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Jüdisches Volksblatt · 1859-01-01 · 39 (1859) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
6 (1859)
Issue
39 (1859)
Date
1859-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdisches Bolksblatt. Zur Letehrung und Anlerhaltung auf "jüdischem Gebiete. Herausgegeben von Rabbiner Vr. Ludwig PhUippfon in Magdeburg. Mo. 39.1839.1 Bon dieser Zeitschrift erscheint wöchentlich eine Nummer. Preis de- I gang« I Thlc Sierteljäbrig 7', Ngr. Alle Buchbanklungen, PostSa und Zeituug-expeditionen nehmen Bestellungen an. chr ttt [6. Irrürg. 3. Quartal] Der geraubte Sohn. Ein Sittenbild der Gegenwart. Bon vr. S. Fornistccher, Rabbiner zu Lffenbach a. Bi. (Fortsetzung au- Nr. :>7. »-.) IV. Enthüllungen. In seiner abgeschlossenen Betzelle, welche die übrigen Klosterbrüder nur angemeldet betreten durften, saß an jenem Morgen der Higumenos Polycarpos aufmerksam lauschend auf die Berichte, welche der ihm gegenüber sitzende Kaufmann Ksivu abstattete, während der vertraute Bruder Eucharios die Thür bewachte, um einen vielleicht zudringlicken Besuch abzubalten. Auf dem Tische vor dem Higumenos befanden sich neben einigen straffen Geldbeuteln mehrere silberne Gerätschaften, welche höchst selten den We^ in ein Kloster sinven; es waren diese jene heiligen Gerätbe, mit Venen die Thorarollen in den verschiedenen Snnagogen festlich geschmückt waren: einige silberne Kronen mit äckten Edelsteinen besetzt, mehrere künstlich gegrbeitete Thürmchen mit vergoldeten Glöckchen behängen, silberne Tafeln, ebenfalls mir solchen Glöckchen geschmückt und mit bebräischen Inschriften versehen und mehrere silberne Scepter, welche an ihren Spitzen mit einer beutenden Hand verziert waren. In diese aufgehäuften silbernen Schmuckzeräthe griff nun mit spielender Hand der Klosterfürst und sprach mit salbungsvollem Tone: ..Ja, diese irdischen Schätze, welche bisher in den dem Satan geweiheten Synagogen glänzten, werden wir einer heiligen Bestimmung widmen, aus ihnen lassen wir einen Schmuck für unsere Kirche bilden, als ein Dankopfer dem Herrn dafür geweihet. daß er unseren Plan mit einer so schön gelungenen Ausführung krönte. Zur größeren Verherrlichung Gottes haben wir in seinem heiligen Namen Rache auSgeübt an denjenigen Sündern, welche die verruchte Hand anlegten an seinen eingebornen Sohn und der Herr segnete unser frommes Werk." „Welch' ein Geräusch, welch' ein Tumult vor unserer Pforte?" fragte überrascht der lauschende Bruder Eucharios. Auch dn Higumenos und sein Freund Kfldy vernahmen aukhorchend nun ein verworrenes Getümmel im Klosterhofe und ersterer schickte den Thürhüter hinweg, um sich nach der Ursache deS Auflaufes zu erkundigen. Er blieb länger entfernt als die Neugier der beiden zurückgebliebenen Männer es wünschte. Endlich trat er mit gleichgültiger Miene in die Zelle und auf die rasche Frage seines Vorgesetzten erwiederte er mit theilnahmlosem Tone: „Es ist nichts von T närrischer Bruder Apolll elange, Hochwürdiger, unser alter nios besuchte nach seiner Gewohnheit auch diesen Morgen das Jndenguanier und fand da zu seiner Ueberrafchl ng mehr Arheit als er" erwartete,! gerieth dort mit helru ikenen Matrosen in Streit und erhielt einen solchen <Z>toß, daß er durch .den Beistand eines Poli^idienerS biwußtlos hierher getragen werden mußte. Dem Zuge sch oß sich ein großer Volkshaufe an. welcher nun im Kloster wse des Segens des Hockwürdigen Harrer." „Der soll ihm weiideii!" sprach der Higumenos. Er stellte sich unter VaS Portal, des Klosters und breitete segnend feine Hände a is über die niederknicende Menge: daraus begab er sich in die Zelle deS Bruders Apollonios, wo dieser leidende Grus unter dem Beistände mehrerer Ordensbrüder, insbesordere aber-durch die umsichtige Dc- Basilides wieder Bewußtsein.^und die Erkundigung des HigumenoS tßcrte er, daß' er durch den bedeuehr schwach süble und daß vorderdas beste Heilmittel ' für seinen einen .Wink des Higumenos enr Handlung des Doctors Sprache fand. Aus j nach seinem Befinden ä j tcnden Blutverlust sich j samst > ungestörte Ruh« . Zustand wäre. , Aus feinten sich auch uach und nach die teilnehmenden Klosterbrüder und auch dieser Vorgesetzte seihst begab sich, nachdem er den Patienten Hon seiner, aufrichtigsten Tbeilnabmc zu überzeugen sich bem iht und ihn der Obbut und Pflege seines Schülers BasilideS empfohlen hatte, wieder in seine Betzelle zu dem seiner! harrenden Freunde Ksidv. „Sind wir allein!, mein Sohn?" fragte nun - mir schwacher Stimme der „Ja wohl, mein beklommene'Antwort. alte verwundete Arzt. Vater", war deS treuen Sckülers „Dock nein, bier ist der klvne Aleris, soll ich ibn h nwegschicken?" „Er sott zuerst Hilter zu mir an... mein Bett treten", erwiederte der alte Dounor; und daraus des Knaben Hand! ergreifend fragte er denselben: „Mein Kind, nickt wahr, : in der sündhaften Wellt wurdest Du Peter Stephan genannt?" [ Statt einer Antwort blickte der Knabe sich furchtsam umher und nickte bejahend mit dem Kopfe, j „Dein Vater arbeitet im Hasen und Deine Mutter ist Waschftau?" Und abermals bejrhcte diese Frag« der Knabe durch! stin Kopfnicken, indem er leise die Worte hinzuftgtc: „Dieses darf ich ja h er nicht sagen!"! „Schon gut", fügtH nun Dr. Apollonios hinzu, „schicke l ihn jetzt fort!"

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