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Jüdisches Volksblatt · 1859-01-01 · 37 (1859) · p. Seite 148

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
6 (1859)
Issue
37 (1859)
Date
1859-01-01
Page
Seite 148 (sequence 4)
Language
German
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148 uitin Zögling gewährt!" so rief dem Knaben gutmükbig der GreiS zu. unv wieder zu feinem Sohne sich wendend, äußerte er: ..Dieser Knabe wird jetzt ungefähr zehn Jahre alt sein; Du zähltest noch nicht die Hälfte, als Du hier Deine kleine Zelle bezogest." ..Ich muß noch sehr jung gewesen sein", fügte Dr. Basilid'es hinzu. ,,alS ich Aufnahme hier im Kloster fand. ..Denn kaum matte verworrene Traumbilder schweben mir auS dem elterlichen Hause vor der Seele, welche mir wirklichen Träumen derart in einander schwimmen, daß mir die Erinnerung alle Hülfe versagt. Keiner unserer ehrwürdigen Brüder kann mir. oder will mir über.daS Dunkel meiner Abstammung einen auch nur schwachen Lichtschimmer ertheilen, und sogar der alte Pförtner weist mich, so oft ich ihn darum bitte, mir den Worten ab, daß nur der hochwürdige Higumenos die Macht hätte, meine Bitte zu erfüllen. Aber an der eisernen Pforte seines gefühllosen Herzens pocht vergebenjede warme Theilnahme an." Den kühnen Sprecher erinnerte eine Hindeutung des vr^ Apollonios auf den Knaben, daß ste^nicht allein in der Zelle sich befänden, und um diese über den strengen Vorgesetzten gewagte Aeußerung so schnell wie möglich wieder zu verwischen, lenkte der alte Donor die Unterhaltung auf daS chemische Erperimenr, welches BasiliheS nun wieder fortgesetzt harre. Hierdurch nahm nach und nach das Gespräch gänzlich einen wissenschaftlichen Charakter an; die Männer erwogen besonderden Einfluß der Elektricität auf die.chemischen Zersetzungen und Verbindungen und hierdurch verlor sich allmahllig jede fcui* nctung an die Vergangenheit, jeder Gedakcke an die Geheimnisse,welche zu den Eigintbümlichkeirm aller Klöster gehörten. <Ao^tscyoirz felgt) Wie cs geht im Leben. Neulichst erzäblte mir ein Ehrenmanns Ich babe die Feldzüge 1613—1615 als Freiwilliger mitgemacht. Als der Krieg zu Ende, wurden wir bedeutet, daß wir auf Avancement weiter dienen könnten, und sogleich Lieutenantsrang ethalten sollten. Ich und ein Freutzd entschlossen und meldeten uns dazu. Mein Freund wurden angenommen. Als ich aber auf Beftagen meine Religion angab, wurde ich zurückgewiesen, weil ich. so lange ich Jude sei, nicht auf Avancement dienen dürfte. Ich war in nicht wenig bedrängter Lage, und mußte frob sein, bei einem Rechtsanwalt als Schreiber anzukommen. Aber ich schaute mich scharf um. und bald erössneren sich mir andere Wege der Tbätigkeit. Ungefähr zehn Jahre spater traf ich meinen Freund wieder. Wir theilten uns unsere Schicksale mir. Er war unrerdeß Major geworden, aber mittellos konnte er bei einem Gehalte von 800 Thlrn. nicht beiraHen. Ich war unterdeß Fabrikant, bemittelt, glücklicher Gatte, glücklicher Vater geworden. Hatte sich die Treue an! der Religion an mir bewährt? Werwar der glücklichere? Unterhaltungs-Pillen. Von Louis Lehmann in Bad Homburg. W. E... in Frankfurt a. M. war ein sehr geiziger Mann, er spähete ein halbes Jabr lang nach einer Wohnung im ersten Stock, durch welche vom darunlerliegenden Zimmer des Erdgeschosses aus ein Ofenrohr durchgeführt wäre, da er rächte, daß er hierdurch ein umsonst geheiztes Zimmer besitzen würde. Er mnv endlich ein solches LogiS und miethete eS. Als er am folgenden Abend, nachdem er eingezogen war', nach Haus ging, dachte er schon auf per Straße: „wie schön und echt, wenn ich jetzt bei der großen Kalte eine warme Stub» finde, ohne daß eS mich etwaS kostet; wie babe ich daS so bübsch ausgeklügelt mit dem Ofenrobr." JfBie verwundert war er aber, als er beim Eintritt in feine Stube eine furchtbare Kälte anlraf. Er stieg deshalb leise, wie er gekommen, nochmals die Treppe herunter und sab spionirenv durch die Glastbür der unteren Wobnung. Da aber sab er sich glänzend übertrosien an Geiz. Eine reiche, vor ihm eingezogene Wittfrau mit ihren Töchtern standen auf einem Tische, mir den Händen an der Decke ihrer kalten Wobnung. um sich an dem vermeintlichen warme« Fußboden ihres oberen Mietbsnachbarn zu erwärmen. Seufzend kehrte der erste GeizbalS wieder in, feine kalte Wohnung zurück, aber dm andern Tag machte er unten einen Besuch und man kam nach langer Vorrede zur Abfassung eines schriftlichen Accords. wonach in der unteren Wohnung bei zu kalrem Wetter gebeizt werden solle und die dadurch entstehenden AuSgaben aut beide contrabirenden Theile verrheilt werden sollten. Aphorismen von David Wabl in Codlenz. Der einzelne Mann ist oft der Brennpunkt seines ganzen DolkeS; .was die Gtnammtbelr im Laute einer Zeitperioke gedacht und gefühlt. daS hat er die Kraft und den Willen lebendig darzustellen lyit1 auszufprecken. Rarionalstol; ist nur ein erweiterter Egoismus. Die Wege der Vorsehung sind eine fortlaufende Schöpfung. _ Allgemeine Zeitung des Judenthums. No» 36. 1859. Leitende Artikel: Literarischer Wochenbericht. — Die israelitische Bibelünstalt. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Stuttgart, Hamburg. Umerftauken. — Preußen: AuS Schlesien, aus dem Posenschen.. — Oesterreichischer Kaiserstaar: Peßb, Wien. — Italien: Aus der Romagna. — Großbritannien: Magdeburg. Lorresponden;: Lehrerversammlung im Großherzogrbum Hessen. Kjp Zu beziehen durch jede» Postamt und jede Buchbandlung. Jährlich 3 Thajrr, vierteljährlich *4 Thaler. Verantwortlicher Rebackern: Jt Rabe. Verl«, von Baowsärlver'« Puchhaadl»»» ht -eipzig. — Druck «ob Alexander Wiede in r-iv,ia-

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