Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 6 (1859)
- Issue
- 36 (1859)
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 143 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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143 erfahren wir es nicht in tausend Dingen, daß eS wirklich sich so verhält, daß da- Gute GuteS mit sich bringt? Oder kann es andersein? Muß nicht, wenn Jemand sich viele Zahrzehende als ein streng redlicher, braver Mensch erweist, da» Vertrauen seiner Mitmenschen wie von selbst ihm werden, daS Vertrauendiesekostbare und tausendfältig nützliche Gut unsere- Leben-? muß nicht an ein arbeitsame-, tüchtige-, talentvolle- Leben siff-ein guter Name knüpfen, dieser blanke, stählerne Schild, an dem so viele giftige Pfeile abpraüen? Wer Liebe säet, soll der nicht Liebe ernten, und wenn so au- Blick und Wort und That ihm die Liebe strömt, soll sie nicht zünden in den Herzen der Seinen und Aller, mit denen er wandelt, daß ihm der reichste Schatz de- Erdenlebenwird, die Liebe ring-um in den Menschenherzen? Und vor allem, wenn Du eine gute That gethan, ein Werk de- Frieden-, der Barmherzigkeit, der Aufopferung vollbracht hast, wenn Dir etwa- Gutegelungen ist, ergießt sich nicht dafreudigste Gefühl befriedigten Bewußtseins durch alle Kammern Deines Herzen-? Ist das nicht all Die- Lohn, großer Lohn für Deinen guten Wandel, und sollst und kannst Du dies Allevon Dir tbun, nur damit kein Lohn folge der guten That und diese dadurch an Verdienst nicht verliere? Ja, in vielen einzelnen Fällen sehen wir nicht alsbald diesen Lohn eintreffen, oft entzieht er sich unseren Blicken, oft sind auch unsere Ansprüche zu groß, wir schlagen, wawir erlangen, zu gering an, und gktuben daher, daß der Lohn uns vorenthalten werde aber ungleich reicher ist die Erfahrung, die sich unö aufdrängt, daß wirklich auf treue- LebenSwrrk die lohnende Folge nicht auSbleibr, und drängt uns diese Ueberzeugung unzweideutig auf. Und fragen wir endlich: Kann es denn anderfein? Ein Gott ist im Himmel droben und auf Erden drunten. Gin- Gott, der die Gesetze der Schöpfung gegründet, und der die Geschicke der Menschen leiter. ES giebt keinen Zufall, nicht in der Natur, nicht in der Menschenwelt. Alles ist Gesetz und Fügung GotteS. Alles Zweck und Mittel. Und muß nun dieser Gott nicht gerecht sein, daß seine Fügung das Gute zum Ziele, daS Böse zum Schwinden bringt? Und verlangt nun diese Gerechtigkeit GotteS nicht, daß, wie dem Bosen, der Sünde, .dem Verbrechen die Strafe werde, so dem Guten, der Tugend, der Erfüllung deS Geboteder Lohn? Nimm diese hinweg, und Du läugnest die Gerechtigkeit GotteS; läugne diese, und Du läugnest Gott; läugne diesen, und Du verläugnest Dich, all Deine Gefühle und Gedanken, die Welt ringsum, wie Du sie schaust und begreifst, AlleS! All dies hängt genau aneinander, eS ist eine feste gegliederte Kette der Begriffe und der Wahrheit, nimm Eineheraus, und AlleS zerfällt in Nach«? und GrauS, ln daS öde Dunkel de- Nichts. So lehrt und erweist uns die Nothwendigkeit der göttlichen Gerechtigkeit, die Wirklichkeit und Erfahrung und die Bestimmung des ErdenlebenS zur Erziehung dxS Menschen, daß die Lehre der Schrift wahr und wahrhaftig ist: daß dem Guten der Lohn folgt, und Gott unsegnet dafür, daß wir seine Rechte wahren und seine Gebote üben,- Haben wir aber also die beiden Gegensätze in ihren Gründen und Erweisen genauer geprüft, so wird es uns auch nicht schwer, sie zu vereinbaren und auSzugleichea. Die heilige Schrift in den Worten der Sidra spricht die Lehre und die Thatsache au-; aber sie sagt nicht, daß jeder guten, jeder einzelnen That der Lohn und Gewmw auf dem Fuße folgt, daß somit Werk und Lohn sich gleichmäßig verhalten und > bemeffrn lassen, sondern vielmehr, daß ein ganz gerechter und fromme/ Lebenswandel vom Segen Gottegekrönt werde, daß ein Volk, welchedurchweg die Rechte des Herrn befolgt, in Sittenreinheit, Zucht und Frieden lebt, immerdar blühet und von Gott in Bestand und Fülle geschützt wird, daß ein Mensch, der Gotte- Gebote übt und in allem seinem Thun dauernd vor Augen hat, auö allen Kämpfen siegreich hervorgehr, und durch die Fügung GotteS gedeiht. Der Weise von Socho widerspricht nicht etwa dieser Lehre, sondern gerade im Geiste derselben will er nur nicht, daß wir diesen Lohn, diesen Segen , zum Motiv, zur Triebfeder unseres Handelns machen, daß wir um deffentwillen unsere Thäten einrichten, und unsere Unternehmungen mit dieser Absicht beginnen; er ruft unzu: die Ehrfurcht vor Gott sei in Euch — thuet tz/rS Gebot Gottes um GotteS selbst willen, weil es sein Gebot ist, wie ein liebevolles Kind seine- DaterS Vorschrift nicht weil ihn der Vater, belohnen kann und wird, sondern «eil sie deS Vaters Vorschrift ist, heilig hält; thuet däS Gute um. de- Guten willen, daß ihr gut seid und immer besser wervet; übet Eure Pflicht, weil sie Eure Pflicht als Manschen und Israeliten ist, «tcht weil Ihb Euch Ehre, Gewinn und Verdienst bei Gott und Menschen davon versprechet; verrichtet Euer Gechet, haltet Eabbath und Fest, lebet als ftomme Ifrae. Wtrti, weil Ihr Euch dadurch heiligt und zu Gott erhebet «nb erfüllet wozu Ihr geboren und erzogen seid, nicht indem Ihr dann stündlich einen' göttlichen EegenSerguß zu etttarten hättet — — dann, wenn Ihr also lebet und nur Gott im Herzen habet, sehet, dann wird der Segen Gottes in det Thal übxr Euch kommen, sich an Eure Schritte unbewußt knüpfen, und Euer Lebe« zu einem heilvollen für Tuch und Eure Geschlechter machen. So halte eS, mein Bruder, meine Schwester i Leie gerecht und fromm, weil.gerecht und fromm leben schön, befriedigend, erhebend, läuternd, göttlich ist — und Du wirst von Gott gesegnet sein, ehe Du es noch ahnest. Wenn Du aber eine That thuest, so fliehe den Gedanken, dafür wird Gott.mich belohnen, weil dies Deiner unwürdig ist. weil Du dann ein Diener um Lohn.bist, weil du dann Deiner That bas'Verdienstliche nimmst — aber sicher sei fest deS Glauben-, wenn Du tugendhaft wandelst vor Gott, wenn Dein Leben Tag für Tag eine Reihe von Tharen deS Rechts und der Liebe, von Werken des Friedens ist, dann ftgnetl Dich Gott mit Seinem herrlichsten Daterfegen. und dieser Segen wird sich bewähren an Dir. an Deinem Hause, an Deinen Kindern von Geschlecht zu Geschlecht. — Er segnet die GotteSfürchtigen, die Kleinen fammt den Großen. fPf. 115.13.)