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Jüdisches Volksblatt · 1859-01-01 · 34 (1859) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
6 (1859)
Issue
34 (1859)
Date
1859-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdisches Volksblatt Belehrung rmd Anlerhaltung auf jüdischem Zebisle. Herausgegeben von Rabbiner vr. Ludwig Philippson in Magdeburg.. Mo. 34.1859 j Bo« dieser Zeitschrift erscheint wöchentlich eine Nummer. Preis des Jahrgangs I THIr Bicrteljährig 7', Ngr. Alle Lnchbandlungeu, Postämter und Zeituogserpeditloaea nehmen Bestellung!.'» an. ^6. IllLrg.-Z. Hunrtsl.^ Aus dem Bade. Meine Leser haben mich freundlichst daran gewöhnt, > mir willig einige Augenblicke in daö sommerliche Still-! leben zu folgen, welches ich mir nach ärztlichen Vor--! schritten und nach dem selbstgefühlten Devürsniß jährlich - gestatten muß, daß ich nicht anstehe, mir ihren Besuch und eine freundschaftliche Unterhaltung auch in diesem > Jahre zu erbitten. In einem, wenn auch sehr einfachen,! aber doch umgrünten Garten, unter dem Laube einer, i ibre Aeste weitbinstreckenden schattigen Buche, daS Auge auf Hie bewaldeten Höhen gerichtet, auf denen der Sonnen» j schein so glänzend liegt und dablaue, klare Himmelsgewölbe zu ruhen scheint, vom Hauche deS frischen Morgenwindeumfächelt, der noch belebend in die heißeren Vormittagsstunden hinüberspielt, läßt eS sich allerdings einen Freund gut empfangen, und mit ihm angenehm plaudern. Man braucht da nicht aukzuforderü, die Welt und ihre Händel zu vergessen, die Sorgen und Beängstigungen des Lebendaheim zu lassen — sie schwinden von selbst, oder vielmehr, Welt und Leben erscheinen in einem helleren, goldenen Lichte, daß man sie vpn da auS ganz anderansieht. ES ist eigen. Worin n»an daS ganze Jahr lebt und webt. waS nnS so erfüllt, daß eS der Odem unsere- Daseinzu sein scheint, daS kommt un» von solch' grünem Soinmereilande auS immerhin als sehr bedeutend unv wichtig vor, aber doch nicht so einnehmend, so vorwiegend, daß eS unS erdrücken könnte, sondern daß wir eS mit Ruhe und Besonnenheit als etwaS außer unS Seiendes zu behandeln vermögen. Mit einem Worte: in dem friedlichen, grünen Thale wird man sich seine« Lebens für sich bewußt, man empfindet wieder einmal/daß man sich selbst gehört, ohne ganz und gar an da- Aeußere bingegeben zu sein, und ohne daß man sich der Selbstsucht zu zeihen braucht. Doch wohin geralhe ich schon? Meine Freunde wissen noch nicht einmal, wobin ich sie etnlade, wo sie sich mit mir niederlaffen und der belebenden Luft und deS WiesengrünS und WaldeSschattenS genießen sollen, und ich bin schon mitten in der Betrachtung. Jndeß noch die eine Versicherung muß ich voran schicken, daß e» mir noch niemals fo schwer geworden, mich aus der Heimath zu trennen, wie diesmal. Der Krieg stand auf der Erde. Und wenn ich auch nicht zu besorgen hatte, baß die theuren heimathlichen Fluren sobald schon von den Hufen feindlicher Rosse zertreten werden würden, und ich immerhin, bevor der schreckenerregendd Schlachtruf auch über sie erschallen könnte, zehnmal wieder nach Hause zu eilen vermochte, so lagen doch so viele Bekümmernisse unv Beängstigungen auf allen befreundeten Gesichtern, bei der Verwirrung der Verhältnisse, der Stockung! aller gewerblichen .Bewegung waren so viele redliche. Herzen voll Sorgen, daß eS Einem wie eine Sünde vorkam, von so Dielen zu scheiden, und sich den Freuden der Natur binzugeben, während AlleS leidet a»nd fürchtet. Allein die Nothwendigkeik gebot; eS war auch eine Pflicht, sich derselben zu unterziehen, und von der anderen Seite stellte sich die Betrachtung dar, wären wirklich so schwere Zeiten in Anzug, man die wenigen Tage benutzen müsse zur Stärkung, die noch gegönnt wären. Nun, der Herr hat Friede gegeben, und da somit eine fröhlichere Heimkehr bevorstcht, als de^ Abzug aus der Heimath eS gewesen. so mögen wir jetzt jener peinlichen Gefühle um so eher vergessen.! Doch hatte unS die Dringlichkeit der Verhältnisse einen Badeort so nahe wie möglich wählen lassen, nicht bloß im deutschen Baterlande selbst, sondern auch so recht im Herzen desselben. Wir wandten unS' nach den schönen Thüringischen Gaueh, und zwar in daS Sachsen- Meiningen'sche -Ländchen, zum Dorfe Liebenstein. Wir brauchen dem Seftt; die schon so oft gehörte Klage nicht zu erneuen, daß die Schnelligkeit deS Dampfrosse« dem Reifenden alle ^Gelegenheit, die Länder kennen zu lernen, benimmt, und daß man in der Thai nur von den Endstationen der Reife > eine genauere Kenntniß erlangt. Wie oft sind wir -durch Thüringen pasnrt, ohne etwaS mehr als einen höchst flüchtigen Blick erhascht zu haben. ES war daher ganz willkommen, einmal länger in demselben zu verweilen. Die Landschaft, zu der wir eilten, nimmt den südlichen Abhang des "sdtzenannten Thüringer Waldes ein. ES herrscht daher hier ein milveS Klima; Stürme unv Unwetter stüd selten; die Höhen erheben sich nur mäßig, in ihren höchsten Spitzen kaum zu 3000 Fuß; nur vereinzelt tritt daS Gestein nackt zu Tage und bildet Gruppen granitener Felsen; die Formen der Höhen sind daher weder groteSk, noch scharf abgekantet, sonvern weit hingezogen, überall geräumige Thäler, ja Ebenen umschließend, aber alle sind mir den herrlichsten Waldungen bekleidet, insonderS mit den prächtigsten Buchen, so daß WaldeSschattcn und Wiesengrün überall vereinigt, überall vermischt, den süßesten! Reiz über die Landschaften auSbreiten. Nicht» Majestätisches, selbst nicht- Großartig,«, nicht- HervvrsteheadeS, aber da- Liebliche. Wohlthuende in immer frischer Abwechselung und ansprechender Gestaltung. Nur da- Eine wird ungern vermißt, Retchthom

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