Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 6 (1859)
- Issue
- 40 (1859)
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 160 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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160 Die Frau war vor- Verwunderung. Staunen und Schreck außer sich; denn ne wußte nicht, auwelchem Grunde ihr Mann so schnell zurückkebre. und fein jetzige- Benetz« men ließ sie sogar für feinen Verstand fürchten. Endlich ekmannte sie sich so weit, daß sie den immer noch Wüthenden. mit der Frage unterbrechen konnte,, wie er denn hierher käme? Dadurch aber wurde seine Wutb nur noch größer, denn er dachte, seine Krau wollte ibn'foppen. Diese aber, immer beftürzter, sab sich nach Hßlfe um, da alle ihre Retzen, daß er sich ja in Liffa befinde, ungebört «et« , ballten. Da bemerkt sie ihren Bruder r>on fern« und froh, einen Beistand zu erballen, rut't sie: „Da kommt mein Bruder!" Dabatte ibr Mann gehört und dadurch erreichte sein Zorn das böckste Maß. ..Also auch er ist mitgekommen, und das. Haubabt ibr allem gelassen! Du pflichtvergessenes Weib, ist dadie Liebe, die Du zu mir baft, ist dader Gehorsam, den Du Deinem Manne schuldig bist! Jetzt kenne ich Dich nicht mebr, ich lasse mich von Dir scheiden!" Den vereinten Bemühungen von Bruder und Schwester gelang es endlich, ibn zu berubizrn und ibn zu überzeugen, daß er sich in Liffa befinde. Ganz kleinlaut .schlich er nach Hause, .um rer garenden Menge zu entgehen, die sich inzwischen um die Streitenden versammelt hatte. Als er ganz.zur Besinnung gekommen war. trat ibm das Unrecht, daS er seiner Frau getüan, lebhaft vor Augen, und er bat sie um Derzeibung. j Am Abend war Alles wieder im allen Gleise, und einige seiner Verwandten befanden sich »ei ihm, die ihn bemitleideten, und denen er seine Reiseabenteuer erzählte. Sollte man es wobl glauben!" riet er plötzlich auS, ,,rch habe es immer nicht für wabr ballen wollen, und nun babe ich mich doch selbst, überzeugt, daß die Erde wirklich rainv ist. Von Liffa bin ich ^ausgegangen und in Liffa bin ich wieder angekommen." einigen Tagen machte er.sich wieder auf die ReiskTnabm aber woblweiSlich feine Frau mit. Eie er« reichten glücklich Frankfurt, bewohnten ein kleine-, aber nette- Stübchen, gingen Sonnabendiß die Schul, aßen bei S. Brock, in der Tuchmachergaffe, btfuchten sogar da- Theater und sahen das Stück: :,Der Weltumsegler wider Willen." Zwei religiöse Lieder. Bon Rabbiner De. Klein in Stolp. 1. Zum Neujahrsfeste. rr*—223-2 “rer# (Psalm. 77,12.) Zu Dir, o Gott, erbebt sich Her; Und Geist, Der Du datiefste Herzen-sinnen weißt; Soweit de- Geiste- Schwingen sich auch wenden, Wohin da- Auge mag die Blicke senden. Allüberall zeigst Du Dein Gnvdenwerk. AuS ältesten bizu dcn jüngsten Tagen Hat Deine Gnade uns emporgetragen; Und daß wir heut' durch Lob' und Dank Dich ehren, Dieschulden wir nur Deinen HeileSlebren, Und Deiner Liebe, die kein Ende hat. O nimm unS auf, die Jungen, wie die Alten, Und laß das fromme Feuer nie erkalten, Das auf dem HerzenSaltar jetzt aufflammt; Die Gunst Her Vater, denen wir entstammt, » Erschließe uns die Pforte wahren Heils. Und wenn erschallen die Pvsaunentöne, Erkenne, Vater, uns alS Deine Söhne. Und Deine Gnade spende Licki und Leben Den Kindern, die sich fromm Dir binzegeben. Und Dein sein wollen jetzt und immerdar! 2. Zum Versöhnungsfeste. ' 122 “1C3 ' *122 27772'722 7723 Wenn beute wir am beil'gen Festesrage Vor Dir erscheinen betend, Gott und Herr! Wenn unser Herz betrübt und sündenschwer Vor Dir auSschüttet seine stille Klage O sprich das Wort, daS alle Wunden bellt: Verzeibung Allen, die zu wir geeilt! Wie weicher Thon sich fügt in Bildner- Händen, So fügen wir uns, Herr, in Deiner Hand; Wenn wir zu unserm wahren Heimathland, Zu Dir, o Vater, unsre Blicke wenden; O ruf'« das Wort, das unS von Schmer; befreit: Versöhnung Euch, die ihr mir Kinder seid. Der Seinen Geist in uns berabgesendet, O läutre Alle uns von Fehl und Schuld; O wende Dick unS zu mit voller Huld, Wenn unser Geist sich reuig zu Dir wendet, Und sprich daS Wort, das unS beseligt macht: Vergebung Euch, die ihr an mich gedacht. Und wenn die Tage schwinden und die Nachte, Und Du nur bleibst in aller Ewigkeit, Wir bleiben Dein, o G»tt, durch alle Zeit, Die Sprößlinge aus Israel'- Geschlechtes Dir fromme Opfer seien unsre Worte; O öff'ne unsrem Fleb'n die Gnadenpfortc! Die israelitische Dibelanstalt. Die Spenden baben die Höbe von 2251 Thlr.5Ngr.9Pf. erreicht. Wir hoffen, daß die- Sammlung rasch ihrem Ziele zuschreiten werde! Allgemeine Zeitung de» Judenthum». No. 39. 1859. Leitende Artikel: Rußland. — Die israelitische Bibel« anstalt. — Literarischer Wochenbericht. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Hamburg, Kassel. — Preußen: Stettin, Danzig, Landsbrrg, Berlin. — Orsterreichischer Kaiserstaat: Pesth, Pesth, Wien, Wien, Prag. — Serbien: Belgrad. — Frankreich: Paris. — Algerien: Konstantine. Berantwortlicher Redakteur: K. Räbe. Aerlag »ea Baa»>Lr »«r « Sa4ta*blug t» Leipzig. — Drack «ea Bleyaabct fBltbe ia Leipzig. f