Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 6 (1859)
- Issue
- 36 (1859)
- Date
- 1859-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Zar Jüdisches Bolksvlatt Belehrung und Änterhastuug aus jüdischem ZeÜiete. Herau-gegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philipps»» in Magdeburg. jNo. 36.18SS ] Von tiffn Zeilschrift rrscheiut wöchentlich ,I,e Na««rr. Drei» de» 3lahr> g,»g« I Lhlr viftleljSbri,, 7«, N-r. Ave v»Lha»dl»»ge», PojUwter »ad Arit»»g«tsp«ditioae» »eh»e» veftellaugc» aa. [6. Jabrg. 3. Quartal] Haben wir einen Lohn zu erwarten auf gute Thatcn? Die Sidra Ekeb beginnt mit einem bedeutungsvollen Au-spruche, der aber in ähnlichen Sätzen durch die ganze Tborah klingt; eü heißt nämlich (5. Mos. 7.12. 13.): „Uno wird geschehen, dafür, daß ihr gehorchet diesen Rechten und wahret und thuet Ne, wird der Ewige dein Gott dir den Bund und die Gnade wahren, welche er deinen Vätern geschworen, und wird dich lieben und dich segnen und dich mehren, und segnen di« Frucht deine- Leiboö und die Frucht deine- Erdboden-, dein Getreide und deinen Most und dein Oel, deiner Rinder Wurf und deiner Schafe Zucht, auf dem Erdreiche, darr deinen Vätern dir zu geben geschworen." ES lassen diese Worte keinen Zweifel zu; 2^5. heißt tS. ,.dafür" daß ihr die Rechte. Gesetze und Gebote befolget, werdet ihr gesegnet an euren Kindern, H,erden. Ernten. Wir haben also für die Erfüllung der Gebote, für die Ausübung guter Werke einen Lohn, einen reichen Lohn zu erwarten, und wir haben sie daher in Erwartung riefe- Lohnezu thun. Und in der Thal können wir zahlreiche Stellen der heiligen Schrift anführen, die un» dieselbe Verheißung entgegenbringen. Diese Lehre thut unauch wohl, wir erfassen sie gern, wir geben unwillig der schmeichlerischen Hoffnung hin: Du hast die- und die- Gute-, diese und diese nut» gethan, die- und dieum degöttlichen Gebote-" willen unterlassen, nun barre still, der Lohn bleibt nicht au- und du wirst ihn genießen können. Und dennoch regt stch in unserm Innern auch Etwaragegen. Tritt nicht Einer der ältesten Lehrer an der Pforte der mischnischen Weisheit auf unhin. Antigonu» ron S ocho, und ruft unzu (P. A. I. 3.): „Seid nicht wie die Diener, die dem Herrn dienen in dem Sinne, daß sie Lohn dafür empfangen, sondern seid wie die Diener, die dem Herrn dienen nicht in dem Sinne, daß fie Lohn dafür empfangen, und die Ehrfurcht vor Gott sei auf Euch." Erscheint da die Lehre de- Antigonunicht der Lehre der Schrift geradezu entgegengesetzt? Diese sagt un-: für die gute That erhältst Du Lohn, und darum thue sie —■ Antigonuspricht^ thue ja nicht die gute Thal im Sinne. Lohn dafür zu empfangen — ja, noch mehr, er setzt dieser Meinung geradezu die Ehrfurcht vor Gott gegenüber, als ob diese mit dem Glauben. Lohn für die gute That zu empfangen, gar nicht vereinbar sek. Fürwahr dieser Widerspruch ist sehr erheblich, und hat so unmittelbare Einwirkung aus uns, baß wir wohl beide Lehrsätze erörtern mögen, gim da- Richtige, dawain unserem Leben und Handeln bestimmend auf unS wirken soll, zu finden und zu verstehen. Folgen wir zuerst dem ehrwürdigen Weifen von Socho. suchen wir die Erwägungen auf, die ihn zu seinem Aussprache führten. Wie? sprach er zuerst zu sich, auf gute Tbat Lohn zu empfangen und zu erwarten. erscheint dienicht unwürdig de- Menschen, ihn zu verheißen und zu enheilen, unwürdig Gotte-?.. Dr- Menschen, denn ebeschränkt seine sittliche Freiheit. Wer immerfort bei seinen Handlungen von der einen Seite da- Füllhorn der Drlobnung, ppa der aadern die Muthe der Bestrafung vor sich har. der ist nicht ftei, der übt keinen freien, ausich selbst entstandenen Willen »u», denn da- Verlangen nach dem Lohne und die Furcht vor der Strafe werden ihn niertzal» ftet wählen lassen, sondern sein Thun bestimmen. Wie der Schüler auf der Schulbank, der sich nicht vom Drange nach Wissen, von der Lust nach Srkenntniß und Tpgend. sondern von Lob und Tadel, die er zu erwarten, von Erhebung und Erniedrigung, von Lohn oder Züchtigung leiten läßt, wie der Mündel unter seinem Vormunde, wird der Mensch unfrei erscheinen, keinem höheren Beweggrund, keinem edlern Streben, keiner freien Liebe zum Guten, keinem Verlangen nach Entwicklung. Veredlung. Verklärung huldigend und hingegrbe», sondern gefesselt durch Lohn und Strafe, von der einen Sette angelockt durch die Süßigkeit de- Lohne-, von der andern znrückzrschreckt durch die Bitterkeit der Dcrdammniß, und nur darum auf dem engen Pfade der Pflicht sich haltend. Aber auch unwürdig Gotteselbst. Wie? Er sollte seinen . Dienst um Lohn erkaufen? Ihm wäre es wie ans Eifersucht nur darum zu thun, Diener zu Habers, die eifrig seinen Dienst vollsühren, au» welchen Beweggründen die» ^uch geschehe? Wie ein Herr wohl seinem Diener einen um so höheren Lohn verspricht, je genauer n sich seinem Willen unterwerfen werde, oder desto unerbittlichere Straft androbt, wenn« er ihn verletzen sollte, so solle Gott mit un-, seinen Kindern. seinen Geiste-ebenbildlichen, die er „um Wenige» den Göttlichen nachgesetzt" (Pf. 8, 6.). verfahren? R lmmermehr. Weiter erwog Antigonu». Wenn wir da- Gute um deverheißenen underwarteten Lobne» willen thun. wird dadurch der guten Tbat nicht jedes Verdienst geraubt? ' Du thust es um de- Lohnewillen — nun, so ist es