Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 6 (1859)
- Issue
- 39 (1859)
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 156 (sequence 4)
- Language
- German
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156 erteilte seines väterlichen Erziehers sich unterhaltend sprach er dann: ..Ja, mein unvergeßlicher Barer! Du hast Vieles wegen meiner geduldet und gelinen. £ warum wußte iii cä nickt. um £it würdiger dafür danken zu kennen! - Dock Dein tober Geist umschwebt mich, Dir gelobe ick. Deinem Andenken mein ganzes Leben zu weiden. Dem letzter Wunsch sei meine erste Thal, morgen muß das Truggewebe zerrissen werken, zu welchem Satan selbst die ^äken spann!" ' . .'»crtic^un^ seht) ' Ucbcr Erhebung. Blnrnenlese an> verschiedenen radagogilchrii und belletristischen .geirschrinen. lp- Di« Würdigung deS Kleinen in der Erziehung. Nirgends wirk ,.daS Kleine" däunger und leider mir größerem Racktbeile unterschätzt als auf dem Gebiete der! Erucl'ung. Immer kehrt der Refrain wieder: ,,Ack, das ist >a so unbedeutend, das wird nicht schaden." Sö er- . klarlick dies ist. ka kie Einwirkung auf die Seele sich kein Auge verbirgt, kem Kundigen stch oft nach langer \ Zeit erst, kem Unkundigen niemals offenbart: so verderblich '; :-.nk unbeilvoll ist cs aber auch. - 26er freilich unter Erziehung nichts Anderes denkt, als Befehle und Strafen errbcilen, der wird es nie be- . greifen. Die Erziehung ist aber die Albeiesür.die Ge- . unrbeir unk Reinbcir vcr Seele im gesunden und kraft/ ugen Körper. Der Grund, worauf ste sslßr. ist die Ngtur dcS Menschen. Die erste Aufgabedes Erziehers ist: die Erscheinungen des menschlichen Seelerilebens auf ihren. Url'rnmg zuruckrusübrcn und die Einwirkungen auf die Seele in ihren Entwickelungen zu verfolgen. .Von diesem Standpunkte aus stnv die ..Fehler uük Sunden" der Jugend seelische Krankdeilserscheinungen. deren. Ursacke man zu erforschen und durch deren. Hinwegräumung man die Seele aui ihren Naturzustand zurückzutübren har. Einige Beispiele mögen den Werrd des sogenannten „Kleinen'* Nachweisen und kaS vermeintlich Kleine alS bedeutsam danhu»! Ein Knabe nickt unbemittelter Eltern, talentvoll und inil vorherrschend gulmükbigcm Ebarakler. zeigte schon vom neunten Jabre an eine heftige Neigung für geistige ('ictünff. Durch allerlei Mittel. selbst! durch Betrügerei' und Diebstahl, suchte er solche, zu erlangen und wurde haunq dekrunken 'gefunden. Und woher dieser Abgrund stirlichen Verderbens in so trüber Jugend? Die Eltern, übrigens achrenSwerrbe Leute, nnd durch ihr Geschäft' abgehalten. speciell die Kinder zu beaufsichtigen — ne haben ein Gastbaus — haben wohl bemerkt, daß der Knabe sich die Tropfen aus den kaum geleerten Glasern der Gäste sammelte uttv hielten daS für unbedeutend, und als. er später sich an die Migen wagte, da war auch daS noch unbedeutend. Erst als er an die Flaschen im Schenksckranke sich machte., da schien es ihnen bedeutend genüge um einzufchreiten. ES ist aber nur zu gewiß, daß auch Verlag doo Baumgärt» di« strengsten Strafen ihn nicht bessern werden. In dem Hause seiner Eltern, unter den Augen von Dater unk Mutter wird er vom Strudel fortgerissen und sehr elend werden. Strenges Abbalken vom Kosten der Tropfen hätte dies verhütet. Wie oft tritt Eltern und Erziehern die Unwahrheit so plötzlich entgegen, daß ste im höchsten Grade erstaunen. Es ist ibnen ausfallend, wie der sonst ..so aufrichtige und wahrbeitliebende!.' Zögling so geschickt unv frech zu läugnen. zu lügen vermag. Die geschickte, srecke Lüge setzt eine Gewohnheit, eine Uebung voraus, welche leider übersehen ist. weil man da Alles ja nur Kleinigkeiten nannte. Hier die Beispiele einzeln aufzuführen, würde zu viel Raum in Anspruch neh^ men. Auch Lügner werden nickt geboren, sondern erzogen und die Schuld liegt in den meisten Fällen an den Erziehern. Welch einen üblen Eindruck des Mitleids und des Ekelerregtes. wenn Kinder stch vor jedem Dinge fürchten, schreiend stieben oder zitternd naben. Diese Furcht ist nickt unbedeutend: denn durch Schläge und Einsperren u. s. w. will man ste vertreiben. Als aber für das kleine. Kind jeder Platzt den cs meiden sollte, einen ..schwarzen Mann" beherbergte, jedes Ding, ras es nickt anfassen sollte, „beißend" war. deS KindeL Unvorsichtigkeit nickt, sondern der unschuldige Tisch u. s. w., an den cs sich gestoßen batte, bestraft wurde und die ängstliche Mutter bei 'jedem Aufschrei des Kindes einen ganzen Erguß von Mitleid rznd Trost anwanvke, da ward dem warnenden Frenute entgegnet: „das ünd ja Kleinigkeiten, was können kie schaden!" ..Es ist ja nur eine Kleinigkeit", wenn das Kind ein paar Mal seinen Willen erhält gegen den ausdrücklich ausgesprochenen Willen des Erziehers, man mag e3 ja solcher „Kleinigkeit" wegen nicht schreien lassen, sich nickt desbalbckemühen. Nack kurzer Zeit „ist es mildem eigensinnigen Kinde nicht mehr auszubalren", unddagiebl's dann Strafe über-Strafe, welche nur zu oft nicht bilft. manchmal das Nebel verschlimmert. Erstaunen und Sckrcck stnv nickt zu unterdrücken, .wenn wir die Arglist und Pfiffigkeit endlich erkennen, welche Kinder, und besonders Mädcken, in ibren ..Tricks" gegen Eltern, Geschwister. Dienstboten und Andere entwickeln. Das beifällige Lächeln bei den ..klünen allerliebsten Schelmenstreichen der Kleinen" war ja auch nur eben „eine. Kleinigkeit". Massenhaft stnd in der Tbar die betrübenden Beispiele, wo durch Nichtachtung deS vermeintlich „Kleinen" eben die Kleinen selbst verdorben oder doch leicht zu vermeidenden Strafen entgegentübn werden. Das Angeführte mag genügen, um die denkenden ßlrern auf daS ..Kleine" aufmerksam zu machen. Sie werdet sich sebr bald überzeugen, daß ohne Aufmerksamkeit auf das ..Kleine'.' und also ohne große Mübe keine Erziehung möglich, ist. In der Erziehung giebl es nichts Unbedeutendes. Allgemeine Zeitung de- Judenthums. No. 36. 1859. Leitende Artikel: Die Anforderungen an den Rabbiner oder jüdischen Prediger. — Die israelitische Bibelanstalt. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Fünh, aus dem Großberzogth. Hessen. — Preußen: Berlin, Berlin. — Oesterreichijcher Kaiserstaat: Wien, Gr. BecSkerek. — Donaufürsten» tbümer: Bukarest. — Rußland: Odessa. yy Zu beziehen durch jedes Postamt und jede Buchhandlung. Jährlich 3 Thaler, vierteljährlich */< Thaler. Verantwortlicher Redacteur: K. Nabe. r'« Luchb-ndt»»z i» Leipzig. — Drack von Llrxauder Wiede in Leip;i.