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Jüdisches Volksblatt · 1859-01-01 · 41 (1859) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
6 (1859)
Issue
41 (1859)
Date
1859-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdisches Bolksblatt. Zur Belehrung »nd Anterhattung auf jüdischem Gebiete. HerauSgegebeo von 1 Rabbiner Dr. Ludwig Philippson in Magdeburg. ' lRo. 41.1859 ] Bo, tief ft Zeilschrist erscheint »öche,Uich eiie »««»et. Brei* de» Satt» gaxgs l Lhlt StftleljLbrig Alle V»chba»dl«ngk», Pvftä«ter nnb .i]eit»,g<er»ediu«,e» arh»en BtfftflBugfn an. [6. Jahrg. 4. Quartal] Der geraubte Tohn. Ein Sittenbild der Gegenwart. Von vr. S. Formstecher, Rabbiner zu Offenbach a. M. (Schluß au« Nr. »7. ». s». 40.) VI. Da- Dekenntniß. Der Tag jener DankeSfeier war als ein zweite- Purimfest mir Thränen der Wehmuth und der Freude im Kreise jener israelitischen Familie» gefeiert worden, und besonderwar eder Abend, welcher diese wonnevolle Seelenstimmung allgemein verbreitete. Auch im kleinen Familien^ kreise de- Rabbiner-, welcher an jenem Abend durch einige besuchende Freunde erweitert war, herrschte dieser religiöfreudige Ton und ^emehr die rauhen Nachzügler dekalten stürmischen Aprilmit ihren schneeigen Regenschauern im Freien lobten, desto traulicher und wärmer gestaltete üch die Unterbaltung in den noch spät geheizten Zimmern. Eben wurde eine erheiternde Anekdote erzählt, aldie zur Frau Rabbiner tretende Magd mittheilre. daß ein unbekannter Mann den Herrn Rabbiner sprechen möchte. Ungern verließ der gemüthliche Greis ferne heitere Umgebung, doch bald erschien er wieder in deren Mitte mit der beruhigenden Aevßerung: ste möge sich nicht stören lassen, er hoffe, daß er nach einer kurzen Unterredung mit dem besuchenden Fremden recht bald wieder seinen früheren Platz einnehmen werbe. In seinem durch eine bedeckte Lampe matt erleuchteten Studierzimmer angekommen. ersuchte er leinen Gast den naß gewordenen Mantel abzulegen, worauf er dann erstaunt au-rief: „Herr Dr. BafilideS! waführt Sie. ehrwürdiger Vater, so spät und in diesem stürmischen Wetter in meine Wobnunz? welchem Umstande habe ich diese Ehre zu verdanken?" ..)ch komme spät, in den Mantel gehüllt, geehrter Herr Rabbiner, weil ich nicht mehr ein „ehrwürdiger Vater" bin. Die Klosterbehörde hat mich ereommunicirt, öffentlich in der Kirche aleinen abtrünnigen Sobn und -leinen Verräther des heiligen Lrd.nS erklärt, darum muß ich mich verborgen halten und darf eS der gereizten Pöbelwuth gegenüber nur Nachtwagen al- Ungekannter durch die entlegenen Straßen dieser Stadt zu schleichen. Der Umstand ober, welcher mich so frei sein läßt. Sie jetzt durch meinen Besuch Ihrem heiteren Familienkreise zu entziehen, bildet die an Sie zu richtende Bitte: mir gütigst mittheilen zu wollen, unter welchen Bedingungen ich in den Bund der israelitischen Religion ausgenommen werden kann." Entsetzt durch diese Aeußerung erhob sich rasch, der Rabbiner von seinem Sessel mit dem Au-rufe: „Wollen Sie unin ein, neue- Elend stürzen, wenn die Wunden dekaum hingezogenen noch nicht vernarbt sind? Denken Sie an den Haß de- Volke-, welcher uns mit neuer Wuth verfolgen wird, wenn dieseglauben würde, daß wir einen Klosterbruder zur Annahme unserer Religion veranlaßt hätten. Ja. unsere Staatsbehörde selbst würde darob unbestrafen, vielleicht sogar audem Lande lagen. Diesen Entschluß haben Sie wahrscheinlich auch noch nicht reiflich erwogen; Sie wollen vielleicht nur UNvon Ihrer aufrichtigen Tdeilnahme an unserem Schick» sale überzeugen. O wir sind Ihnen jetzt schon zu gro» ßem Danke verbunden. Bleiben Sie treu Ihrem vätrrlichen Glauben. denn nach den Lehren unserer Weise» haben die Frommdir aller Nationen Antheil am zukünftige» Leben und auch in Ihrem Glauben baberl"Sie die Gnade Gotte- und die ewige Seligkeit zu erhoffen." „Nein, verehrter Herr Rabbiner, ich kan«'nicht anders! Don dem Bekenntniß, da- Ich in meinem Innern bewahre, bin ich der Welt ein öffentliche- Zeugniß schuldig." „Sie haben dieses nicht mötbig". entgegnet« hierauf wieder der Rabbiner. ..nur dem Ewigen sind Sie Rechen» schait schuldig über dawas- Sie glauben und fühlen. Und warum wollen Sie sich den vielen schwierigen xrftgiösen Geboten unterziehen. zu welchen Sit vermöge Ihrer Geburt nicht Verpflichtet sind?" ..Nun so erfahren Sie", erwiedene hierauf der Doctor. ..mein Geheimniß. Ich bin ein geborener Jude, demnach durch meine Abstammung' Ihr Glaubensgenosse." Und abermals erhob sich" staunend der Rabbiner von seinem Sitze und ersuchte den Doctor ibm umständlich^ sein Lebensgeheimniß mitzutheilen. „Ein andere- Mal", erwiedette der Doctor auf diese Bitte. „Für heutd t)a6«| ich Sie schon länger aldie Gastfreundschaft eS gestattet, dem Kreise dev wetthen Ihrigen entzogen." ..Ich eile", etttqeqnete der Rabbiner, „zu dan Meinigen, um ihnen mitzutheilen, vaß unsere Unterhaltung sich länger auSdehnen würde, als ich Anfangglaubte. Dann rollen S>e mir Ihr ganze- Lebensbild auf. .Jede Mitternacht findet mich wachend in diesem Zimmer. Sie habe» darum nicht "nörhtg Ihren Bericht ahzukürzea." Und mit jugendlicher Hurtigkeit saß der bejahrte Mann bald wieder, zurückgekehrt anseinem ihn verehrenden Familienkreise»

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