkt und qekräftigt zur frischen Thätigkeil erwache, ausgerüstet mit neuen Entschlüssen und Erwartungen muthig die Bahn einewirksamen, tbatenreichen LedenS wieder bctrrle. Die Bilder und Gestalten, die wir bier abwechselnd, verschieden und mannigfach in r dem harmonischen, majestätischen Selbstfrieden ihre- Wesenvor'unS sehen, di« Sprache, die schlichte und einfache, die wir da zu vernehmen glauben — sind die Stimmen, die vertraulichen Kceund«. Führer und Lebrer. durch die Gott in seiner weiten Schöpfung dem Gebeugten zu seiner Wiedererhebnng vätnlich die Hand reicht. O ei ist eine schöne Zeit, der Mensch ist nicht verloren, wenn dessen Gefühl die Empfänglichkeit für dal volle, reiche, dennoch nüchterne und einfache Naturleben nicht erstorben, wenn dessen Ange noch immer die vnsteckten Pfade einer hier thronenden Majestät zu entdecken versteht! Eine solche belebende und belehrende Wirderonfrichtung. wie sie un» der Schöpfer durch die Natur verkünde», ist e-, wahier *) Aue der bald zu erscheineaden Rral-Encyclopadie der Agada de« Talmud uud Midrasch von Vr. A. Hamburger, Landrabbiuer zn Strelitz (Mecklenburg). 5,13); ferner werden während dezweiten hcrvorgeboben. baß zum Gegenstand der Besprechung gemacht wird. Bereitin der Bibel treffen. wir eine große Reihe von Bildern, die der Redner der Natur entlehnt, um seinen Worten desto mehr Kraft und Nachdruck zn 'verleihen und ihnen da- Eindringen in de- Menschen ^erz zu sichern. So werden fast alle in Palästina bekannten Bäume in jeg-! lichcr Gestalt ihrer Wechselnden Erscheinungen bald aldrohenve und mahnende (Hosea 10. 1. Habakuk 3. 17), bald als Glück und Segen verheißende Bilder (Hos^a 14, 8. Psalm 128. 3) gebraucht; ja sogar einer Fabel, wo die Bäume mit einander sprechend austreten (Richter 9. 8). wird erwähnt. Ebenso wird Salomo während re» jüdischen Staat-leherjälsebr weise gerühmt, weil er über Bäume, Thiere sind Geflügel sprechen konnte (1. Könige Hillel »lnd R. Jochanan b. Sakai jüdischen Staat,- als au-gez,ichnet sie die geheimnisvollen Lehren der Narur zu entdecken perstanden.'') Auf gleiche Weise werden später: R. Ios^ia b. Ehanania, Bar-kappara, R. Metr u. a. tri. al» Naturkenner und Fabeldichter erwähnt.") So trrffcn wir in der Haqada einen ganzen Abschnitt unter beut Namen ,, P erek. S ch i ra^' — der die ganze Schöpft,n« mir dem All ibrer Wesen redend schildert, die fortwährend Gotte- Wei-beit, Gute, Gerechtigkeit, Fürsorge v. f. w. verkünden. (Siehe Sch bpfung.) Diese schon in der Bibel verkommende Anwendung der Naturbilver tritt hier bei.den Talmudlehrern viel größer und umfangreicher vor un-. Freier, selbstständiger und au-gebildeter sehen irlr sie in der Wahl, dem Gebrauch und der Anwendung derselben und kiese« war es. wie sie sich darin von vrril Lehrern in der Bibel unterschieden. Sie bedienten sich tjrt Naturbilder nicht blozur Anstellung eine- Vergleiche- oder zur deutlicher» Deradschau» lichung de- An-vruck- — wie diegrößtentbeils in der Bibel, wo die Fahel höchst selten vorkömmt, geschieht, sondern entlehnen dieselbe auch al- Anknüpfungspunkt verschiedener Sehren und Wahrheiten auf eine Weise, daß sie dieselbe bald als bloße Symbole, warnende Bilder eraber auch zu ganzen Gleichnissen."') bearbeitete». (Sie^eHagada.) Diese hier gesammelten Lehret», Bilder. Gleichnisse und Betrach. scheinen ließen, bald Fabeln.—)u.f.w *) Sopherim, Abjcha. 16. Siehe: 3L Hinkel uud Jochana« b. Sakai. **) Sieh« die Artikel der betreffeaden Käme«. ***) Siehe weiter unten den Artikel: Hazada. »***) Daselbst.