Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 6 (1859)
- Issue
- 41 (1859)
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 164 (sequence 4)
- Language
- German
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164 ..Sie also".- begann er endlick. „€we also sind der Mann, welcher einst als Knabe fernen unglücklichen Eltern geraubt wurde u,o ganz Israel mit Trauer erfüllte! Denn auch zu meinen Ohren drang damals jene Schreckens» künde! O Ewiger! Unsere Geoanken sind nicht deine Gedanken und deine Wege sind nicht unsere Wege. ES sei der Name GotteS gelobt von nun an biin Ewigkeit. Amen. — Ja. Sie sollen wieder dem Gotte-bnnde angebören, welcher bei Ihrer Geburt Sie ausgenommen batte. Aber bier in diesem Lande ist Ihnen dieser Rücktritt eine' Unmöglichkeit. Eilen Sie nach Hollands dort dürfe» Sie den Gott der Väter laut bekennen. An daS Rabbinat in Amsterdam, mit dessen Vorsitzendem ich schon längere Zeit in Briefwechsel stehe, gebe ich Ihnen ein ausführliche- Empfehlungsschreiben mit und von dorther berichten Sie mir. mit der Hülfe GotteS. Ihre glückliche Ankunft." Nob lange' sprachen die beiden Männer über die Wege GotteS und die Wege der Menschen, über Vergangenheit und Zukunft, biS endlich die Glocke dumpf verkündete. daß Mitternacht bereits eine Stunde vorüber sei und daß die spate Zeit zur Trennung mahne. Am darauffolgenden Tage erschien wieder vom Mantel umhüllt gegen Abend I)r. Basilides in dem Studierzimmer d.S Rabbiners, um das versprochene Empfehlungsschreiben in Empfang zu nehmen und um dann vom dem ihm lheuer gewordenen Seelenhirten sich, zu verabschieden. ..Morgen früh", so sprach der Ddctor. „noch vor Sonnenaufgang werde ick. so Gott will, in einem bolländischen Schisse mit einem preußischen Paß als preußischer Unlerthan von hier absegeln, um mit dem Beistand GotteS in Amsterdam wieder Land zu betreten. .Von dorther werde ich Ihnen nochmals schriftlich meinen Dank abstatren. den, ich Ihnen jetzt mündlich von ganzem Herzen zolle." __ i „Gort behüte sie bei Ihrem Wegziehen und bei Ihrem Eingehen", entgegnete ibm der Rabbiner, ..hier empfangen Sie Idr EmpfeblungS''chreiben und vier [tin kleines Reisegeld alS Ausdruck der Dankbarkeit von> Seiten der hiesigen israelitischen Gemeinde." AlS aber des Donor die targereichre gefüllte Goldbörse ablebnen-wollte mit der Bemerkung. daß er nicht wisse, wodurch er diese reiche Gabe vezdient batte, über zeugte idn der Rabbiner, daß die Gemeinde ibm noch weit mebr schulde, nicht nur für seinen den Kranken ge» leisteten ärztlichen Beistand, sondern auch für die durch ihn bewirkte.Rettung keS Vorsängers VoSkowitzer und für die hierdurch erreicht/ Sicherheit der ganzen Gemeinde. Der Rabbiner legte seine beiden Hände au» sein Haupt und segnete ibn. Der Abschied war beglich und rührend. Obgleich die israelitische Gemeinde zu Amsterdam sehr zahlreich ist, so wurde eS dennoch nach und nach , in derselben immer bekannter, daß ein fremde/ christlicher Doctor zym Iudentbume überqetreten sei. Har manche- Abenteuerliche erzählte man sich gegenseitig über seine geheimnißvolle Vergangenheit und auS Dichtung und Wahrheit stellte die mündliche Sage ein seltsames Lebensbild zusammen. Daher kam eS. daß viele Neugierigdiejenige Svnagoge besuchten, in welcher jeden Sabbath mit seiner, in Juchten gebundenen Bibel unter dem Arme, der fremde Doctor erschien und in stiller Andacht an dem öffentlichen Gottesdienste sich betheiligte. . Unter diesen vom Interesse an den Bekehrten hcrbeigefübrten Synagogcnbesuckcrn befand sich. eS war gerade am Trost-Sabbath nach dem Fasttage am. neunten Ab. ein stiller Greis, welcher gewöhnlich gleichgültig für daS. was die Neugierde deS großen Haufen reizte, nur deshalb, den neuen Israeliten zu seden wünschte, weil er erfahren hatte, daß er aus Rußland sei. aus demjenigen Lande, an welches er stets mit Trauer und Webmutb sich erinnerte. Der GreiS trat am Ende des GotteSdiensieS zum fremden Doctor. rebele ihn in russischer Sprache an. und erhielt in derselben Sprache auch Antwort. Sein Blick siel zufällig auf die mit Silberspangen geschloffene Bibel des neuen Glaubensgenossen. Zitternd ergriff er sie. öffnete sie und las die Inschrift aut deren erstem Blatte. Leichenblaß und stotternd fragte er: „Mein Herr, von wem haben Sie dieses Buch?" ..Sie war die Bibel mrin.-s ValerS", erwicdcrle DastlioeS. „Hat ein Arzt six, Ihnen eingehändigt?" fragte n:;n hastig der Greis. lleberrascht und betroffen blickte darauf BastlidcS ihn an und antwortete: „Ja wohl. Dr. Leander." „Allmächtiger Gott, mein Sobn Raphael!" rifj nun erschüttert und hingerissen der Greis. Vater und Sohn hielten sich lange umschlungen in liebevoller Umarmung mit Thronen der Wehmütb und der Freude. Notizen des Tages. Die königl. bayersche Regierung fordert Gutachten von den Rabbinern darüber ein. wie >dem fühlbar werdenden Mangel an jüdischen Lehrern vorzubeugen sei? (So geht leider in Erfüllung, was wir unseren GiaubcnSgenoffen vor iS Jahren, im ersten Jahrgänge der Allg. Arg. d. Iudenth., voraussagten!) Der Prinz-Regent von Preußen K. H. bat öffentlich auf der Parade vor dem OsstziereorpS sich belobend über die bisciplinarische und militairische Führung der Soldaten jüdischer Confession ausgesprochen. Auch im k. k. österreichischen Heere haben viele Juden nach dem Kriege höhere Grave und Auszeichnungen erhalten. Allgemeine Zeitung des Judeulhums. No. 40. 1859. Leitende Artikel:'Die Missionsschulen. — WaS thut unS Noth. Ein Won an meine israelitischen AmtSbrüder in Ungarn. Bon Oberlehrer Josef Ätr;. — Die israelitische Bibelanstalt. — Literarischer Wochenbericht. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Bad Homburg. RegcuSdurg. Oldenburg. Bühl. Hannover, Rastatt. — Preußen: Braaeenburg. Magdeburg, aus dem Posenjchen, KönigSlerg. — Oesterreichischer Laiserstaat: Wien, Wien. .{£57 Za beziehen durch jedes Postamt und jede Buchhandlung. Jährlich 3 Thaler, vierteljährlich *>4 Thaler. tvrt«4 ten ^«anjärti Verantwortlicher Redacteur: St. Rabe. et‘9 V»chba»dlu»a i« keipzig. — Druck »o» Alexander Sied« tu Leipzig.