Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 6 (1859)
- Issue
- 34 (1859)
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 136 (sequence 4)
- Language
- German
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136 br jene groben Leidenschaften fern, durch ta verwildert; er sah endlich, was der Anfar aller Weisheit. Gottesfurcht, daß selbst der Religion die geistige Macht und H üben sollte, vielfach verloren gegangen, und Herzen Israel s die Gottesfurcht do wichen, und ste. immer wieder zu rcligii Leben anrreibt —r und als er Dies qewal ..Wie schon deine Gezelte, o Jakob. Israel", auch wenn ste aus niedrigen Landschaft bestehen. Und hiermit wandte an meine Hörer. Ick forderte sie auf Herzen, sich dieses innige und friedliche F diese Mäßigkeit und Selbstbeherrschung, furcht in Wort und Werk zu wahren, und würden immer schön, ihre Gezelte im« auch, wenn sie über das Land gestreut uut Häusern der Städte fern seien. Mit Gebete schloß ich. (Schi-8 f-lzt.) elche der Mensch g und das Ende in Zeiten, wo rrschaft, die sie nuS den Hausern h nicht ganz ge» sem Wirken und rte, rief er aus: ine Wohnungen. Hütten in armer ich mich mahnend aus bewegtem amilienleben. sich ich diese Gottesihre Wohnungen rer lieblich sein, von den Pracht», einem herzlichen Die Juden im Mittelalter. Die Beschuldigungen und Schmähungen, welche nichtjüdische Schriftsteller aut die Juden des Mittelalters zu Kaufen pflegen, haben ganz falsche Vorstellungen von der Stellung, dem Einfluß und dem Nutzen derselben bewirkt, Einen kleinen Beitrag.Zum Gegenbeweis! führen wir in Folgendem an. Ein^großer Thril der aus Spanien perbannten^Zuden wandelte nach der Türkei. Nicht blos den Handel und Wandel in der Türkei brachten die eingiwanderten Juden, im 16. Jahrhundert in Plluhe — roa«; der venelianische Staat nicht ohne Scheelsucht bemerkte \— sondern auch durch die Künste und mechanische Fertigkeiten, welche ste die Türken lehnen, tbaten ste den christlichen Staaten Abbruch. Hören wir einen Reisenden aus dieser Zeit über die Juden sich aussprecben! Nicolas Nicolai, der ..vier Bücher von t^er-Schifffahrt und 'irr Theiß in der Türkei" geschrieben; läßt sich also vernehmen: „Es-hat in der ganzen Türkei und Gräcia, vorab zu ^önstankinopel so eine große Menge Juden, daß es sich nllig zu verwundern und schier unglaublich ist, solche ha »ffen und mehren sich täglich von wegen der Kaufmannsch »fl, Wechsel und Hantierung, die sie fast zu allen Orkin zu Wasser und zu Land.treiben, daß »nan mit Wahrheit sagen kann, sie haben die größte Kaufmannschaft re., die im ganzen Lrierit ist, in ihren Händen. In Konstantino; el haben sie die größten Gcwelb und Laden mit den köstlichsten und besten Waaren aller Art. Uebrrvies trifft mar unter ihnen viele trefflichen Künstler und Handwerker, fürnchmlich unter den Marancn, so vor Jahren aus Portugal »nd Spanien verjagt worden sind. Diese haben mit der Christenbeil großen Schaven und Nachtheil, die Türken mancherlei Kunst- und Kriegsrüstung lehren machen. grobeS Geschütz; Hakcrr- und Handbüchsen, Pulver, Kugeln und ander Feuerwerk. .Gedachte Juden haben auch eine Druckerei angerichtet, was den Türken ein seltsames Ding ist. Sie drucken lateinisch, griechisch, italianiscb, syrisch, hebräisch. Ll'irkisch und Arabisch dürfen sie nicht drucken. Zudem sind sie der meisten Sprachen kundig. Deßhalb auch als Dolmetsch zu gebrauchen." Ganz in derselben Weise berichtet über zwei Decennien später (1573) der vrnetianische Fürst Soranzo nach seiner Rückkehr aus Konstanunopel, als er in feiner Vaterstadt Venedig erfuhr, daß man die Juden auS derselben vertreiben »volle: „Was für eine böse Tbar", ruft er aus, „habt ihr da vor, die Juden zu vertreiben? Eine Maßregel, welche für euch noch schliinme Folge haben wird. Wer bat der Türken Glück gefördert, »voher nahmen ste Arbeiter, die ihnen Kanonen, Bogen, schweres Geschütz, Schwert, Schild und Lanze anfenigten. wenn nicht von den aus Spanien vertriebenen Jlrdeii? Unv diese zu vertreiben. ist euer Rathschluß, damit sie zu unfern Feinden übergeben?.' Wißt nur: Die Juden stcb-'N bei den hoch» sten Würdenträgern der-Türken gar sehr im Ansehn, darum wahrlich nicht gut ist euer Ratschluß!" (S. Don Joseph Nahi von llr. M. A. Levv.) Unterhaltungs-Pillen. Bon Louis Lehmann in Bad Homburg. Bor 50 Jahren, einer Zeit, in welcher man nichts von Eisenbahnen wußte, waren die nach Leipzig reisenden Frankfurter Kautleute sehr darauf bedacht, sich diese Reise so angenehm als möglich zu machen. Zu diesem Code fand ein wahrer Wettstreit unter denselben statt, wer den seiner Schnurren und witzigen Einfälle wegen allgemein beliebten MoscS Schweitzer bei sich haben könnte, und jede Partie überbol die andere-an Aufmerksamkeit und Belohnung für denselben, da doch nur eine ihn haben konnte. Einmal kam ein bedeutender Kaufmann zu ihm und sagte: „Lieber Moses, die andere Woche reisen wir wieder nach Leipzig u»ld da Du. wie uns bekannt, nicht so ganz fromm bist, so wollen wir's auch nicht so genau nehmen mit Milchtrinken bei Nichtisraeliten."'— „Was sind Sie für ein Schote, mein guter lieber Freund, mit ihrem Milchtrink^n", antwortete der Angeredete, „die andere Partie hat mir schon Käse angeboren'." An vielen Plätzen eristirt noch der unästhetische Brauch, beim Hersagen der Megillab die Passage, die von Hamans Erbängung erzählt, mit dem sogenannten Cbuppcchnigon zu recitiren. Als der Vorsänger dieseeinstens wieder that, mit den Worten anfangend: „wajitlu ess homoa al hoez‘% seufzte eine Frau auf der Frauengallerie: „ach, wenn nur meine Jitle auch schon so weit hielte!" Allgemeine Zeitung de« Judenthums. Ro. 33. 1859. Leitende Artikel: We sehr die Menschheit noch im Heidenthume steckt! — Die israelitische Tgibelanstalt. — Literarischer Wochenbericht. Zeitungsnachrichten: Drutschlaod: Hannover. — Preußen: Stettin, Berlin. Berlin. — Rußland: Friedrichstadl. — Nordamerika: New-OrlcanS. Eorvesponden;: Jüdisches Schulwesen in Ungarn. Lerantwortlicher Redacteur: Nabe. Verlag voll BauMftartner'» BuHhandlllllg in Vehnifl. —\ Trntf een Alexander Diede i» Leipzig.